CD Review: Erdling – Aus den Tiefen

Erdling Aus den Tiefen Band: Erdling
Titel: Aus den Tiefen
Label: Out Of Line
VÖ: 22.01.2016
Spielzeit: 37 Minuten (CD 1), 29 Minuten (CD 2)
Wertung: 4/5

Musiker kommen und gehen. Bands machen Musikerwechsel durch, die Exmitglieder formen Soloprojekte, scheitern oder reißen damit was. Unzählige Combos von ehemaligen Topkapellen schwirren durchs Netz und kommen immer seltener wieder zum zuvor erreichten Ruhm. Ab und zu gibt es dann doch Lichtblicke, die das Musikliebahberherz höher schlagen lassen, so auch das Erstlingwerk von Erdling. Bestehend aus den Ex-„Stahlmann“-Mitgliedern Neill Devine und Niklas Kahl, komplettiert von Neno Knuckle und Marco Politi spielen sich die vier Rocker direkt in den Gehörgang und gehen da auch so schnell nicht wieder weg.

Beim ersten Durchhören der Platte „Aus den Tiefen“ bekommt man ziemlich schnell den Eindruck, dass wir es hier mit einer Mischung zwischen Eisbrecher und Lord Of The Lost zu tun haben, mit einer Prise eigener Innovation. Das mag aber auch ein wenig daran liegen, dass kein Geringerer als LOTL-Mastermind Chris Harms die ganze Scheibe produziert hat. Direkt der Opener und Namensträger des Albums „Aus den Tiefen“ klotzt ordentlich rein und zeigt sich von einer
außerordentlich harten Seite, die aber so stark groovt, dass hier keiner stillhalten kann. Es darf sich bewegt werden und vor allem gehen die Vocals von Devine sofort ins Ohr, so dass ziemlich fix mitgesungen werden darf. Doch am Anfang glänzen und dann wieder versiegen ist absolut das Gegenteil, was einen dann auf dem Album erwartet. Direkt der bereits als Single erschienene „Blitz und Donner“ führt den vorangegangen Sound weiter und bohrt sich durch Mark und Bein. Der Bass wummert durch die Boxen, während die Gitarren verzerrt darüber schreien und das Schlagzeug krachig das Sahnehäubchen bildet. Dazu der klare Sprechgesang und wir haben einen super Track voller Härte und Ehrlichkeit. Generell sind die Texte nicht großartig tiefgründig, die Message liegt in jedem einzelnen Song klar auf der Hand, was nicht zuletzt an den recht simplen Reimen liegt. Dieser Mix aus Transparenz und Beständigkeit ist das, was Erdling ausmacht und sich von anderen Bands im ganzen Dark-Metal-Pool abhebt.

Neben treibenden Krachern wie „Firmament“ und „Schattenland“ sind aber auch emotional anmutende Stücke wie „Stimme der Wahrheit“ und „Im Horizont“ auf „Aus den Tiefen“ zu finden, die trotz weniger BPM-Zahlen keineswegs an Druck verlieren und eine schöne Abwechslung bieten. Vor allem der stürmische „Du bist Soldat“ verbindet fast träumerische Hintergrund-Keys voller Sphäre mit den wilden Gitarren, die immer wieder kurz ausbrechen um sich dann wieder im Gesamtbild einzugliedern. Auch das tiefdunkle „Mehr“ bietet neben den eindeutigen Vocals eine heftige Instrumentalisierung, auf die sich die Gesangslines komplett aufsetzen ohne dabei zu eintönig zu wirken.

Ihr seht, es erwarten euch zehn Tracks voller Vielfalt und eisernem Sound, der immer mehr voranprescht! Wer sich den Spaß der 2-Disc-Edition gönnt kommt auch noch in den Genuss von sieben Remixen von namenhaften Bands wie Heimataerde oder A Life Divided. Absolut hörenswert und ein kleiner Leckerbissen für den Mix-Liebhaber. Insgesamt haben Erdling ein wirklich gutes Debüt geschaffen, mit allen Ecken und Kanten, die man bei einer ersten Platte erwartet und gerne hört. Das Quartett schlägt zwar schon eine markante Richtung ein, den totalen Wiedererkennungswert müssen sich die Jungs aber noch verdienen. Man darf also gespannt sein, was die Fans aus der Erdling-Schmiede in Zukunft noch erwartet. Man kann aber jetzt schon sagen, dass vor allem die Ex-Stahlmänner jetzt viel freier und viel angekommener klingen als in ihrer vorigen Combo und das lassen sie den Hörer in jedem einzelnen Song eindrucksvoll spüren! Gut gemacht, bitte mehr davon!

CD1

1. Aus den Tiefen
2. Blitz und Donner
3. Firmament
4. Dickicht
5. Stimme der Wahrheit
6. Schattenland
7. Du bist Soldat
8. Mehr
9. Im Horizont
10. Es ist Zeit

CD2

1. Im Horizont (Akustik Version)
2. Dickicht (DYAO Remix)
3. Stimme der Wahrheit (Hucretha Remix by Heimataerde)
4. Schattenland (A Life Divided Remix)
5. Aus den Tiefen (Chainreactor Remix)
6. Firmament (Piano Version feat. Gared Dirge)
7. Mehr (Wobbled Up Remix)

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