Interview: Stefan Schmidt (Van Canto)

Seit gut fünf Wochen sind Van Canto, die einzige Metal A Capella Band Deutschlands, mit ihrem neuen Album auf Tour. Vor dem Konzert in der Oberhausener Turbinenhalle hatten wir die Gelegenheit uns mit Stefan Schmidt über das Konzeptalbum „Voices Of Fire“ und das Tourleben zu unterhalten.

Van Canto VOFRock Fanatics: Hallo! Schön dich zu sehen.

Stefan: Danke!

Rock Fanatics: Mit dem heutigen Konzert in Oberhausen beginnt der letzte Block eurer „Voices Of Fire“-Tour. Wie geht es euch? Wie war die Tour bisher?

Stefan: Ja, mittlerweile geht es uns tatsächlich wieder gut. In den vergangenen Wochen hatten wir ein paar Probleme mit Krankheit – nach und nach ist jeder Sänger einmal erkältet gewesen. Jetzt sind wir aber pünktlich zu den letzten drei großen Konzerten alle fit und bereit, alles zu geben.

Rock Fanatics: Sehr gut! Wie lässt sich euer Tourleben denn in drei Worten beschreiben?

Stefan: In drei Worten? Da muss ich überlegen. Ich würde sagen: Beeilen – Warten – Auspowern. Ja, das trifft es ganz gut. Man beeilt sich ständig, um irgendwo hinzukommen, nur um am Ende doch zu warten bis man auf der Bühne alles geben kann.

Rock Fanatics: Was ist denn besser: Auf Tour oder im Studio?

Stefan: Das kann man jetzt so nicht sagen. Das eine geht halt nicht ohne das andere. Wobei, wenn man im Studio ist und aufnimmt, da ist man schon gespannt wie sich das ganze live anhört und würde es am liebsten direkt ausprobieren; wenn man aber auf der Bühne steht, dann denkt man jetzt nicht unbedingt, wie das Alles im Studio war oder wäre. Es gehört aber auf jeden Fall immer zusammen!

Rock Fanatics: Auf der Tour habt ihr nicht nur in Deutschland sondern auch in England, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Tschechien, Österreich und der Schweiz gespielt. Gibt es eine Bühne, auf der ihr unbedingt mal stehen wollt?

Stefan: Eine konkrete Bühne?

Rock Fanatics: Oder auch eine Stadt, in der ihr gerne mal spielen wollt.

Stefan: Nun, wir haben ja schon in einigen Ländern gespielt. Letztes Jahr hatten wir sogar einige Auftritte in Australien und Südamerika. Da haben wir vor allem gemerkt, dass man auf der Bühne gar nicht mehr so merkt, in welcher Stadt man gerade ist.

Rock Fanatics: Wie sehr merkt man es denn abseits der Bühne?

Stefan: Da fällt das durchaus mehr auf. Als wir beispielsweise in Weißrussland waren, hat sich die Kommunikation entsprechend schwieriger gestaltet als üblich. Irgendwie, mit Händen und Füßen, haben wir es dann hinbekommen. Und es war wirklich beeindruckend und schön, zu sehen, wie man durch die Musik zusammengekommen und zu einer Gemeinschaft geworden ist.

Rock Fanatics: Apropos Musik – kommen wir zu eurer aktuellen Platte (Unser Review findet ihr hier!). „Voices Of Fire“ ist euer erstes Konzeptalbum. War das ein Wunsch, den ihr schon länger hattet? Oder eher eine spontane Idee?

Stefan: Das war tatsächlich ein Wunsch, den wir schon länger realisieren wollten. Als sich dann vor knapp 2 Jahren die Möglichkeit sogar in Zusammenarbeit mit einem Autor ergeben hat, haben wir die Chance sehr gerne genutzt.

Rock Fanatics: Wie gestaltet sich denn die Umsetzbarkeit eines Konzeptalbums auf Tour?

Stefan: Nun, wir sind ja immer noch als die normalen Metal Van Canto unterwegs. Demnach geben wir zwar durchaus ein paar neue Stücke zum Besten, wir haben aber auch ein paar alte Lieder und Cover im Gepäck. Aber es wäre schon ziemlich cool, die Geschichte einmal richtig als Theaterstück beziehungsweise Musical auf der Bühne umzusetzen.

