Interview: Masa (Coldrain)

rar_coldrain-5Wir sitzen mit Masa von Coldrain in einer gemütlichen Ecke des Barbereichs im Bastard Club in Osnabrück um mit dem Sänger über die anstehenden Festivals, das neue Album sowie Pläne und Zukunftswünsche zu plaudern.

Rock Fanatics: Hallo! Bitte stell dich und deine Bandkollegen vor. Erzähl uns dabei doch etwas über dich und die Jungs, was vorher noch niemand wusste.

Masa: Ich bin Masa, ich bin der Sänger der Band. Yoko spielt Lead Gitarre. Sugi spielt Rhythmusgitarre. Ryo spielt Bass, Kazuma spielt Schlagzeug. Und wir sind Coldrain. Puh, etwas das niemand weiß. Ich schreie und singe auf der Bühne, aber ich bin eigentlich wirklich schüchtern. Das weiß wahrscheinlich niemand. Oder ich hoffe zumindest, dass das niemand weiß. Wir sind… ich weiß nicht. Etwas das niemand weiß. Wir feiern viel wenn wir auf Tour sind. Alle Jungs tun das, ich nicht ganz so viel. Aber wenn wir zuhause sind, sind wir sehr zurückhaltend. Wir entspannen grundsätzlich nur. Aber wir haben keine Geheimnisse. Wir sind sehr offen.

Rock Fanatics: Momentan seit ihr viel unterwegs. Letztes Wochenende habt ihr bei Rock am Ring und Rock im Park gespielt, am nächsten Tag Prag, gestern das Beastfest in Hamburg, heute Osnabrück und nächstes Wochenende auf dem Download Festival in England. Was war bisher euer absolutes Highlight?

Masa: Alles! Aber definitiv Rock am Ring und Rock im Park. Ich meine von Rock am Ring habe ich Videos gesehen von allen meinen Lieblingsbands, die dort gespielt haben seit ich in der Mittelstufe war. Dort auf egal welcher Bühne spielen zu können war großartig. Und einfach nur unsere Freunde wie Crossfaith direkt nach uns spielen zu sehen und mit ihnen im Bus unterwegs zu sein, war einfach großartig.

Rock Fanatics: Nächstes Wochenende spielt ihr auf dem berühmten Download Festival. Wie fühlt ihr euch dabei?

Masa: Ich habe Angst. Ich habe totale Angst. (Er lacht.) Aber es ist ein Traum, der in Erfüllung geht und wie alle diese Festivals etwas, das wir nie geplant haben. Aber die Möglichkeit zu haben nach so vielen Jahren ist mehr als wir je mit dieser Band erwartet hätten und es ist das, was uns antreibt weiter zu machen. Und wir werden auf dem Download spielen. Ich meine davon träumt jeder. Und das wird nun Wirklichkeit. Also darf ich keine Angst haben.

Rock Fanatics: Heute spielt ihr in einem eher kleinen Club. Gibt es für dich einen Unterschied zwischen Club und Festival Shows? Wo spielst du lieber?

Masa: Überhaupt nicht. Ich liebe es in kleinen Hallen zu spielen. Aber auch große Festivals. Das ist das gleiche für mich. Je näher das Publikum ist, umso mehr Energie ist da auch. Am Ende mag ich die kleineren Shows immer lieber. Ob Japan oder Deutschland macht dabei eigentlich keinen Unterschied. Wenn ich in einem vollen Club bin, vor vielen Leuten, dann ist es großartig. Wenn nur eine Person mitsingt, dann war es das wert. Schickt mich egal wo hin.

Rock Fanatics: Generell assoziieren euch die Fans hier mit den westlichen Bands, mit denen ihr auch erfolgreich durch Europa tourt wie zum Beispiel Bullet For My Valentine. Auf diese Art und Weise habt ihr die Chance vor einem viel größeren Publikum zu spielen als es beispielsweise eure heimischen Kollegen wie Girugamesh, Dir En Grey oder The Gazette tun können. Wie habt ihr das geschafft?

