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Ursprünglich ist der Comic Zuflucht nehmen von Mathias Énard (Text) und Zeina Abirached (Zeichnung) im September 2019 beim avant verlag erschienen. Die 345 Seiten gibt es in tollen Zeichnungen aber „nur“ in schwarzweiß.

© avant-verlag - Mathias Énard, Zeina Abirached - Zuflucht nehmen

© avant-verlag – Mathias Énard, Zeina Abirached – Zuflucht nehmen

Zuflucht nehmen spielt einerseits in Afghanistan, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Dort spielt sich folgendes Szenario ab: „In einer sternenklaren Nacht, zu Füßen der Buddha-Statuen von Bamiyan, verliebt sich die Schriftstellerin Annemarie Schwarzenbach in eine Archäologin. Es ist die Nacht, in der Deutschland Polen überfällt und die Welt für Jahre in Chaos versinkt.“

Andererseits in Berlin im Jahr 2016. Dort spielt folgendes Szenario: „Karsten, der sich für die Sprachen und Kulturen des Nahen Ostens begeistert, trifft in Berlin auf Nayla, eine syrische Geflüchtete, die sich mehr schlecht als recht durch Alltag und Behördenwirrwarr ihrer neuen Wahlheimat manövriert. Die beiden kommen sich näher, eine zarte Liebe entsteht.“

Die beiden verschachtelten Liebesgeschichten sind ungewöhnlicher Natur und sollen zeigen, „wie schwierig es ist, die Grenzen im Kopf und zwischen den Menschen aufzulösen und zu vereinen, was Tradition und Geschichte getrennt haben.“

In Der Bittere Weg schildert unter anderem Ella Maillart eine Episode, die von den Schriftstellerinnen Annemarie Schwarzenbach und Ella Maillart handelt. Beide sind auf der Reise nach Kabul und machen einige Tage Zwischenhalt beiden Archäologen Ria und Joseph Hackin in Bagram, Afghanistan. Dort erfahren sie vom Kriegsausbruch in Europa. Einer der beiden Liebesgeschichten zog aus dieser Episode ihre Inspiration. Maillart überlebte als einzige den Krieg. Annemarie Schwarzenbach starb 1942 bei einem Unfall in der Schweiz. Ria und Joseph Hackin kommen ums Leben, als das Schiff, dass sie in den Orient bringen soll, am 24. Februar 1941 von einem deutschen U-Boot torpediert wird. Weiter heißt es: „Die Auszüge der Gedichte auf den Seiten 186 bis 196 stammen vom syrischen Dichter Nizar Qabbani.“

Ein schnelllebiges Werk muss ich sagen. Viel Atmosphäre ohne Texte, wo einfach nur die Bilder, die Umgebung, wirken können. Wo selten etwas gesagt werden kann. Vielleicht wären, falls nötig, Erläuterungstexte in eckigen Kästchen möglich gewesen. Ansonsten waren die Schwierigkeiten des Verliebtseins in beiden Storys greifbar. Interessant gemacht. Auch ein gewisser kultureller Einblick wird einem gewährt. Allerdings nur klein. Klar. Lohnt sich sicherlich mal reinzuschauen und durchzulesen.

(**)

Oliver Lippert
Oliver Lippert
Schreibe schon seit Mitte der 1990er und habe seit Oktober 2020 zwei Bücher ("Kaleidoskop - Abschnitt 1 -" und "Kaleidoskop - Abschnitt 2 -") veröffentlicht.
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