Interview: Amphi Resümee mit Elmar

ansichtsflyer_Amphi-2013Teil 2 unserer Festival Resümee Reihe. Diesmal stand uns Elmar Herrmann Rede und Antwort rund um das Amphi Festival.

Rock Fanatics: Hallo Elmar. Zunächst danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast.

In diesem Jahr fand das Amphi Festival bereits zum 9. Mal statt und damit nach dem Debüt in Gelsenkirchen zum 8. Mal an zwei Tagen im Tanzbrunnen in Köln. Wo lagen deine Erwartungen an das Amphi 2013 und wurden sie erfüllt?

Elmar: Bei einer solch umfangreichen Veranstaltung wie dem Amphi Festival gibt es immer viele Faktoren die zu einem gelungenen Festival beitragen. Insofern kann man im Vorfeld nur bedingt von einer Erwartungshaltung zu sprechen. Eher von einer optimistischen Grundspannung, dass Organisation des Festivals, die man am Schreibtisch organsiert hat, reibungslos funktioniert, die Besucher ein tolles Festival erleben und neue Elemente sich gut in den bestehenden Festivalablauf einfügen. Das kann eine interessante Programmidee sein, bei der man hofft, dass das Publikum sie annimmt aber auch solche Dinge, wie damals unser Besuchercafé oder das bestuhlte Theater am Tanzbrunnen.

In dieser Hinsicht hatten wir 2013 mit dem Schiffsevent „Call The Ship To Port“ am Vorabend des Amphi Festivals die größte Neuerung, die auch für uns nicht alltäglich war. Unsere Erwartungen an den Abend waren nach der ersten Besichtigung der MS Rheinenergie im Spätsommer 2012 zudem sehr hoch, da das ganze schon einen sehr exklusiven Eindruck vermittelt. In Kombination mit dem Wetter und der großartigen Stimmung an Bord wurden unsere Erwartungen tatsächlich noch übertroffen.

Das Festival selber lief dank der jahrelangen Erfahrung mit dem Tanzbrunnen sehr gut an. Die Mannschaft ist ein eingespieltes Team und wenn es hinter den Kulissen stimmt, honoriert das auch der Besucher. Die Stimmung auf dem Gelände war trotz der heftigen Temperaturen großartig und in diesem Zusammenhang kam natürlich der Beach Club sehr gut zur Geltung.

Insgesamt verlief das Festival so reibungslos wie nie, was immer eine gute Basis ist. Umso intensiver kann man sich um den ganz normalen Wahnsinn kümmern, der spontan während einer solchen Großveranstaltung auftritt. Insofern dürfen wir mit dem Amphi Festival 2013 sehr zufrieden sein.

Rock Fanatics: Was war dein persönliches Highlight des Wochenendes?

Elmar: Oh, davon gab es einige aber man muss da ein wenig differenzieren. Musikalische Favoriten sind z.B. immer sehr subjektive Highlights, da wird auch in unserem Team jeder eine andere Wahl treffen. In meinem Falle würde ich an erster Stelle Fields Of The Nephilim, Peter Heppner, Philipp Boa und das extrem stimmungsvolle Konzert von Rome auf der Theaterbühne nennen. Doch auch die Mega-Party bei VNV Nation war eines der Konzerthighlights des Wochenendes, bei dem ich so etwas wie den kleinsten gemeinsamen Nenner des gesamten Publikums verorten würde.

Mit Blick auf die Durchführung des Festivals hat natürlich besagte Bootstour am Freitag großen Spaß gemacht, aber auch die Zusammenarbeit mit unserer neuen Zeltplatz-Security empfand ich als sehr angenehm.

Rock Fanatics: In diesem Jahr fand erstmals das Call the ship to port Event auf der MS Rheinenergie statt. Wie entstand die Idee? Was war dir für die Umsetzung des Events besonders wichtig?

Elmar: Die Idee zu „Call The Ship To Port“ existiert schon eine ganze Weile. Seit 2008 gab es wiederholt Bemühungen ein Event auf der MS Rheinenergie umzusetzen. Doch entweder fehlte ein passender Aufhänger oder es reimte es sich organisatorisch nicht hundertprozentig zusammen. Der finale Zündfunke hat gefehlt. Da die Veranstaltung mit einem sehr hohen finanziellen Aufwand verbunden ist kann man ein so spezielles Projekt nur mit vollem Einsatz umsetzen oder gar nicht.
Die Idee auf der MS Rheinenergie ein exklusiv gehaltenes Eröffnungsevent zu veranstalten entstand schließlich ganz banal aus einem lockeren Feierabendgespräch unter Mitarbeitern. Basierend auf den guten Erfahrungen des Eisbrecher Tour-Abschlusskonzerts auf der Zugspitze im November 2011, fügte sich plötzlich das fehlende Puzzleteil ein.

