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Mit dem Gitarristen Stefan Keller von der Münsteraner Band Neaera konnte ich anlässlich des Comebacks und des kürzlich angekündigten neuen, selbstbetitelten Studioalbums via Metal Blade Records ein Interview per E-Mail führen. Wir haben in diesen wenigen Fragen einige interessante Informationen zum kommenden Werk, den Texten, den Beweggründen für die Reunion sowie einiges mehr erhalten. Aber lest selbst.

© Benjamin Donath - Neaera

© Benjamin Donath – Neaera

Hallo und willkommen zum Interview. Wie geht es Dir, wo bist Du gerade?

Stefan Keller: Hallo! Vielen Dank! Ich bin gerade in Wismar an der Ostsee und mir geht es sehr gut.

Ihr habt ein mehrjährige Pause eingelegt. Diese klang damals noch wie ein Ende ohne Wiederkehr. Ihr wart aber, wie man hört, sehr angetan von den beiden Festival-Shows. Gab es schon vorher Tendenzen dazu? Diese Shows hättet ihr ja nicht gespielt, wenn nicht. Welche waren das also?

Die Pause, die du ansprichst war tatsächlich sehr final. Zu dem damaligen Zeitpunkt war das Ende der Band eine sehr wichtige, richtige und organische Entscheidung. Wir haben gespürt, dass wir die Band nicht mehr aufrecht erhalten konnten und wollten. Es war super, dass wir es geschafft haben uns gemeinsam zu einigen und eine würdige, coole Abschiedstour auf die Beine zu stellen.
Dass die Reaktionen auf unsere Auftritte auf den Impericon Festivals so gut waren, hat uns wirklich überrascht und zugegebenermaßen beflügelt. Erst danach kam der Spirit wieder, die Kreativität und das Bedürfnis neue Songs zu schreiben, und schließlich als Band wieder zurückzukehren.

Euer selbstbetiteltes Album erscheint im Februar 2020. Welche Themen werden auf dem Werk bearbeitet? Torchbearer würde ich beispielsweise mit einem politischen Thema verbinden. Was könnt ihr über die weiteren Stücke sagen?

Bei Neaera ging es schon immer um Zeitgeist und unsere Reflektionen der Gegenwart. Torchbearer ist tatsächlich keine politische Nummer sondern ein Song, in dem es um die vermeintliche Bedeutungslosigkeit des Individuums geht und um die positive Lösung dieses Dilemmas. Im False Shepherds geht es um den Rechtsruck in Deutschland und Europa und die Simplifizierungen des Populismus, auf die heute viele Menschen hereinfallen. Carriers behandelt das Flüchtlingssterben im Mittelmeer und den Profit, den Schlepperbanden mit der Flucht Asylsuchender machen und wie mit diesen Menschen umgegangen wird. Resurrection of Wrath thematisiert die Problematik der Lethargie und Gleichgültigkeit angesichts der überpräsenten (digitalen) Darstellung von Leid und Ungleichheit in der Welt und ruft stattdessen zu positiver Wut auf. Die Songs Liveless und Deathless behandeln das Thema sexueller Missbrauch aus Täter und Opfer Perspektive. Die meisten Themen sind Themen, über die man lieber nicht singen würde.

Bestand euer Deal bei Metal Blade Records noch oder musste nachgearbeitet werden? Überzeugungsarbeit oder ging es relativ schnell, wenig umständlich? Wieso eure Entscheidung dort auch das kommende Album zu veröffentlichen?

Metal Blade Records waren und sind unsere erste Wahl. Das Label ist konsequent, geht super mit seinen Bands um und ist mit tollen Leuten besetzt. Es gab nie ernsthafte Probleme und die Verbundenheit mit der Plattenfirma war für uns immer da. Als die Idee, ein neues Album aufzunehmen aufkam, waren Metal Blade sofort begeistert und voll dabei; so wie auch jetzt gerade!

Was hat euch auf diesem Album musikalisch denn besonders inspiriert?

Ich würde persönlich sagen, der Impetus der Platte ist: einfach machen. Frei von Zwängen, frei von Selbstzensur. Aus dem Bauch, aus dem Gefühl. Teilweise sind Riffs und Moshparts auf der Platte wie Anfang 2000. Ja und? Warum sich selber einschränken? Warum sich selber sagen: das darf man eigentlich nicht mehr? Das Teil ist ein ungeschminktes, intuitives, unmittelbares, spontanes und ehrliches Teil, was auch ein Spiegel der Zeit ist.

Mit wem habt ihr für euer Album zusammengearbeitet und wie kam diese Kollaboration zustande, wie war diese?

Tristan Hachmeister, der mich schon oft live ersetzt hat, hat das Album komplett produziert und sehr viel Zeit und Herzblut reingesteckt. Auch den gesamten Entstehungsprozess hat er begleitet und war bei vielen wesentlichen Entscheidungen gefragt. Jacob Hansen zeichnet für Mixing und Mastering verantwortlich und hat wieder mal einen Bombenjob gemacht. Wir verdanken ihnen sehr viel.

Auf Ours Is The Storm war beispielsweise Nathan von Boysetsfire zu hören. Gibt es dieses Mal auch einen Gast oder Gäste?

Ein klares Nein. Wir wollten, dass das Album essentiell ist. Deswegen auch der Albumtitel, das Layout (was ja die Figur Neaera darstellen soll, wie sie dem Bösen und den fürchterlichen Umständen trotzt) und auch die musikalische, textliche Ausrichtung. Alles zentriert sich im Grunde um das, was die Band ausmacht und uns und den Fans bedeutet.

Danke für das Interview. Hinterlasst Worte an eure Fans, weitere Infos zum Album, Links zum Video, Weihnachts- und Silvestergrüße oder was ihr mögt.

Wir haben zu danken! Und an all unsere Fans: 1000 Dank für Eure vielen direkten und euphorischen Reaktionen zu unserem Comeback. Wir wissen das als etwas sehr Besonderes zu schätzen. Wir freuen uns auf ein spannendes Neaera Jahr 2020 mit Euch! Kommt gut rein und hoffentlich bis bald irgendwo!

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