Masa: Wir wollten – wie auch Crossfaith – nie als japanische Band hier hin kommen. Wir wollten diesen Standard eliminieren und wir wollten das als Band tun. Wir wollen nicht als J-Rock Band in eine Schublade gesteckt werden, obwohl wir das wahrscheinlich trotzdem werden. Deshalb haben wir Raw Power Management gefunden. Die Tour mit Bullet For My Valentine war pures Glück. Wir hatten Glück, dass ein Platz frei war und sie uns genug mochten um uns mit auf Tour zu nehmen. Ich denke, es war die richtige Wahl für das erste Mal. Wir haben einfach gewartet bis das Timing gestimmt hat um hier rüber zu kommen. Ich denke es ist… Wir wissen nicht wie es ausgeht. Wir werden sehen wir gut wir auf dieser Tour waren. Denn die Leute kommen, um uns zu sehen nachdem sie uns mit Bullet For My Valentine gesehen haben. Deshalb kommt es jetzt darauf an, wie gut wir uns auf dieser Tour angestellt haben. Ich denke, die Zuschauer bei Rock am Ring und Rock im Park hatten bestimmt eine Verbindung zu unserer Tournee mit BFMV. Also hatten wir Glück und haben das Beste daraus gemacht. Ich denke, die japanischen Bands, die hier rüber kommen sollten die Wahl treffen, die sie wollen. Aber ich denke wir haben einen anderen Weg als Girugamesh und diese bands gewählt und es hat funktioniert. Wir hatten Glück. Definitiv!

Rock Fanatics: Welche Bands haben dich am meisten beeinflusst?

Masa: Ich bin definitiv mit Nu Metal aufgewachsen. Große Bands sind für mich Incubus, Linkin Park. Die erste Metal-ähnliche Musik, die ich gehört habe war wahrscheinlich Limp Bizkit. Metallica. Aber ich muss sagen, dass der große Einfluss wahrscheinlich diese Sänger sind, die sowohl screamen wie auch singen können. Ich denke Chester hat definitiv großen Einfluss auf mich. Sie auf diesen Festivals als Headliner zu sehen, hat mich stark beeinflusst.

Rock Fanatics: Gibt es auch japanische Einflüsse?

Masa: Uh, als ich aufgewachsen bin, habe ich L’ar en Ciel wirklich geliebt. Eine sehr wichtige Band für mich. Wir haben damals Cover gespielt als wir in der Oberstufe waren. Sie sind wahrscheinlich eine der größten Einflüsse in Sachen Rock. Aber ich weiß nicht ob du Hikaru Utada kennst. Sie ist eine Pop Sängerin, aber sie hat auch R’n’B gemacht. Sie war die Erste, die westlichen R’n’B in einer japanischen Art gemacht hat. Sie hat so viele Songs für Filme, Werbung und diese ganzen Sachen gemacht. Wir wurden definitiv sowohl von westlicher wie auch japanischer Musik beeinflusst.

Rock Fanatics: Weil wir gerade beim Thema Filme sind. Ich habe gelesen, dass ihr zwei Songs für Anime geschrieben habt. Wie kam das zustande?

Masa: Den Ersten haben wir für einen Anime gemacht, der Hajime no Ippo heißt. Sie wollten einfach einen Song für ihr Ending und wir haben nur gesagt: „Was auch immer, das ist schon in Ordnung.“ Aber der Zweite war für einen Anime, der Rainbow heißt. Sie wollten etwas starkes. Und sie haben alle möglichen Bands gefragt. Tatsächlich haben wir die Comicbücher gelesen und wir haben sie so sehr gemocht, dass wir diesen Song für sie geschrieben haben. Ich habe mit dem screamen in diesem Song angefangen. Und dann haben wir gesagt: „Wenn ihr den Song nicht benutzen wollt, ist das ok für uns. Aber wir haben den Song für euch geschrieben.“ Und sie entschieden sich dafür ihn als Opener zu benutzen.

Rock Fanatics: Euer neues Album „The Revelation“ wird am 23. Juni weltweit veröffentlicht. Was dürfen Fans erwarten?

