Interview: Masato (coldrain) Teil 2

Weiter geht es mit Teil 2 des Interviews mit Masato von coldrain. Teil 1 findet ihr hier.

rar_coldrain-5Rock Fanatics: Du hast schon viel von Brendon erzählt. Ihr habt den Produzenten gewechselt und vor Brendon mit David Bendon gearbeitet. Auf welche Art und Weise hat sich die Arbeit mit den Beiden unterschieden?

Masato: David ist unser ‚sensei‘, er ist unser Lehrer. Er wird immer der sein, der über unsere Band wacht und nachdem wir mit ihm an zwei Alben gearbeitet haben und er ein drittes gemixt hat, waren wir an dem Punkt an dem wir wussten, dass wir ihn immer in unseren Köpfen haben. Wir haben ihn quasi immer bei uns, also dachten wir uns, wir suchen jemand Neuen, um etwas hinzuzufügen und David hat uns die Stärke gegeben uns weiterzuentwickeln. Wir wussten ungefähr, was er zu manchen Songs sagen würde und wir haben ihn in diesem Sinne bei uns, deshalb wollten wir einen Weg gehen, der etwas Neues bringt, der anders sein könnte. Wir wollten jemand jungen finden, der alles machen konnte, nicht nur produzieren, sondern auch entwickeln kann, der den Sound gleichzeitig versteht. Das war mit David irgendwie schwer. Er macht den tatsächlichen Aufnahme-Part nicht, er mixt und produziert, aber er macht diese ganzen Sachen nicht, die man am Computer macht. Wir wollten einfach jemanden, der alles machen konnte und der jünger war und so haben wir Brendon gefunden. Er hat eine Menge positiver Energie. Ich glaube, es war irgendwie schwerer, weil Brendon weniger Erfahrung hat, aber er hatte eine ganze Menge Ideen. Wir hatten alle eine ganze Menge Ideen, aber wussten nicht genau wie wir das umsetzen sollen, aber so sind junge Menschen nunmal. Das kann cool und frustrierend gleichzieht sein, aber es war cool jemanden zu haben, der genauso hungrig darauf war wie wir als eine Band, die noch keine Platten veröffentlicht hat, die Millionenfach verkauft wurden. Es war einfach der Versuch es aufzulockern und interessant zu machen und ich denke das ist passiert und das ist gut.

Rock Fanatics: Auf welche Art und Weise haben die Beiden jeweils eure Musik beeinflusst?

Masato: Sie hatten beide ein bestimmtes Bild von der Band. David wollte uns immer düsterer machen und hat versucht uns mehr Radiotauglich zu machen. Er hat uns beigebracht Dinge herauszunehmen und dadurch etwas größer klingen zu lassen. Zum Beispiel etwas, bei dem wir dachten, es wäre hart, ging er her und sagte uns „Schneidet diesen Part raus und diesen Part“ und du nimmst Dinge heraus und es ist trotzdem härter. Weniger ist mehr. Das war sein Vibe und das hat er uns beigebracht. Ich denke er hat einige unserer Songs, wie „The War Is On“ erst möglich gemacht. Songs die groß sind, die immer in unserer Setlist sein werden. Er hat diese Songs ermöglicht, er hat uns beigebracht wie wir eine Band werden, die große Songs macht. Und Brendon hat uns das Gefühl gegeben dass es auch ok ist, ein wenig mehr Pop zu sein, vielleicht ein wenig mehr Pop als wir es wollten, als wir angestrebt haben. Wir wollten düsterer werden, weil es das war, was wir mit David gemacht haben und wir versucht haben mehr in die Richtung der US Alternative Bands zu gehen, die David produziert wie Breaking Benjamin, wie Papa Roach. Aber Brendon hat eher gesagt: „Ok, Papa Roach ist eine Sache, Jacobys Stimme ist so, deine Stimme ist so. Wir müssen dem Ding so auf den Grund gehen.“ Und das war cool, denn er wollte dass ich auf dem Album mehr klinge als würden wir ein Top40 Album aufnehmen, also mehr wie Katy Perry und diese Art von Pop Sängern. Starker Gesang auf dem Album. Sie hatten beide den gleichen Ansatz. Sie haben beide versucht uns größer klingen zu lassen und das ist es, was wir von Beiden bekommen haben.

