Interview: Masato (coldrain) Teil 1

Vor ihrer Show in Essen treffen wir uns mit Masato von coldrain in der Weststadthalle Essen um mit ihm über das neue Album, das Tourleben und die Zukunft zu plaudern.

ColdrainRock Fanatics: Das letzte Mal als wir uns unterhalten haben, saßen wir im Bastard Club in Osnabrück. (Masato: Ja.) Das ist nun über ein Jahr her und es ist eine ganze Menge für euch passiert. (Masato: Das kann man so sagen, ja. (lacht)) Ihr habt auf dem Download Festival in England und dem Knotfest in Japan gespielt, ihr habt ein neues Album veröffentlicht, das „VENA“ heißt, ihr wart in Großbritannien mit Papa Roach auf Tour. (Masato: Ja, waren wir.) Momentan seit ihr schon zum zweiten Mal mit Bullet For My Valentine unterwegs. (Masato: Zum zweiten Mal, ja.) Das klingt wie eine wilde Achterbahnfahrt. (Masato: Absolut!) Was war dein absolutes Highlight?

Masato: Nunja, das waren alles Highlights. Ich meine der Tag an dem wir uns letztes Jahr unterhalten haben war wirklich großartig für uns, weil wir vorher nie die Chance hatten so viele lange Sets in Deutschland zu spielen, weil wir nur als Support für Bullet For My Valentine hier waren. Und es ist eine verrückte Zeit, weil es sich schon so anfühlt als würden wir das schon seit drei bis vier Jahren machen. Aber es ist erst ein Jahr und wir sind schon wieder hier und das schon zum vierten Mal. Das ist wahnsinnig. Auf der einen Seite fühlte es sich aus irgend einem Grund so an als hätten wir grade erst angefangen und gleichzeitig fühlt es sich so an als wäre das schon eine lange Zeit her. Aber ich würde sagen ein Highlight ist, dass wir auf diesem Weg herausgefunden haben, dass das, was wir da tun, scheinbar gut ist. Wir müssen nur so weiter machen. Gute Songs machen, gute Shows spielen. Und daraus ist „VENA“ entstanden und handelt von all dem was wir machen und es fasst alles zusammen, was wir als Band tun wollen. Ich denke, es ist eine gute Platte geworden, die hoffentlich das Highlight unserer Band wird, unserer Karriere.

Rock Fanatics: Lass uns weiter über „VENA“ sprechen. Das ist eure erste weltweite Veröffentlichung. Wie fühlt sich das an?

Masato: Das ist noch nicht so wirklich angekommen. Wir versuchen immer noch, sie zu verbreiten. Es ist schwer, weil es so viele verschiedene Länder sind, verschiedene Zeitzonen. Jeden auf den gleichen Weg zu bringen ist schwer. Da sind drei oder vier Plattenlabel involviert. Aber es fühlt sich großartig an. Zum ersten Mal können wir jedem zur gleichen Zeit die Musik zeigen und davon haben wir immer geträumt. Ich denke es wird verrückt, wie weit es von diesem Punkt aus weiter wächst. Wir sind einfach glücklich dass das endlich passiert ist.

Coldrain-VENARock Fanatics: Was bedeutet der Titel?

Masato: Vena bedeutet Vene auf Latein. Als wir angefangen haben die Musik zu schreiben haben wir uns nur über Wurzeln, Blut und die DNA, die coldrain ausmacht unterhalten. Die Wurzeln der Musik, die wir immer geliebt haben, als Musikhörer bevor wir coldrain gegründet haben und all das. Und da habe ich gesagt: Ich möchte irgendetwas, das verbunden ist wie unsere Wurzeln als Menschen und all diese Informationen. Ich habe ein Foto von alten Krankenhausakten und solchem Zeug gesehen, Anatomiefotos, und da war eine Vene die sich ausgebreitet hat wie Wurzeln die mit dem Herzen verbunden waren und da stand Vena. Ich denke, es ist ein typischer medizinischer Begriff, aber ich hatte noch nie davon gehört. Und es war einfach perfekt. Also habe ich das Logo gezeichnet und habe es mir tattoowieren lassen und es ist das Cover geworden.