Masa: Wir haben es vor einem Jahr in Japan veröffentlicht. Wir haben es während der gesamten Bullet For My Valentine Tour gespielt und auch auf den Festivals. Und wir wissen dass alle die Songs lieben. Wir hatten die Chance fünf neue Songs hinzuzufügen, die in Japan als EP veröffentlicht wurden. So hatten wir die Chance es etwas durchzumischen und eine Deluxe Version daraus zu machen. Es wird cool, denn wir haben Songs die wir bereits auf zwei drei Tourneen gespielt haben und neues Material, das wir bisher noch gar nicht gespielt haben. Es wird also etwas Großes für die Welt. Und ich kann es kaum erwarten, dass es unsere erste Platte außerhalb von Japan wird.

Rock Fanatics: Wie geht ihr generell an das Songwriting heran? Wer macht was? Und was entsteht zuerst?

Masa: Unser Gitarrist Yoko schreibt einen Großteil der Musik. Er macht Demos als wären sie schon fertig aufgenommen. Wir bekommen die Demos von ihm, spielen es dann als Band und schauen, was geändert werden muss. Ich singe grundsätzlich keine Wörter darauf. Nur das, was mir gerade in den Sinn kommt. Und dann gehe ich nach Hause und finde Wörter zu was auch immer ich da aus meinem Kopf im Studio gesungen habe. Und damit beginne ich die Lyriks zu schreiben, schreibe kleine Stücke. Und dann gehen wir zurück ins Studio und ändern es wieder, gehen wieder nach Hause, hören es und gehen zurück ins Studio. Wir hören nicht auf das zu tun. Es ist wie ein Puzzle. Jedes kleine Stück fügt sich weiter zu einem großen Bild zusammen.

Rock Fanatics: Wann hast du angefangen Musik zu machen?

Masa: Ich habe ziemlich schnell damit angefangen Musik zu machen. Ich habe zum ersten Mal in meinem zweiten Jahr in der Mittelschule eine Gitarre in die Hand genommen. Direkt nachdem ich begonnen hatte ein Instrument zu spielen und drei oder vier Akkorde beherrschte, habe ich angefangen Riffs zu schreiben. Denn damals war es ungefähr so, dass man nur lernen musste wie man eine Gitarre hält um einen Limp Bizkit Song zu spielen. Es ging nur darum Riffs zu schreiben und zu versuchen dazu zu rappen. Und dann nach einer Weile stellst du fest, dass das gar nicht das ist, worum es bei Musik geht. Und so findest du Menschen, die besser darin sind als du. Und dann habe ich die Jungs aus der Band kennengelernt. Aber ich denke ich schreibe seit über zehn Jahren Musik inzwischen.

Rock Fanatics: Welche Instrumente spielst du?

Masa: Ich kann ein wenig auf der Gitarre, ein wenig auf dem Bass. Gar nichts am Klavier, überhaupt nichts am Schlagzeug. Ich bin grottenschlecht am Schlagzeug. Ich fasse Drumsticks nicht an. Aber ich liebe das Schlagzeug. Ich liebe Schlagzeuger, ich liebe es Schlagzeugern zuzusehen. Die Gitarre ist mein Favourit. Ich liebe Equipment. Ich liebe Amps, auch wenn ich sie gar nicht auf der Bühne spiele. Irgendwann werde ich wahrscheinlich eine Menge Instrumente haben, wenn ich genug Geld verdiene. Ich hätte gern mein eigenes Studio auch wenn ich nicht aufnehme. Ich liebe grundsätzlich alles, das wir mit auf der Bühne haben. Ich bin ein Geek wenn es darum geht.

Rock Fanatics: Was vermisst du am Meisten, wenn ihr in Europa auf Tour seid?

Masa: Oh, meine Hunde. Definitiv. Was das Essen angeht – ich liebe westliches Essen, ich liebe europäisches Essen. Es ist immer cool weg zu gehen und etwas neues für eine Weile auszuprobieren. Und dann wieder Heim zu kommen und das gewohnte zu haben. Internetzugang, das ist eine Sache, die ich vermisse. Meine Badewanne zuhause. Aber ich liebe es draußen zu sein, ich liebe es zuhause zu sein. Ich bin ein Mensch, der gern zuhause ist. Ich vermisse mein Bett und meine Couch.

Rock Fanatics: Was für Hunde hast du?