Letztlich wollten wir dem Schiffs-Event auch über den Abend hinaus einen besonderen Touch verleihen. Das fing mit dem passenden Titel an, setzte sich mit der Auswahl attraktiver Bands, die nach Möglichkeit mit exklusiven Konzerten aufwarten sollten, fort und mündete in verschiedenen Zusatzbonbons, wie T-Shirts, hochwertige Eintrittspässe oder einer schönen Box, die ebenso limitiert sind, wie das Event selbst. Eben etwas, das nicht jeder hat.

Am Veranstaltungstag selber war es uns zunächst besonders wichtig alle Teilnehmer rechtzeitig auf das Schiff zu bekommen. Hier muss ich den Besuchern ein Kompliment machen, die sich bis auf ganz wenige Ausnahmen pünktlich zum Einlass am Anleger eingefunden hatten! Doch auch die Schaffung einer entspannten Atmosphäre an Bord lag uns sehr am Herzen. Es wäre sehr schade gewesen ein so spezielles Ambiente dadurch zu zerstören, indem man das Boot bis auf den letzten Millimeter ausreizt oder das Programm mit zu vielen Acts überfrachtet.

Rock Fanatics: 1.111 Besucher feierten gemeinsam mit den Bands Classic & Depeche, Welle:Erdball und Covenant die neue Eröffnung des Festivals. Wie hast du das Event erlebt? Wie fiel die Reaktion der Besucher aus?

Elmar: Die Reaktion des Publikums war phantastisch. Der Abend verlief sehr schön. Aufgrund des bombastischen Wetters zog es anfangs viele Besucher auf das Sonnendeck, wo man sich in kleinen und größeren Sitzgruppen zusammen gesellte. Wir waren auch sehr glücklich, dass Lars Arnold, alias „Classic & Depeche“, sich bereit erklärt hatte mit einem Klavierkonzert zum Anfang die passende Salonatmosphäre zu schaffen. Welle: Erdball gaben anschließend ein Old-School Konzert als Synthi-Duo und erlaubten sich nebenbei mit der Titelmelodie der TV Serie „Love Boat“ noch einen kleinen Spaß zur Feier des Abends. Die Stimmung war großartig und fand in dem Auftritt von Covenant ihren Höhepunkt. Als kurz vor Mitternacht die ersten Takte von „Call The Ships To Port“ – dem namensgebenden Song – erklangen, war das schon ein sehr spezieller Moment. Es klingt vielleicht abgedroschen – aber dieser Augenblick hatte definitiv etwas Magisches.

Selbst wer sich während der Konzerte eine Auszeit gönnte oder zeitweilig einen Blick aus den Fenstern des Schiffes warf, wurde mit tollen Bildern belohnt. Etwa wenn zwei Schiffe einander überholten und die Gischt, zusammen mit den flotten Rhythmen von Welle: Erdball dem ganzen einen urigen Wettfahrtcharakter verliehen oder die spektakuläre Kulisse des erleuchteten Kölner Altstadtufers samt Dom, die zu Covenant´s „We Stand Alone“ draußen vorbei zog. Bilder die diesen Abend einzigartig machten.

Rock Fanatics: 2013 trug das Festival erstmals nicht mehr den Untertitel „The ORKUS Open Air“. Was steckt hinter dieser Entwicklung?

Elmar: Der Zusatz „The Orkus Open Air“ basierte auf einer Medienpartnerschaft mit dem Orkus Magazin, die auf die Anfangstage des Festivals zurückgeht. Als die 2004 die Idee zum Amphi Festival entstand und 2005 schließlich umgesetzt wurde arbeiteten viele Festivals noch mit einem übergeordneten Präsentator. In unserem Fall war es der Orkus. Seitdem hat sich eine Menge verändert. Die Szene ist stärker denn je auf das Internet und Soziale Netzwerke ausgerichtet. Erst kam Myspace, dann wurde Facebook zu einem Massenphänomen. Parallel dazu ist es heute bei der immensen Zahl an Festivals leider erforderlich sich medial möglichst breit aufzustellen, um das Publikum zu erreichen. Insofern haben wir als alleiniger Veranstalter des Amphi Festivals eine große Kooperation in mehrere Kleine umgewandelt, ohne dabei einen Partner speziell als Co-Namensgeber des Festivals hervorzuheben.

