CD-Review: Harpyie – Anima

Band: Harpyie
Titel: Anima
Label: Metalville
Genre: Mittelalter Metal
VÖ: 28.04.2017
Spielzeit: 52 Minuten
Wertung: 5/5

Wecke das Tier in dir!

Archaische Urgewalten, schamanische Einflüsse und eine überwältigende Kraft: Harpyie setzt bereits mit dem Titel der neuen Platte ein klares Zeichen, wo die Reise mit den Sturmvögeln hingeht: Auf dreizehn Tracks gehen die Mittelalter-Rocker den Abgründen der menschlichen Seele auf den Grund und tauchen dabei tief bis zum Bodes des humanen Daseins: Dem Tier in uns, „Anima“ eben.

Dass es für derart starke Bilder auch ein druckvolles Klangbild braucht, versteht sich von selbst und so spart Harpyie schon beim ersten Song „Anima“ nicht an dichter Atmosphäre: Nach dem gesprochenen Intro setzt eine fast schon epische Melodie mit Streichern und Chören ein, die dem Soundtrack eines Endzeit-Blockbusters Konkurrenz machen.

Es bleibt jedoch nicht beim großen Knall: Egal, ob folkloristisch angehauchte Nummern wie „Rasputin“, melancholisch-sehnsüchtige Lieder à la „Vom alten Eisen“ oder mein persönlicher Favorit, die Ohrwurm-Hymne „Dynamit“. Bei aller Vielfalt zieht sich ein Merkmal wie ein roter Faden durch die Musik von Harpyie: Die treibenden Melodien und die rasanten Stimmungswechsel zwischen harmonischen Symphonien und wilden Brechern (Anspieltipp: „Totem“) mit denen die Sturmvögel sich angenehm und kräftig von der hiesigen Entwicklung der Mittelalter-Szene absetzen. Abstriche macht die Band an keiner Stelle – das beweisen die Harpyien übrigens auch von Anfang an lyrisch, etwa bei Reimen wie „Schenk mir die Stärke, schenk mir Leben/Sei mir Begehr, mein Fluch und Segen/ Gib mir dein Herz, lass mich zu dir/ Sei mir dein Lebenselixier/“.

Während altgediente Gruppen, die das Genre bekannt gemacht haben, im seichten Wasser schippern, treten die Ostwestfalen das Gaspedal voll durch: Brachiale Riffs, versierte Drum-Pattern und ein charismatischer Frontmann, dessen Stimme sich mühelos in das virtuose Gesamtkonstrukt aus harschem Metal und mittelalterlicher Verspieltheit einfügt.

Wo Idole aus dem Mittelalter Rock zu Schmusetieren werden, geht Harpyie zum Angriff über – und weckt mit „Anima“ das Tier in uns.

Trackliste:

01. Anima
02. Ambra
03. Schneeblind
04. Flieg
05. Rasputin
06. Totem
07. Vom alten Eisen
08. Dynamit
09. Jagdfieber
10. Berserker
11. Löwenherz
12. Schöne neue Welt
13. Unter Geiern

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