Rock Fanatics: Beim letzten Mal hast du uns erzählt, dass du die Songtexte schreibst. Was inspiriert dich und inwiefern sind die Texte autobiografisch?

coldrain Foto: Steffie WunderlMasato: Ja, das Meiste ist autobiografisch. Es ist eine ganze Menge persönlicher Kram. Von „The Revelation“ zu „VENA“ ist eine ganze Menge in mir vorgegangen. Eine ganze Menge von „The Revelation“ war so auf unsere Band gerichtet und danach haben wir in Japan eine EP veröffentlicht, die wir für die internationale Veröffentlichung zu „The Revelation“ hinzugefügt haben. Diese Songs handeln hauptsächlich von mir in der Band, vom Tourleben, davon zum ersten Mal weltweit unterwegs zu sein und so entstanden die Texte. „VENA“ war persönlicher. Es kommt immer darauf an, wann wir anfangen aufzunehmen und immer wenn wir an dem Punkt sind, an dem ich nur noch ein paar Monate habe bis wir anfangen aufzunehmen sitze ich da und denke mir: „Ich habe gar nichts worüber ich schreiben kann.“ Ich versuche dann immer nicht daran zu denken, ich möchte auch nichts erfinden. Und dann fängst du einfach an zu schreiben ohne wirklich darüber nachzudenken und es wird sehr persönlich und du möchtest das eigentlich gar nicht veröffentlichen. Aber es wird immer einen Produzenten geben, der dir dann sagt: „Das ist es, was real ist, mach einfach.“ Und das ist passiert. Ich meine, drei oder vier Jahre später werde ich wahrscheinlich sagen, dass ich diese Songs nicht mehr singen möchte, aber ich werde es trotzdem tun weil sich jemand damit identifizieren kann. Und das ist es was immer mit Songs passiert. Wenn ich zum Beispiel über ein Mädchen schreibe oder etwas, das mir passiert ist, ist es immer cool dass sich jemand genauso fühlen kann und es nicht mehr darum geht wie ich noch zu dem Song stehe. Ich denke so wird das mit diesem Album für viele Menschen sein, dass Viele eine persönliche Reaktion darauf zeigen werden und das ist wirklich cool.

Rock Fanatics: Wenn man sich eure Social Media Plattformen ansieht, bekommt man den Eindruck, dass ihr eng mit vielen anderen Künstlern aus unterschiedlichen Richtungen, wie Fotografen und Designern zusammenarbeitet. Wie wichtig ist diese Imagebildung für euch?

Masato: Ich mache eine Menge zum Beispiel für den Merchandise und ich habe Spaß daran. Wir haben so viele talentierte Freunde wenn es um Fotografie und Videografie geht. Ich versuche einfach etwas zu machen, das anders ist. Oder ich bekomme eine Idee aus einem Film oder so. Aber wir arbeiten immer mit Freunden, das ist das Ding daran. Selbst wenn ich etwas cooles sehe, frage ich nicht die Person, die es gemacht hat. Ich versuche meine Freunde dazu zu bringen, daraus etwas zu entwickeln, das noch cooler ist. Ich frage dann: „Hast du das gesehen? Können wir etwas machen, das cooler ist?“ Ich denke, das ist ein guter Weg. Deshalb haben wir auch als wir „VENA“ veröffentlicht haben eine Preview mit allen Songs gemacht. Da habe ich gesagt: „Lasst uns ein Preview Video machen, aber ihr seid eine ganze Woche bei uns und filmt zufällig mit während wir proben und so weiter.“ Ich wollte kein Preview Video, das einfach nur die Songs so wie sie auf dem Album sind vorstellt, das ist einfach nur langweilig. Ich wollte auch nicht wieder ein Interview machen wir vorher. Ich wollte einfach nur ein Preview Video in dem es nur um das Album ging und um uns wie wir es aufgenommen haben. Und ich denke, das Video ist wirklich gut geworden und es ist einfach etwas Neues, das wir da probiert haben. Das sind die Dinge, mit denen wir versuchen Aufmerksamkeit zu erregen.

Rock Fanatics: Das sieht man auch in den Fotos, die ihr veröffentlicht. Würden Fotografen wie Julen nich zu euren Freunden zählen, könnten sie nicht diese Fotos von euch machen.

coldrain Foto: Steffie WunderlMasato: Julen ist ein verrückter Typ! Er weiß so viel von unserer Band und ich versuche ihn absichtlich aus dem Konzept zu bringen. In Japan hat er immer gefragt, in welchem Song ich ins Publikum springe und ich habe ihm dann gesagt, dass es wahrscheinlich der letzte Song sein wird. Und dann bin ich doch schon im zweiten Song gesprungen. Aber aus irgend einem Grund weiß er es und er hat immer das beste Foto in genau dieser Sekunde.
Er springt da einfach rein. Das ist cool, denn er hat Charakter, er hat zum Beispiel den lautesten Schrei zwischen den Songs, er schreit im Pit herum und sowas, weshalb ihn die japanischen Fans und der Staff kennen und irgendwie mit ihm befreundet sind, weshalb sie ihm helfen, Atmosphäre kreieren und so weiter. Das ist wirklich cool und wir versuchen ihn für unsere Tour in Japan für alle Shows zu bekommen und hoffentlich werden wir ihn irgendwann auf der ganzen Welt mitnehmen können. Wir haben ein paar Fotografen, die wirklich einen großartigen Job machen und das ist großartig, denn so haben wir die Möglichkeit das ins Internet zu stellen und den Leuten zeigen wie cool eine Show aussehen kann. Und das ist wirklich phantastisch.

Rock Fanatics: Wonach sucht ihr bei anderen Künstlern wie z.B. bei euren Fotografen? Gibt es da etwas bestimmtes, was ihr braucht?

