Interview: Patrick Stump (Fall Out Boy)

Patrick Stump Foto: Steffie WunderlVor ihrer Show in Düsseldorf hatten wir die Gelegenheit uns kurz mit Patrick über ihre Musik, ihre musikalische Entwicklung und die Arbeit mit Disney zu unterhalten.

Rock Fanatics: Hallo! Schön, euch wieder in Deutschland begrüßen zu dürfen.

Patrick: Danke!

Rock Fanatics: Wie geht es dir?

Patrick: Es geht mir gut. Ich glaube, ich bin glücklich dass wir einen Tag frei haben, an dem wir – du weißt schon – entspannen und ihn genießen können. (lacht)

Rock Fanatics: Wo werdet ihr den Tag verbringen?

Patrick: Ich glaube, es ist ein Reisetag, aber das Ziel ist München.

Rock Fanatics: Also werdet ihr Zeit haben euch München anzusehen?

Patrick: Ja, ich denke schon.

Rock Fanatics: Schön. München ist wirklich schön.

Patrick: Ja!

Rock Fanatics: Und ihr habt grade das Oktoberfest verpasst.

Patrick: Ja. Ich bin irgendwie glücklich dass das so ist. Ich mag keine großen Menschenmassen.

Rock Fanatics: Lass uns ein wenig über eure Musik reden. Wenn man sich „Save Rock and Roll“ ansieht, hat sich euer musikalischer Stil im Vergleich zu den früheren Jahren weiterentwickelt. Kürzlich hast du das in einem Interview als „adult-ish“ beschrieben. (Patrick nickt und lacht) Was hat diese Veränderung beeinflusst?

Patrick: Nun, ich glaube, es war eine Herausforderung. Wir waren drei Jahre weg, wisst ihr. Und es war eine Herausforderung nach diesen 3 Jahren zurück zu kommen und sich vorzustellen was für einen Fortschritt wir gemacht hätten in dieser Abwesenheit. Denn dort wieder anzuknüpfen machte keinen Sinn. Es muss einen Sinn geben wenn du ein Album veröffentlichst, es muss etwas bedeuten. Ich denke es ist wirklich traurig wenn Bands einfach nur Alben veröffentlichen und du merkst, dass es nur etwas ist, um etwas promoten zu können und auf Tour zu gehen um Geld zu verdienen. Für uns muss es wirklich etwas bedeuten. Und deshalb mussten wir die Frage beantworten, wie wir jetzt klingen würden und wohin wir weiter gewachsen wären nach „Folie à Deux“ und ein oder zwei fiktiven Platten dazwischen. Es war wirklich fast schon lustig, fast schon Fantastik. Du rätst einfach nur irgendwie, wisst ihr? Und von dort zu „American Beauty / American Psycho“ zu gehen, was die Gegenwart ist, ist lustig. Ich meine das war wirklich schnell und wirklich deutlich verknüpft mit „Save Rock And Roll“. Es hat sich sehr deutlich daraus entwickelt. Ich denke, es war einfach inspiriert, das ganze Ding war einfach beflügelt davon eine Art Entwicklungsverlauf zu haben, einen Schritt nach vorn zu gehen, sich zu verändern.

Rock Fanatics: Wo wir gerade von Veränderung sprechen: Was war deiner Meinung nach die bedeutendste Veränderung in eurer Musik?

Fall Out Boy Foto: Steffie WunderlPatrick: Nunja, also, ich glaube das passiert immer in Schüben, wisst ihr? Es ist jedes Mal immer anders. Ich glaube da sind ganz verschiedene schrittweise Veränderungen in der Art wie wir Alben produziert haben. Es gab Platten, die mehr gemeinschaftlich entschieden wurden, bei denen wir alle Ideen eingebracht haben. Und es gab Alben, bei denen ich gesagt habe: „Nein, das ist meine Idee, ich habe die Verantwortung und ich denke wir sollten das so tun..!“. Je öfter wir es getan haben, desto einfach können wir nun einen Schritt zurück gehen, zurück schauen und feststellen, dass das Wichtigste, was ich gelernt habe ist, dass es jedes Mal anders ist wenn du eine CD aufnimmst. Die Methodik ist jedes Mal komplett anders. Und so sollte es auch sein! Wenn ich darüber nachdenke, hat jedes Album bei dem ich meine Meinung durchgedrückt habe ein ganz anderes Gefühl als andere Alben. Wisst ihr, sogar die Produzenten haben einen starken Einfluss darauf. Ich denke Butch Walker ist auf „Save Rock And Roll“ vorherrschend. Ich kann Butch auf der ganzen Platte hören, obwohl er keinen der Songs geschrieben hat oder ähnliches. Er hat einfach einen Stil, der das Album durchdringt. Und ich denke das sind diese Dinge – Neal Aaron dagegen, mit dem wir an „Cork Tree“ und „Infinity“ (Anm. der Red. „From Under The Cork Tree“ und „Infinity On High“) gearbeitet haben, hat einen ganz anderen Stil, der uns die Möglichkeit gegeben hat ganz andere Dinge zu tun. Es ist also immer auch diese Kombination der Dinge. Ich denke, die größte Veränderung… (er setzt mehrfach zum Satz an und lacht schließlich) …um euch einen kurzen Anhang zu einer sehr langen Antwort zu geben – ich denke die größte Veränderung für mich ist nur, dass wir jetzt sehr verständnisvoll und offen dafür sind, dass jedes Album in einer komplett anderen Art und Weise gemacht werden wird.