Rock Fanatics: Als traditionsreiches Event der Schwarzen Szene steht das Amphi Festival durchaus in gewissem Konkurrenzdruck mit anderen Großveranstaltungen wie dem WGT. Wie schaffst du es die Balance zu finden und das Amphi damit so einzigartig wie möglich zu gestalten?

Elmar: Zunächst einmal ist die Organisation eines großen Open Air Festivals immer Teamarbeit. An vorderster Front stehen dabei natürlich Kai und Marco als Geschäftsführer, die entscheiden welche Ideen umgesetzt, welche Bands gebucht und welche Herangehensweisen angewendet werden. Wie in vielen anderen Teams werden die verschiedenen Ideen vorab gefiltert und die Besten werden zum Projekt. Aus der Summe der verschiedenen Projekte ergibt sich dann das große Mosaik des Amphi Festivals. Dabei schauen wir in erster Linie darauf, wie wir das Amphi Festival in sich noch schöner, harmonischer und abwechslungsreicher gestalten können. Da jedes Festivals auf seine ganz individuelle Weise einzigartig ist macht es nur bedingt Sinn sich mit anderen Veranstaltungen zu vergleichen. Die erste Frage die wir uns vor jeder Neuerung stellen ist: „passt sie in den Kontext des Amphi Festivals?“ und „lässt sie sich mit den örtlichen die Gegebenheiten des Tanzbrunnengeländes sinnvoll umsetzen?“. Ohne diese Kontrollmechanismen würde man die von Dir angesprochene Balance vermutlich sehr schnell verlieren. Das Festival würde seinen eigenen Charakter einbüßen, den es, wie ihn auch das Wave Gotik Treffen oder das M´era Luna hat. Auch wenn die Programme aufgrund der gleichen musikalischen Szene sehr große Schnittmengen aufweisen, sind alle Festivals für sich genommen doch einzigartig. Mal weitläufig und breit gefächert, mal mit großen Blockbuster-Acts und klassischem Zeltlager oder vielfältig und kompakt zugleich, wie bei uns.

Rock Fanatics: Gab es in diesem Jahr besondere Geschehnisse? Kannst du uns dazu vielleicht eine kleine Anekdote erzählen?

Elmar: Richtige Anekdoten oder große Geschichten habe ich selbst in diesem Jahr tatsächlich nicht erlebt. Zum einen lief das Festival dieses Jahr insgesamt sehr reibungslos, zum anderen hält es einen aber auch immer auf Trab, sodass man die Geschichten am Rande oft erst später bzw. vom Hörensagen mitbekommt. Sehr beeindruckend fand ich dieses Jahr den Blick in das Publikum – vor allem während des VNV Nation Konzertes am Samstagabend als bis in die hintersten Reihen eine gigantische Party gefeiert wurde. Am Sonntag hatten auch Oomph! einen dieser Momente, die man einfach live erleben muss. Vor Gothic-Publikum einen Shanty zu bringen war mutig. Dabei die Menge aber kollektiv zum Schunkeln zu bringen auf kuriose Weise genial und definitiv einer der besonderen Momente des Festivals, zumal er sehr amüsant anzusehen war.

In Anbetracht des heftigen Wetters hatte sich unsere Security im Bühnengraben im Laufe des Festivals mit einem Schlauch bewaffnet, um den Besuchern in den ersten Reihen eine kleine Abkühlung zu verschaffen. Besonders „spritzig“ wurde es immer dann, wenn sich jemand an Ort und Stelle seine Trinkflasche auffüllen lassen wollte. David gegen Goliath oder 0,5 Liter-Flasche vs. Gartenbrause – ein feuchtfröhliches Spektakel!

Rock Fanatics: Pünktlich zum Festival ist endlich der Sommer in Deutschland eingebrochen. Musstet ihr deshalb besonders reagieren? Oder ist die Szene – gerade im Vergleich zum Publikum von bekannten Rock Festivals wie Rock am Ring oder dem Hurricane – im Verhältnis vernünftiger und achtet besser auf sich und ihre Mitmenschen?