Van Canto HardebuschRock Fanatics: Das kann ich mir gut vorstellen! Für die neue Platte habt ihr euch durchaus prominente Unterstützung ins Boot geholt. Zum einen der Bestseller-Autor Christoph Hardebusch, den du ja bereits erwähnt hast, aber auch der Metro Voices Chor, der an Filmen von James Bond über Disney und Marvel bis zu Herr der Ringe mitgearbeitet hat. Was war das für ein Erlebnis?

Stefan: Das war wirklich beeindruckend. Besonders die Tatsache, dass diese Menschen gut fünf Minuten vor Aufnahmebeginn die Partitur bekommen haben und das komplette Ding dann mal eben an einem Tag runtergesungen haben.

Rock Fanatics: Habt ihr dabei große Unterschiede zu euren eigenen Aufnahmen festgestellt?

Stefan: Auf jeden Fall. Alleine die Anzahl der Personen sorgt für eine ganz andere Atmosphäre. Man merkt, dass es sich um extrem gute und professionelle Sänger handelt, die trotzdem mit voller Leidenschaft für die Musik dabei sind.

Van Canto - Voices of FireRock Fanatics: Teile eures Albums werden ja vom Schauspieler von Gimli gesprochen, dessen Name ich wahrscheinlich falsch ausspreche…

Stefan: (lacht) John Rhys-Davies. Manche kommen wohl auf die Idee, seinen Nachnamen wie Reis auszusprechen.

Rock Fanatics: Dann wäre ich doch ganz gut dabei gewesen! Auf jeden Fall habt ihr nicht nur John Rhys-Davies, sondern auch Ferenc Husta, der jahrelang bei den Wise Guys mitgewirkt hat, für euer Projekt gewinnen können. Letzterer spricht dabei das Hörbuch zu Feuerstimmen. War das alles als so weitreichendes Projekt geplant oder hat sich das irgendwie selbständig entwickelt?

Stefan: Das war tatsächlich alles so umfassend geplant. Überraschend war eher, dass tatsächlich fast alles auch geklappt hat. Normalerweise ist es ja so, dass man tausend Sachen plant, die man gerne machen würde, und am Ende kommt nur die Hälfte davon zustande. Hier war es aber so, dass echt alle Künstler, die wir angefragt haben, zugesagt haben. Dann mussten wir das natürlich auch durchziehen. Und die Ergebnisse können sich sehen lassen!

Rock Fanatics: Auf jeden Fall. Was braucht es denn, damit ihr euch für eine Zusammenarbeit mit einem Künstler entscheidet?

Stefan: Uff, das kann man so konkret nicht sagen. Es muss einfach passen, dass fühlt man dann schon. Natürlich macht man sich vorher schon Überlegungen, wer den Erwartungen entspricht. John Rhys-Davies zum Beispiel hat ja auch Baumbart gesprochen; er weiß also, was man alleine mit der Stimme alles bewirken und darstellen kann. Außerdem passt er einfach in das Fantasy-Genre. Für einen Ruhrpottkrimi hätten wir uns sicherlich jemand anderes ins Boot geholt, zum Beispiel Ralf Richter.

Rock Fanatics: Nun eine Frage an dich, da du dabei wahrscheinlich nicht für die ganze Band sprechen kannst. Mit welchem Künstler würdest du gerne einmal zusammenarbeiten?

Stefan: (überlegt) Ich würde gerne einmal mit Eric Adams (Anmerkung der Red.: Sänger der Band Manowar) im Studio stehen, das wäre bestimmt interessant.

Rock Fanatics: Kommen wir zurück zu „Voices Of Fire“ – beziehungsweise Feuerstimmen. Habt ihr das Buch gelesen?

Stefan: Natürlich!

Rock Fanatics: Ihr alle?

Stefan: Ich bin mir ziemlich sicher, ja. Schließlich haben wir immer wieder im Arbeitsprozess Abschnitte zugeschickt bekommen und gelesen. Somit hat jeder zumindest so gut wie das ganze Buch gelesen. Ich habe es privat auf jeden Fall gelesen und bin durch die Arbeit an dem Hörbuch bestens mit der Geschichte vertraut.

