CD Review: Flying Colors – Second Nature

CD Review: Knorkator – We Want Mohr
25. September 2014
Fu Manchu für vier Termine zurück in Deutschland
26. September 2014

Band: Flying ColorsFlying_Colors_Second Nature
Titel: Second Nature
Label: Mascot Label Group / Rough Trade
Genre: Progressive Rock / Rock
VÖ: 26.09.2014
Spielzeit: 67 Minuten
Wertung: 3/5

Werbung

Mit dem Begriff „Super-Group“ muss man in letzter Zeit etwas vorsichtig umgehen. Zu inflationär wird er von den Marketingabteilungen der Prog-Labels als verkaufsförderndes Argument verwendet. Zu zahlreich schießen Prog-Super-Groups in den letzten Jahren aus dem Boden. Bei mancher dieser Musik-Gruppen fragen sich selbst Kenner, ob „Prog-Group“ nicht gereicht hätte. Liest man die Namen der Mitglieder von Flying Colors, so ist zumindest dieser Verdacht schnell ausgeräumt. Zu prominent und verlockend klingen Namen wie Mike Portnoy, Neal Morse, Dave LaRue und Steve Morse in den Ohren von Prog-Fans. Allerdings suchte man auf dem selbstbetitelten 2012er Debüt der Band um den jungen Frontmann Casey McPherson vergeblich nach Progressive Rock. Dass dieses Album auf sehr viel positive Resonanz – auch in der Prog-Szene – gestoßen ist, zeigt vielleicht, dass auch die Ohren eines Progies hin und wieder etwas Entspannung brauchen, die Songs auch mal kürzer, eingängiger und weniger kompliziert sein dürfen.

Die Ankündigung, dass das nun erscheinende zweite Album der Band „Second Nature“ etwas progressiver werden wird, erfreute da sicherlich im ersten Moment. Auf den zweiten Blick verwunderte sie aber auch. Waren Flying Colors nicht für etwas anderes angetreten? Und: Gibt es da nicht schon eine Super-Group namens Transatlantic in der Neal Morse und Mike Portnoy gemeinsam Progressive Rock machen?

Insofern reibt man sich schon beim ersten Song des Albums verwundert die Ohren. Liegt die falsche CD auf, klebt ein falsches Label auf dem Rundling? Das gut zwölf-minütige „Open Up Your Eyes“ ist so sehr Transatlantic, wie es nur geht. Ohne Frage ein hochklassiger Song. Jeder Instrumentalist darf sich hier schon mal zeigen und auftrumpfen. Aber, es gibt bereits eine Band, die haargenau diesen Sound spielt. Erst als McPherson nach 4:30 Minuten anfängt zu singen, kann man sich sicher sein, ein Album der Flying Colors zu hören. Als im späteren Verlauf aber auch noch Neal Morse Gesang beisteuert, ist wieder zu 95% Transatlantic (die fehlenden fünf Prozent sind Steve Morse zu verdanken, der an seiner Gitarre nicht wie Ronnie Stolt klingt) zu hören. Hier stellt sich ganz klar die grundlegende Frage nach Sinn und Unsinn dieser Musikkapelle – oder besser: ihres Richtungswechsels. Auf ihrem ersten Album hatte die Band eine klare musikalische DNA. Die war zwar nicht nur auf ein Genre reduziert, aber zumindest gab es die klare Botschaft, anspruchsvolle Musik, eingängiger und kürzer gestalten zu wollen, um sie einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Auf dem zweiten Album eröffnet sie nun mit einer zwölf-minütigen Art-/Prog-Rock Nummer. Zwölf Minuten!? Welcher Mainstream Rock Konsument hat denn zwölf Minuten Zeit für ein Stück Musik? In der Zeit hat er drei andere 08/15-Kompositionen gehört. Unter Schulaufsätzen stünde an dieser Stelle: Thema verfehlt.

Nichtsdestotrotz hat „Second Nature“ noch acht weitere Songs zu bieten und schon beim zweiten Song ist man erleichtert, dass es nicht transatlantisch weiter geht.  (Der Rezensent möchte an dieser Stelle nicht falsch verstanden werden: Er ist glühender Verehrer der Band Transatlantic. Er braucht aber keine zweite Band die so klingt. Schon gar nicht, wenn sich diese aus 50% eben dieser Gruppe rekrutiert.) Zu hören gibt es das – bereits vorab veröffentlichte – „Mask Maschine“. Das dröhnt, schrammelt und marschiert dann ganz ordentlich daher. Es klingt ein wenig nach Muse und/oder Queens of the Stoneage usw. Auf jeden Fall ist das wieder eindeutiger Flying Colors .
Weiter geht es mit „Bombs Away“ und das überrascht. Zu Beginn groovt es ganz ordentlich, sehnsüchtig schwebt der Refrain dann davon, bevor sich Morse und Morse an Gitarre und Keyboard eine kleines Duell liefern. Über die folgende Ballade („The Fury Of My Love“) möchte man dann eigentlich den Mantel des Schweigens hüllen. Wo war hier nochmal die eigene Anspruch an das Anspruchsvolle?

Und dann passiert es schon wieder! „A Place In Your World“ – hauptsächlich gesungen von Neal Morse – ist nur deswegen als Flying Colors Stück zu erkennen, weil Steven Morse seine Gitarre nun mal anders spielt, als sein Kollege bei Transatlantic. Wenn man sich darüber ärgert, dann kommt die komplett verzichtbare Nummer „Lost Without You“ eigentlich gerade recht. Der mit Abstand schwächste Song des Albums ist dermaßen langweilig und ereignislos, dass man eigentlich nur aufzählen kann, was er alles nicht hat, um überhaupt etwas dazu sagen zu können. Wir reden hier schließlich über eine Super-Group – besetzt mit exzellenten Musiker. An „One Love Forever“ kann man das auch wieder erkennen. Ein feines Stück Prog – spannend, beschwingt und interessant instrumentalisiert. „Peaceful Harbour“ hält als vorletztes Stück der Scheibe nun auch keine riesigen Überraschungen mehr bereit. Allerdings weiß der floydeske Chor im letzten Teil des Songs zu gefallen und auch die opulente Instrumentalisierung ist schön anzuhören.

Zu guter Letzt gibt es noch die versöhnliche „Cosmic Symphony“ – ein knapp zwölf Minuten langes und dreiteiliges Stück. Hier blitzt die Genialität jedes einzelnen Musikers noch einmal auf und sie ist dann plötzlich mal wieder zu spüren, die Daseinsberechtigung für dieses Projekt. Besonders hervorzuheben sind hier die Bassläufe im ersten Teil des Songs. Ganz groß!

„Second Nature“ ist ein Album, dass es einem nicht leicht macht. Zu wenig aus einem Guss, zu unterschiedlich das Niveau der einzelnen Songs. Ein Album zu 30% aus Transatlantic, zu 30% aus durchschnittlichen Rocknummern und zu 30% aus den Flying Colors von 2012. Der große Wurf ist den fünf Allstars damit nicht gelungen. Die musikalische Identität der Band haben sie eher verwässert als geschärft. Fatal, wenn Flying Colors als ernsthaftes Projekt ernst genommen werden soll.

Am 11. Oktober kommen Flying Colors für eine einzige Deutschland-Show in die Frankfurter Batschkapp. Im Gegensatz zu ihrer ersten Tour haben sie nun genug eigenes Material für eine abendfüllende Show. Eine gute Gelegenheit diesen begnadeten Musikern auf die Finger zu schauen.

Facebook Kommentare

Kommentare

Werbung