CD Review: Lord Of The Lost – Empyrean

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Lord OF The Lost EmpyreanBand: Lord Of The Lost
Titel: Empyrean
Label: Out Of Line
Genre: Dark Rock
VÖ: 29.07.2016
Wertung: 4/5

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Die Hamburger Formation rund um Frontmann Chris Harms bleibt ihrem Tempo treu: Wie auch in den vergangenen Jahren erscheint mit Empyrean (07/2016) nach ziemlich genau einem Jahr und pünktlich zum Spätsommer die neue Platte der Jungs. Dieser hohen Produktivität, aber auch dem – aufgrund dieses schnellen Tempos erstaunlichen – Abwechlungsreichtum dürfte es mitunter geschuldet sein, dass Lord Of The Lost schon lange aus den Tiefen der schwarzen Szene an dessen Spitze geklettert sind. Dabei glänzen sie mit hoher Experimentierfreudigkeit; während beispielsweise „Antagony“ (04/2011) noch eher die klassischen Dark Rocker begeisterte, beeindruckte „Swan Songs“ (03/2015) mit sanften Klängen und fulminantem Orchester und die EP „Full Metal Whore“ (07/2015) mit brachialem Gesang und schnellen Riffs. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an das fünfte Studioalbum „Empyrean“.

„Empyrean“ schlägt als Konzteptalbum allein inhaltlich schon neue Wege ein, die selbstverständlich auch neue Herausforderungen mit sich bringen. Sowohl die Gestaltung des Artworks als auch das Engangement des Formalin-Frontmann als Co-Produzent zeigen dabei, dass sich das Quintett stilistisch in Richtung elektronischer Musik orientiert, was durchaus mit der präsentierten Storyline harmoniert: Nachdem die Erde durch die Menschheit endgültig zerstört wird, wird sich auf die Suche nach der perfekten neuen Welt, Empyrean, gemacht, die sich irgendwo im Universum befindet und als Symbol für Erlösung und Neubeginn steht. Diese Geschichte erzählt Chris Harms in insgesamt 13 Titeln, welche sich zunächst mit der Situation auf dem Planeten Erde befassen, bis die Apokalypse auftritt und die Reise in das Weltall beginnt.

Schon bald wird deutlich, dass die zuletzt ausgepackten E-Gitarren und schnellen Drums auch auf diesem Album nicht zu kurz kommen. Während der Opener „Miss Machine“ nach einem kurzem Riff in eine etwas ruhigere, aber doch eingängige Melodie abflacht, wird der Hörer mit „Drag Me To Hell“ und dessen treibenden Rhythmen endgültig in das Geschehen katapultiert. Die neueste Single-Auskopplung „The Love Of God“ wartet dann als erster Track mit umfassenden elektronischen Elementen auf, die in Kombination mit den härteren Gitarren und eindringlichem Gesang die neue musikalische Richtung der Lords aufzeigen. Spätestens bei Titeln wie „Raining Stars“ und „Interstellar Wars“ wird deutlich, dass sich die Gruppe doch ziemlich eindeutig von den metallastigen Klängen der vorherigen EP wegbewegt und wieder mehr auf einprägende Melodien mit zwar stellenweise durchaus hartem, insgesamt aber seichterem Gesang setzt. Alle Befürchtungen, dass „Empyrean“ als Konzeptalbum zu homogen und eintönig auftritt, werden hingegen durch „Black Oxide“ und „Doomsday Disco“ beiseite gewischt: Während das Duett mit der Newcomerin Scarlet Dorn sanftere Klänge anschlägt, steht „Doomsday Disco“ als härtere elektronische Tanznummer, die entfernt an den Kracher „La Bomba“ erinnert, in klarem Gegensatz; dabei wird aber beides überzeugend und vielleicht auch mit einem leichten Augenzwinkern präsentiert. „Death Penalty“ und „No Gods No War“ halten das flotte Tempo des Vorgängers aufrecht und zeigen die wohl gelungensten Verbindungen elektronischer Effekte mit dem gewohnten Sound Lord Of The Losts, bevor die letzten drei Titel etwas abrupt die Geschwindigkeit drosseln und die Scheibe ausklingen lassen. Somit wirkt „Empyrean“ stilistisch in sich konsistent, auch wenn der Übergang zum Ende etwas flüssiger hätte sein können.

Das Bonus Mini-Album „The Final Chapter Of Mankind“ der limitierten Edition knüpft an die gemächlicheren Klänge an. Eröffnet vom instrumentalen „Adonai“, das mit effektiv eingesetzten Streichern und Klavier beinahe im Stil eines epischen Film-Sountracks aufwartet, dürfte die zweite CD vor allem die Freunde von Alben wie „Antagony“ begeistern. Zwar beinhalten auch „Lament For The Condemned“, „Lost in Oblivion“ und „Traveller’s Wounds“ extremere Riffs und Growl-Passagen, der Clean-Gesang steht aber im Großteil der Lieder im Vordergrund. Das dürfte auch sicherlich der Tatsache geschuldet sein, dass „The Final Chapter Of Mankind“ die gesamte Story pointiert präsentiert.

Insgesamt kann Lord Of The Lost die gestellten Erwartungen und Herausforderungen zu großen Teilen erfüllen. Mit neuem musikalischen Stil, der überzeugend vorgebracht wird, erschaffen sie mit „Empyrean“ ein durchaus gelungenes Werk mit guten Songs, die zum einen miteinander harmonieren, aber auch einzeln funktionieren und großes Ohrwurm- und Livepotential bergen. Lediglich der inhaltliche Aspekt des Konzeptalbums bleibt ein wenig auf der Strecke: für den Hörer der normalen Edition ist es schwierig des Verlauf der Geschichte herauszuhören, vor allem wenn die Hintergründe unbekannt sind. Eine große Hilfe dazu bietet sicherlich die Bonus CD, die diese Schwäche ausgleicht.

Tracklist:

CD1: Empyrean
01.Miss Machine
02.Drag Me To Hell
03.The Love Of God
04.Raining Stars
05.In Silence
06.Black Oxide (feat. Scarlet Dorn)
07.Interstellar Wars
08.Doomsday Disco
09.Death Penalty
10.No Gods No War
11.The Interplay Of Life And Death
12.Utopya
13.Where Is All The Love

CD 2: The Final Chapter Of Mankind
01.Adonai
02.Lament For The Condemned
03.Now We Are The Aliens
04.Lost In Oblivion
05.Traveller’s Wounds
06.Wishing On A Scar

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