Elmar: Das Wetter meinte es dieses fast ein bisschen zu gut mit uns. Natürlich freut man sich als Open-Air Festival über schönes Wetter – 2012 war diesbezüglich ideal – doch wenn die Sonne erbarmungslos brennt ist handeln gefragt. Abgesehen davon, dass wir sehr begrüßt hätten wenn der Gastronom des Tanzbrunnens zumindest seine Preise für Mineralwasser an diesem Wochenende reduziert hätte, wurde an den Trinkwasserstellen neben den Wasserhähnen auf die Schnelle eine kleine Dusche eingerichtet und für den Bühnengraben ein Schlauch herbei geschafft, mit dem die Security von Zeit zu Zeit Wasserflaschen auffüllte oder direkt einen kleinen Regenschauer auf das Publikum niedergehen ließ. Durch den hohen Wasserverbrauch rund um das Tanzbrunnengelände musste in der Nacht von Samstag auf Sonntag vorübergehend und mit Hilfe der Feuerwehr ein zusätzlicher Brunnen angezapft werden. Etwas das es in 8 Jahren Amphi Festival am Kölner Tanzbrunnen noch nie vorkam!

Abgesehen von den Maßnahmen die man als Veranstalter treffen kann hat das Publikum beim Amphi Festival ein paar Vorteile, die die Hitze ein wenig erträglicher machen. Zum einen ist der Bereich vor der Bühne mit pilzförmigen Konstruktionen überdacht, das Theater am Tanzbrunnen als Indoor-Location bestuhlt und klimatisiert und im Besuchercafé des Staatenhauses findet man rund 800 schattige Sitzplätze. Wer keine Scheu vor der Sonne hat, kann sich direkt im Beachclub selbige auf den Pelz scheinen lassen. Am Sandstrand im Liegestuhl oder Himmelbett mit Cocktail oder Eiskrem lässt es sich selbst bei solchen Temperaturen prima aushalten. Ein Blitzurlaub zwischen EBM und harten Gitarren.

Rock Fanatics: Auf der Webseite des Festivals können die Besucher an einer Feedback Umfrage teilnehmen. Bist du mit den ersten Ergebnissen zufrieden?

Elmar: Die Besucherumfrage ist uns immer sehr wichtig. Auch in diesem Jahr haben wir wieder viele Anregungen, Kritik und Bandwünsche bekommen, die wir in die Umsetzung des bevorstehenden 10-jährigen Jubiläums einfließen lassen. Generell sind wir dafür immer sehr dankbar und freuen uns über konstruktive Vorschläge. Die Teilnahme war dieses Mal so zahlreich wie nie und die Bewertungen der einzelnen Festivalbereiche zeigen, dass wir den Nerv des Publikums treffen. Harsche Kritik gibt es seit Jahren fast ausschließlich am gastronomischen Angebot. Hier ist dringend der Gastronom des Tanzbrunnens gefordert – leider bis heute ohne Reaktion.

Rock Fanatics: Welche Überraschungen warten 2014 auf die Besucher? Wird es Neuerungen geben? Und kannst du uns vielleicht schon erste Bands verraten?

Elmar: 2014 feiern wir mit dem Amphi Festival 10-jähriges Jubiläum. Bei der Gestaltung des Festivals beginnen wir in der Regel mit dem Booking der Bands und steigen in der zweiten Hälfte der Vorbereitungsphase erst verstärkt in die organisatorischen Feinheiten ein. Insofern kann ich hier noch nichts verraten ;). Außerdem wäre es dann ja keine Überraschung mehr. Das Programm nimmt derweil schon deutliche Konturen an. Aktuell sind bereits 18 Künstler bestätigt. Darunter Publikumsmagneten wie EISBRECHER, PROJECT PITCHFORK, MONO INC. oder HOCICO, die jungen Wilden wie LORD OF THE LOST, AESTHETIC PERFECTION oder CENTHRON und auch ein paar ungewöhnliche Highlights wie BLUTENGEL & THE MONUMENT ENSEMBLE mit einem Gothic-meets-Classic Auftritt, die ersten beiden Auftritte der Band JANUS seit ihrer legendären „Winterreise“ 2005 und vieles mehr.

Nochmals vielen Dank für deine Zeit!

Das Amphi Festival 2014 findet von 26.-27.Juli 2014 im Tanzbrunnen in Köln statt. Der Vorverkauf für das 10 jährige Jubiläum startet am 01. August 2013.

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