Rock Fanatics: Du hast das Logo als tatsächlich selbst gezeichnet?

Masato: Ja, ich habe das Logo gemacht. Ich habe versucht herauszufinden, wie es ein cooles Cover werden könnte. Und dann habe ich es am PC auf jemanden gesetzt und es sah cool aus. Also dachte ich mir, ich lasse mir das stechen und alle waren damit einverstanden. Und so wurde es Cover und Titel.

Rock Fanatics: Kannst du uns etwas mehr über den Entstehungsprozess des Albums erzählen?

Masato: Die Entstehung des Albums.. Hm… Nachdem wir schon so viele Alben in Japan haben, das ist unser viertes Album, vollständiges Album und wir hatten viele EPs, wir haben über 50 Songs. Nach einer Weile sind wir in den Trott verfallen, Musik zu schreiben bei der einer von uns schon mit über 70% der Idee kommt. Daraus haben wir dann gezogen und größtenteils war es nur einer von uns, der herausgefunden hat, wie die Hälfte unserer Songs gemacht wurden. Also wollten wir zurück gehen, schließlich ging es um unsere Wurzeln. Wir sind wieder zu der Art und Weise zurück gegangen wie früher als wir noch zur High School gegangen sind. Wir haben uns in einen Raum gesetzt und es war schwer sich tatsächlich einfach in einen Raum zu setzen und über Songs nachzudenken nachdem du seit sechs Jahren eine Band bist. Das wird nervenaufreibend wenn du nicht gerade im Studio bist, einfach nur zu jemandem nach Hause zu gehen und, naja, sich zu entspannen. Es ist irgendwie seltsam für uns geworden für eine Weile, aber wir haben einfach beschlossen es durchzuziehen. Wir haben uns Kaffee geholt, uns in einen Raum mit einem Laptop gesetzt und alte Songs gehört. Und wir haben versucht den Vibe von bestimmten Bands einzufangen und das in jeden unserer Songs zu bringen. Zum Beispiel einen Linkin Park Vibe. Keine Aussage, Liedzeile oder Melodie, einfach nur etwas, das sich anfühlt wie Linkin Park oder 30 Seconds To Mars oder einige der großen Bands, die wir lieben. Das haben wir genommen und mit dem gemischt, was coldrain ausmacht. Es war ein seltsamer Prozess, weil es sich so anfühlte als würden wir zum ersten Mal Songs schreiben. Irgendwer spielte irgendwas auf dem Computer und alle im Raum sagten etwas. Und wir haben einfach Schlagzeugparts und Melodien hinzugefügt und dann herausgefunden wie es klingen soll. So haben wir Songs geschrieben als wir noch nicht genug Geld hatten um ins Studio zu gehen. Also haben wir einfach den Schritt zurück gemacht und das dann mit in die USA genommen um es tatsächlich aufzunehmen. Wir haben mit einem Produzenten namens Brendon Paddick gearbeitet und er hat hat eine Menge Pop Elemente mitgebracht. Er hat eine große Bandbreite an Projekten und es war cool, weil wir einen guten Mix von seinen Ideen mit dem was wir geschrieben hatten bekommen haben und das hat sehr gut für uns funktioniert.

coldrain Foto: Steffie WunderlRock Fanatics: Da bekommt man direkt Lust sich das Album noch einmal in Ruhe anzuhören und herauszufinden, was euch für welchen Song beeinflusst hat. (Masato lacht). Was ist dein Lieblingssong auf dem Album sowohl live wie auch in der Studioaufnahme?