Rock Fanatics: Und euer neues Album „American Beauty / American Psycho“ klingt zielgerichteter als „Save Rock And Roll“. Habt ihr anders daran gearbeitet?

Patrick: Ja, nunja, danke dass du darauf hinweist, denn das war wirklich eine bewusste Bemühung weil, … Eines der Dinge, mit dem wir auf „Save Rock And Roll“ experimentiert haben war… Ihr wisst, das Album heißt „Save Rock and Roll“. Der ganze Sinn dahinter war, dass Rock’n’Roll eine Million verschiedener Klänge war, all diese verschiedenen Ideen, nicht wahr? Und irgendwie wurde es dann zu diesem engen Trichter, wisst ihr, es war eigentlich nur Lederjacken, Motorräder, große Gitarren, Zigaretten und Bier. Nur das ist Rock’n’Roll und alles andere ist ungültig. Das ist unzeitgemäß. Das ist nicht das, was Rock Musik historisch ist. Rock Musik sind so viel mehr Ideen als nur das. Als wir an „Save Rock And Roll“ heran gegangen sind, wollten wir damit experimentieren und irgendwie, ihr wisst schon – jeder Song ist eine andere Idee davon was es bedeuten könnte zu dem Zeitpunkt als das Album veröffentlicht wurde. Aber wenn ich mir jetzt das Album von Song zu Song anhören, ist das sehr schwer, weil es fast wie ein Witz ist. Die Songs wechseln von hart zu wirklich lieblich und dann wieder schnell und wütend. Es ist total chaotisch. Als wir mit „American Beauty / American Psycho“ begonnen haben, wollte ich etwas machen, dass eine klares Ziel hatte und dem auch die ganze Zeit folgt. Der erste Song, den wir gemacht haben war „Centuries“ und ich habe gesagt: „Ok. Ich möchte das Album für diesen Song machen. Jetzt haben wir eine Idee und die ziehen wir auch durch.“

Rock Fanatics: Das hört man.

Patrick: (lacht) Danke!

Rock Fanatics: Freitag erscheint eure neue Single „Irresistable“, für die ihr gemeinsam mit Demi Lovato nochmal im Studio wart. Wie ist es dazu gekommen?

Fall Out Boy Foto: Steffie WunderlPatrick: Ich weiß es ehrlich gesagt gar nicht. Ich meine, wir sind Freunde von ihr und sie ist eine Freundin von uns. (lacht) Wir sind Freunde und haben uns mehr zufällig getroffen und haben uns irgendwie darüber unterhalten, mal etwas zusammen zu machen. Und das Timing hat einfach irgendwie gestimmt, also sind wir zusammen ins Studio. Und sie ist einfach phänomenal! Es ist wirklich hart das heutzutage zu unterscheiden. Sie ist es wirklich. Und das ist seltsam, denn es gibt so viel Technik, die heutzutage in ein Album einwirkt. Es ist nicht mehr schwer es zu fälschen. Du kannst jemanden ins Studio bringen und weißt, dass du sie großartig klingen lassen kannst selbst wenn sie nicht großartig sind. Deshalb wusste ich nicht, was ich erwarten sollte. Ich hatte sie noch nie live gesehen, ich kannte nur sie und ich kannte ihre Songs aber ich habe sie noch nie auftreten sehen. Sie ist eine der besten Sängerinnen mit denen ich jemals den Luxus hatte aufnehmen zu dürfen. Ich war wirklich… Ich bin sehr bestimmend im Studio und wisst ihr, wenn ich Ideen habe, muss ich da sein. Ich bleibe für die gesamte Session und überwache alles. Ich bin da sehr pingelig. Irgendwann war ich aber an dem Punkt wo ich mir dachte: „Ich glaube, es ist gut. Ich gehe jetzt.“ Ich war so überzeugt von dem, was sie da tat. Sie war so gut, dass ich mir sicher war, dass sie alles tun konnte zu diesem Zeitpunkt und es würde gut sein. Also bin ich tatsächlich gegangen. Und ich mag es auf der anderen Seite auch wenn du eine Session hast und du etwas Überraschungseffekt für dich aufheben möchtest. Deshalb verlasse ich wenn ich kann gelegentlich das Studio, damit ich später das fertige Stück hören kann.