Masa: In meiner Heimatstadt habe ich einen Dackel. Und zuhause habe ich einen verrückten Chihuahua. Es sind zwei irrsinnig verrückte Hunde. Wenn ich eines Tages ein großes Haus habe, werde ich große Hunde haben. Aber momentan habe ich diese kleinen verrückten Hunde.

Rock Fanatics: Und anders herum – was vermisst du wenn du wieder zuhause in Japan bist?

Masa: Weiß du, nach ungefähr einer Woche daheim vermisst du einfach zu touren und Shows zu spielen. Du vermisst die Energie. Und du möchtest nicht vergessen, wie es sich anfühlt auf der Bühne zu stehen, aber das tust du nach ungefähr 10 Tagen. Es fühlt sich seltsam an nichts zu tun und es fühlt sich an als wäret du nichts wert, wenn du zuhause bist. Denn abgesehen davon auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen, ist alles was ich den ganzen Tag tue Filme zu schauen. Und zu essen. Und zu schlafen. Ich vermisse jede Sekunde auf der Bühne zu stehen.

Rock Fanatics: Also verfällst in du in einen Tour-Blues?

Masa: Ja. Drei Tage sind die Ruhe, die man braucht. Und dann zwei Tage einfach nichts tun.

Rock Fanatics: Und dann wirst du unruhig?

Masa: Ja, absolut!

Rock Fanatics: Wen Geld keine Rolle spielen würde und du DIE Show eures Lebens planen könntest – wo würdet ihr spielen? Wie würdest du die Show gestalten? Und wer würde euch als Support begleiten?

Masa: Uuuuuh! Aber ich kann keine Magie benutzen? Ich kann niemanden zum Leben erwecken?

Rock Fanatics: Doch klar, warum nicht?

Masa: Okay. Mein Opener wäre Nirvana. Kurt Cobain. Lasst es ihn machen, lasst ihn der Support sein. Ich bin ein Fan. Ich würde definitiv Snot und Pantera zurück bringen. Im ursprünglichen Line Up. Danach würde ich in der Zeit zurück reisen. Warte, vergiss das alles wieder. Ich würde in der Zeit zurück reisen und den Headliner des Family Values 1999 spielen. Wo auch Korn und Limp Bizkit gespielt haben. Ich würde einen Song mit Rammstein spielen. Das wäre cool. Ich meine – vergiss Coldrain. (Er lacht.)

Rock Fanatics: Lass dich von ihnen nicht verbrennen. Sie haben das aus Versehen beinahe mit Heino geschafft als sie mit auf auf Wacken gespielt haben.

Masa: (Er lacht.) Ich wäre derjenige, der mit dem Feuer spielt.

Rock Fanatics: Mit welcher berühmten Person – tot oder lebendig – würdest du gerne ein Bierchen trinken und warum?

Masa: Uuuuuh. Brandon Boyd von Incubus. Definitiv. Ich meine, ich würde ihn mich küssen lassen, wenn ich schwul wäre. Er war einfach so eine große Inspiration für mich meine ganze Karriere hindurch. Ich würde ihn gerne A Capella singen hören. Ich liebe alles, was er tut. Und ja, wenn ich mit ihm ein Bier trinken könnte, würde ich morgen kündigen.

Rock Fanatics: Was würdest du tun, wenn du kein Musiker geworden wärst?

Masa: Ich war tatsächlich an der juristischen Fakultät für zweieinhalb Jahre. Das ist wahrscheinlich sehr seltsam. Ich wollte Sportagent werden. Viele japanische Baseballspieler gingen in die Major League und ich dachte es wäre wirklich cool weil ich sowohl Japanisch wie auch Englisch sprechen kann. Und ich bin ein Sportfan. Also habe ich versucht das zu tun, aber studieren war so gar nicht meins. Also… vielleicht würde ich Kleidung machen. Irgendetwas das cool ist. Ich interessiere mich sehr für Mode.

Rock Fanatics: Zu guter Letzt – deine letzten Worte an unsere Leser.

Masa: Ich hoffe, dass ich jeden von euch live und persönlich sehen werde, verschwitzt und durcheinander gebracht. Wenn ich mit jedem von euch mitsingen kann, wäre das großartig!

Rock Fanatics: Vielen Dank. Es war uns eine Freude!

Masa: Definitiv! Danke euch und bis später!

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