Rock Fanatics: Mit welcher Figur aus eurer Geschichte kannst du dich denn am meisten identifizieren und warum?

Stefan: (lacht) Ich bin meistens nicht der größte Fan der Hauptprotagonisten. Die sind halt immer die typischen Helden. Deswegen singen bei uns ja auch unsere Leadsänger die Hauptfiguren und ich stehe lieber hinten links. Ich bin eher so der beste Freund des Helden, der sich im Hintergrund hält und trotzdem am Ende alles rettet. Den finde ich gut.

Rock Fanatics:  Das kann ich gut verstehen. Gibt es denn bereits weitere Planungen für einen Nachfolger, oder bleibt es bei einem Einzelwerk?

Stefan: Es ist durchaus möglich, dass diese Geschichte weitergeführt wird. Jetzt möchten wir aber erst einmal diese Tour beenden und dann sehen wohin es uns treibt. Wir sind keine Band, die einen Masterplan für die ganze Karriere hat, sondern möchten lieber so viel wie möglich mitnehmen.

Rock Fanatics: Gibt es denn etwas, was du beziehungsweise ihr in eurer Karriere gerne mal erreichen oder machen wollt?

Stefan: (überlegt) So bewegtes Bild mit von uns (mit)verfasstem Soundtrack wäre toll. Natürlich möchte ich nicht direkt Hans Zimmer ablösen, aber ausprobieren würde ich es gerne einmal. Doch auch hier gilt, dass es keine konkreten Meilensteine gibt. Als Band kann man sich zum Beispiel vornehmen, dass man unbedingt einmal auf Wacken spielen will, und wenn es klappt ist das super. Aber wenn es nicht klappt, sollte man trotzdem alle anderen tollen Shows würdigen, die man gespielt hat und spielen wird.

Rock Fanatics: Kommen wir zum Schluss noch einmal auf den letzten Tourblock zu sprechen. Ihr habt bei allen Konzerten die Grailknights dabei gehabt, der zweite Support hat zu jedem Tourblock gewechselt. Wonach wählt ihr eure Vorbands aus? Sucht ihr nach lokalen Bands oder eher nach welchen wo ihr sagt, die wollte ich unbedingt mal dabei haben?

Stefan: Auch hier gilt: Ein bisschen von beidem. In Wien beispielweise hatten wir eine Wiener Band im Programm (Anmerkung der Red.: Dragony). Für die letzten drei Konzerte, die ja schon etwas größer sind, haben wir uns für Freedom Call entschieden. Die Jungs kennen wir schon länger und wir wissen, dass wir uns auf sie verlassen können und sie was drauf haben.

Rock Fanatics: Und wie kam es zu den Grailknights?

Stefan: (grinst) Auch die Grailknights kennen wir schon länger. Ich selbst bin bekennender Grailknights Fan! Tatsächlich wollten wir sie bereits auf den letzten zwei Touren mitnehmen, aber es hat leider nie geklappt. Umso besser, dass es jetzt endlich zustande gekommen ist.

Rock Fanatics: Wie ist das denn so bei euch, da die Tour jetzt fast vorbei ist… Trefft ihr euch danach auch mal privat oder reicht es dann erstmal?

Stefan: Also, überdrüssig werden wir uns auf jeden Fall nicht. Aber wir sind eine Band, die sich von Itzehoe bis Wien verteilt hat. Wir können uns also nicht mal eben auf ein Bier und Kicker spielen im Proberaum treffen.

Rock Fanatics: Gibt es denn schon neue Pläne, auf die sich eure Fans freuen können?

Stefan: Bisher noch nichts konkretes, aber für alle Neugierigen: Unsere Homepage vancanto.de und auch die Facebook Seite sind immer up to date!

Rock Fanatics: Dann warten wir gespannt auf Neuigkeiten von euch! Ich danke dir für deine Zeit und wünsche euch noch gelungene drei Auftritte!

Stefan: Danke dir!

 

 

 

 

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