Rock Fanatics: Wir sind schon gespannt!

Patrick: Ich auch! Danke.

Rock Fanatics: Denn sie ist wirklich großartig! Ich versuche das meinen Kollegen auch immer wieder zu erklären. (Anm. der Redaktion: Demis neues Album „Confident“ ist übrigens ebenfalls seit Freitag erhältlich) Und sie war noch nie hier!

Patrick: Oh wirklich? Das muss ich nicht verstehen.
Das ist das Ding, es ist wirklich schwer. Ich denke, es ist besonders schwer, weil da auch ein gewisser Sexismus vorherrscht, eine sexistische Perspektive auf Pop Sängerinnen. Sie sind nur da um gut auszusehen…

Rock Fanatics: Aber das ist nicht das, was sie ausdrückt.

Patrick: Nein, absolut nicht! Sie ist so unglaublich kompetent und talentiert. Ich meine sie ist besser als die meisten Bands mit denen ich jemals gearbeitet habe! Sie ist wirklich großartig.

Rock Fanatics: Bleiben wir beim Thema Kollaborationen. 2013 habt ihr euch ziemlich weit aus eurem Wohlfühlbereich bewegt als ihr die Victoria Secret’s Fashion Show mit Taylor Swift (Patrick beginnt zu lachen) und das CMT Crossroads mit The Band Perry gespielt habt. Und bald spielt ihr gemeinsam mit Thomas Rhett bei den Country Music Awards. Wenn ihr die Chance hättet euch so eine Kollaboration zu wünschen, welche Band würdest du aussuchen und warum?

Fall Out Boy Foto: Steffie WunderlPatrick: Oh, das ist wirklich schwer zu sagen, denn die genannten waren so aufregend und kamen aus dem Nichts. Ich hab keine Ahnung, wisst ihr. (Er sucht nach Worten) Ich kannte The Band Perry nicht bis wir uns für die Show getroffen haben und jetzt kenne und liebe ich sie. Aber es war eine große Überraschung für mich. Deshalb denke ich, dass genau das das Ding ist, das ich möchte und deshalb kann ich mir auch nicht vorstellen, wer es sein könnte, denn das ist genau der Punkt. Ich möchte, dass es etwas ist, das aus dem Nichts kommt und ich mir sage „Wer ist das?“ und „Was ist das?“ und es ist irgendwie ein aufregendes Experiment. Es ist immer wieder toll auf dem Job zu lernen (lacht). Es war wirklich lustig mit The Band Perry zu arbeiten, weil wir die Tonfälle und Rhythmen des Anderen lernen mussten. Nicht nur die Songs, sondern wir mussten lernen wie der Andere zu singen. Das war sehr schwierig, weil wir da von völlig verschiedenen Orten kommen. So viel an meinem Gesang ist wirklich R’n’B beeinflusst und rhythmisch beeinflusst. Und bei ihnen geht es meist darum die Worte zu genießen. Es war also sehr anders. Es waren komplett andere Stilrichtungen und das hat Spaß gemacht. Ich mag es solche Dinge auszuprobieren.

Rock Fanatics: Sie (Anm. der Redaktion: The Band Perry) haben 2013 in Köln gespielt und dabei „My Songs Know What You Did In The Dark (Light Em Up)“ angespielt (Patrick: Oh mein Gott, das ist großartig!) und ich war wahrscheinlich die Einzige im Publikum, die es erkannt hat und begeistert war. (Patrick lacht und klatscht: Großartig!) Die anderen waren Country Fans und haben es nicht verstanden.