Masato: In 9 von 10 Fällen ist es so, dass wenn sie ein gutes Gefühl vermitteln, sie auch einen guten Job machen. Wenn sie die Band mögen, tendiert es dazu dass sie besser und besser werden im Lauf der Zeit und wir lieben Menschen, die bereit sind dabei zu bleiben und versuchen die Band kennenzulernen und dann sagen: „Ok, für eine Show berechne ich so und so viel, denn es ist unmöglich nur eine Show zu bekommen.“ Jemand der mit uns tourt, der uns kennenlernt ist definitiv großartig. Und aus irgend einem Grund haben wir einfach Menschen kennengelernt, die talentiert sind, das ist alles. Ich war nicht wirklich wählerisch, wir haben uns einfach irgendwie gefunden und haben gesagt, dass wenn sie da sind alles gut ist. Ich weiß nicht, wir hatten Glück, wir hatten einfach Glück.

Rock Fanatics: Das ist wichtig. (Masato: Absolut!) Kannst du Musikern einen Rat geben im Bezug auf das Branding der Band und der Arbeit mit anderen Künstlern wie Grafikdesignern, Modedesignern und Fotografen?

Masato: Eine Sache, die ich versucht habe ist es selbst wenn ich auf irgend eine Art und Weise eine Idee klaue, würde ich sie nie ganz klauen oder ganz davon beeinflusst sein. Versuch nie genauso zu sein, nie exakt genau. So viele Menschen versuchen das gleiche Ding zu machen. Es ist einfach jemanden zu kopieren wie Oli Sykes von Bring Me The Horizon, weil er so ikonisch ist. Er hat eine Klamottenmarke, er tut das so, Bring Me The Horizon ist so. Es ist einfach etwas zu kopieren und es genauso aussehen zu lassen. Und du siehst so viele Menschen die auf dem gleichen Weg posieren und die gleichen Klamotten tragen wie er. Du kannst aber jemanden kopieren, aber einen anderen Vibe haben. Du musst nicht genau gleich aussehen wie er. Ich könnte Jacoby kopieren und ein Denim Shirt tragen, aber ich bin nicht Jacoby. Ich meine, ich werde von Menschen inspiriert und von Filmen aus einer anderen Generation. Wenn wir z.B. ein Musikvideo machen, schaue ich mir Filme an wie Blade Runner, die in den 80igern gemacht wurden. Und die hatten wirklich coole Ideen. Wie der Regenschirm der hochgeht und so. Klassische Filme und selbst LowBudget Filme. Heutzutage haben sie bessere Ideen, die generell draußen sind. Ich denke, es geht darum so originell wie möglich zu bleiben während man bei so viel beeinflusst wird. Definitiv originell bleiben.

coldrain_crossfaith-19Rock Fanatics: Das ist jetzt schon das zweite Mal in Folge dass ihr Bullet For My Valentine als Support begleitet, was recht ungewöhnlich ist. Was ist das für ein Gefühl?

Masato: Es fühlt sich gut an. Ich meine, sie sind alle nett zu uns und wir sind Freunde und es ist cool mit ihnen unterwegs zu sein und mit ihnen zu touren. Wir kennen alle (lacht), wir kennen die Crew. Es ist irgendwie zu einfach, wir können tolle Shows an tollen Orten spielen. Diese Tour hat uns an Orte gebracht, an denen wir wahrscheinlich für eine ganze Weile nie allein hätten spielen können. Es fühlt sich also wirklich gut an und hoffentlich können wir eine Show in Japan spielen um ihnen etwas zurück zugeben, weil es so großartig war mit ihnen. Und hoffentlich kommen wir eines Tages da hin, wo sie heute sind und werden vernünftige Konkurrenten oder sowas. Aber es ist wirklich cool zu sehen, wie viel es bedeutet eine Show zu eröffnen. Je besser wir sind, um so stärker wird die Atmosphäre zum Ende hin. Wie die Show anfängt ist so wichtig und ich denke, sie vertrauen uns eine gute Show hinzulegen und das Publikum anzuheizen. Ich denke, das ist etwas, was wir jetzt erst wirklich realisiert haben und sind deshalb begeistert das momentan tun zu können.

Rock Fanatics: Letzte Frage: Wenn du in die Zukunft schaust – was kommt als nächstes?

Masato: Was als nächstes kommt? Headline Shows!

Rock Fanatics: In Deutschland?

Masato: Hoffentlich, ja. Wir sind an dem Punkt, an dem wir es einfach tun müssen und mit diesem neuen Album ist es einfach unmöglich eine Show mit sechs Songs zu machen, das ist einfach Mist. Deshalb – fuck it – wir machen eine Headline Tour. Hoffentlich im Frühjahr oder im Herbst, aber so schnell wie wir nur können und an den meisten Orten die möglich sind.

Rock Fanatics: Wir sind gespannt! Vielen Dank für deine Zeit!

Masato: Danke euch!

Facebook Kommentare

Kommentare

//]]>