Masato: Oh. Wir haben das ganze Album noch nicht live gespielt, ich hoffe also ich finde das noch heraus, aber „Gone“… „Gone“ ist die erste Single. Ich dachte, es wäre wirklich schwer den Song live zu spielen, weil er hoch und tief ist und wirklich stimmbasiert, aber es fühlt sich wirklich gut an momentan ihn auf der Tour zu spielen. Normalerweise schreiben wir die Songs und spielen sie dann auf der Tour erst nachdem wir sie veröffentlicht haben. Aber den haben wir schon gespielt bevor wir ihn veröffentlicht haben und es hat sich einfach gut angefühlt vom ersten Mal an seit wir ihn gespielt haben. Es ist keiner dieser Songs der die Leute zum springen bringt, wisst ihr, aber du hast eine Verbindung dazu und ich glaube die Leute verstehen den Text wenn sie ihn zum ersten Mal singen. Das war cool. Auf dem Album mag ich alle Tracks, aber ich muss sagen einer meiner Favoriten ist definitiv „Runaway“, denn, ich meine, Jacoby singt da mit. Wer würde einen Song mit Jacoby nicht mögen?!

Rock Fanatics: Was uns zur nächsten Frage bringt. Jacoby Shaddix (Papa Roach) und „Runaway“ – wie ist das passiert?

Masato: Nunja, wir waren gemeinsam auf Tour und wir sind Freunde geworden, ich meine er ist ein toller Kerl. Wir haben immer zu ihrer Band hochgesehen. Wir sind einfach große Papa Roach Fans. Auf dieser Tour waren wir einfach glücklich sie jeden Tag auf der Bühne zu sehen und es war einfach wie ein Traum der wahr geworden ist. Und wir haben einfach herumgescherzt. Ich habe gesagt, dass ich ihn unbedingt in einem der neuen Songs haben möchte. Ich dachte mir einfach, das könnte passieren oder auch nicht, man weiß es ja nie. Und als wir dann an den Aufnahmen mit Brandon in L.A. saßen, hat Jacoby mir eine Nachricht geschickt und gefragt was wir gerade machen. Und ich habe ihm geantwortet, dass wir grade unsere neue Platte in L.A. aufnehmen. Und seine nächste Nachricht war wortgetreu: „Wenn du einen Gast-Sänger brauchst, nimm mich.“ Und ich saß da: „Verarsch mich nicht, mach da keine Witze drüber.“ Und er hat es gemacht. Wir hatten tatsächlich zwei Songs, bei denen wir uns bevor sie fertig waren dachten dass ein Gastsänger cool wäre. Für „Runaway“ wollte ich unbedingt jemanden haben und die ganze Band wusste, dass das Jacobys Teil ist. Und grade als wir uns darüber unterhielten dass er mir geschrieben hat, wussten wir, dass das seins ist. Also haben wir ihm den Song geschickt und er hat einfach sein Ding gemacht.

coldrainRock Fanatics: In der Dokumentation „Making Of The New Record“ zu eurem letzten Album „The Revelation“ hast du gesagt, dass ihr eure Musik mit jedem Album härter machen möchtet. Glaubst du, ihr habt das mit „VENA“ geschafft?

Masato: Ich denke, wir streben immer danach mehr Tiefe und Bandbreite zu erreichen. Die Songs müssen größer und stärker sein und ich denke mein Ziel für „VENA“ war es definitiv ein Album zu machen, das sehr vom Gesang angetrieben wird und bei dem meine Stimme sehr präsent ist. Sie ist laut und stark, zerstört die Band aber nicht und es ist nicht wie auf einem Pop-Album. Ich denke, das war das, was wir nach „The Revelation“ wollten, etwas das gesanglich schwer war und das alle Songs hervorstechen lässt, wie es ein Linkin Park Album tun würde, wie es ein 30 Seconds To Mars Album tun würde, wie es ein Papa Roach Album tun würde. Ich meine alle diese Bands, die hart sind, aber immer noch den Gesang im Vordergrund haben. Das ist einfach etwas, dass du heutzutage nicht mehr hörst, weil jeder nur noch das Schlagzeug super laut macht und die Gitarren ruppig sind. Wir dachten uns einfach, wir konzentrieren uns auf den Gesang und Brendon war ganz dafür. Ich denke, wir haben daraus definitiv unsere gesanglich stärkste Platte gemacht.

Lest im nächsten Teil weiter, welchen Einfluss die Produzenten auf coldrain hatten, was Masato über die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern denkt und wie es in Zukunft bei coldrain weiter gehen soll.

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