Patrick: Ich denke, das ist eins dieser Dinge. Das geht wieder zurück zu „Save Rock And Roll“ und irgendwie auch zu temporäre Musik als Gesamtes. Ich denke, die Dinge haben sich rapide verändert. Früher waren da nur Country-Fans, oder Hip Hop Fans oder was auch immer. Und das ist einfach nicht mehr der Fall. Ich habe das Gefühl, dass wir heute einfach nur noch Musik Fans haben. Und wenn ein Song gut ist, ist er gut. Die ganze Streaming Kultur hat das total verändert.

Rock Fanatics: Und auch der gesamte Musikstil hat sich verändert, weil Künstler mehr experimentieren und das Gefühl bekommen, dass sie sich das auch trauen dürfen ohne von ihren eigenen Fans dafür verurteilt zu werden.

Patrick: Ganz genau. Da ist keine Angst mehr und das ist großartig. Das ist wirklich cool und ich bin begeistert.

Rock Fanatics: Ich liebe die Art und Weise in der Künstler sich jetzt entfalten und einfach keine Angst mehr davor haben, denn die Resultate sind großartig. (Patrick nickt immer wieder zustimmend.) Genauso wie eure Musik, denn man spürt, dass ihr keine Angst davor habt etwas Neues auszuprobieren. Ganz besonders wenn man über solche Auftritte wie bei der Victoria Secret’s Fashion Show stolpert.

Patrick: Ja, wisst ihr, das war wirklich verrückt. Das war alles so verrückt. Da waren diese ganzen Models und der Produzent sagte zu uns: „Also wisst ihr, wenn die den Laufsteg runter laufen, schaut ihnen in die Augen.“ Und wir haben es wirklich versucht, aber wir sind halt einfach… (Er steht dabei auf, spielt Luftgitarre, schaut immer wieder nach vorn und zur Seite und zeigt dabei seine Größe und die Größe der Models an, die bestimmt einen Kopf größer waren als er. Dabei lacht er viel.)

Rock Fanatics: Ja, das sieht man in den Videos.

Patrick: (lacht) Sie sind ein wenig größer als wir, da war nicht so wirklich viel Augenkontakt drin.

Rock Fanatics: „Immortals“ ist der Titelsong des Disney Pixar Films „Baymax“. Wie ist es dazu gekommen?

Fall Out Boy Foto: Steffie WunderlPatrick: Sie haben uns einfach gefragt. Und es war wirklich eine Ehre und wir hatten Glück dass wir gefragt wurden. Und es war wirklich interessant. Wir haben vorher schon an einigen Soundtracks mitgewirkt, aber Disney hat uns wirklich überrascht. Denn wenn du an Disney denkst, weißt du dass sie dieser große Koloss sind und stellst dir vor, dass sie sehr pingelig sind. Du stellst dir vor, dass sie sehr genau sind darin, was sie haben wollen und dir klare Ziele setzen. Aber es war wirklich interessant das genaue Gegenteil anzutreffen. Ganz anders als alle Studios mit denen wir zuvor gearbeitet haben. Sie haben grundsätzlich nur gesagt: „Wir haben euch ausgewählt, weil wir euch mögen. Also macht euer Ding. Wir vertrauen euch.“ Und das war fast schon wieder beängstigend, weil du immer da sitzt und dir denkst „Wow, ich hoffe ihnen gefällt, was wir da tun.“. Und das hat es ihnen. Es war auch inspirierend, denn du als Künstler sitzt da und denkst dir: „Wow… sie müssen… sie glauben an uns!“. Und das ist verrückt. Und so hat es wirklich Spaß gemacht. Wir hatten viele Freiheiten, womit wir nicht gerechnet hätten. Und wenn ich jetzt den Song im Film höre, denke ich mir nur wie verrückt das ist.

Rock Fanatics: Ich fürchte unsere Zeit läuft ab. Eine letzte Frage: Wenn du in die Zukunft blickst – was kommt als nächstes?

Patrick: Ich weiß es nicht und ich glaube das ist der spaßige Teil daran. Ich meine, irgendwas, irgendwas anderes. (lacht). Das ist irgendwie Teil der Freude. Es nicht zu wissen. Ich wusste auch nicht, dass wir „American Beauty / American Psycho“ machen bevor wir es getan haben.

Rock Fanatics: Vielen Dank!

Patrick: Vielen Dank!

Alle Fotos der Show in Düsseldorf findet ihr hier, den Bericht zur Show hier.

Vielen Dank auch an Ute und Basti von Universal, die uns dieses Interview ermöglicht haben!

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