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Slam Nr. 119 Magazin Kritik
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26. Februar 2022

Daniel Holbe im Interview

Daniel Holbe (Copyright: Oliver Misof)

Daniel Holbe (Copyright: Oliver Misof)

Mit dem Autor Daniel Holbe, der 2021 „Die junge Jägerin“, ein Julia Durant-Fall, und „Strahlentod“ zusammen mit Ben Tomasson (ein Angersbach/Kaufmann-Roman), konnte ich nach etwas längerer Zeit wieder ein Interview machen. Wir haben über den kommenden Julia Durant-Roman „Todesruf“, die Corona-Pandemie, Zusammenhänge im Titel und einiges mehr gesprochen. Herausgekommen ist ein ausführliches wie spannendes Interview.

Daniel Holbe (Copyright: Oliver Misof)
Daniel Holbe (Copyright: Oliver Misof)

Schön, dass wir wieder einmal miteinander reden können. Wie geht es Ihnen aktuell in der Pandemie? Hat es Sachen erschwert beim Schreiben? Konnten Sie den Enthusiasmus, die Freude “leicht” aufrecht erhalte?

Danke, ich freue mich auch! Und das, obwohl ich gerade unmittelbar vor Abgabe eines neuen Manuskriptes stehe. Naja, vielleicht auch gerade deshalb. Jede Ablenkung ist da um so willkommener ;-)

Ich muß ehrlich zugeben, dass ich mir mein Leben während der zwei Corona-Jahre immer sehr schön geredet habe. Ich meine, wir haben es ja auch schön und noch dazu so viel besser als ganz viele andere Menschen. Im Grunde hat sich auch nur wenig geändert, denn mein Büro ist zuhause und Lesungen waren für 2020/21 auch fast keine geplant. Das hatte hauptsächlich etwas mit der intensiven Arbeit am aktuellen Julia-Durant-Band zu tun. Aber unterm Strich war es eben doch auch für mich der pure Streß. Immer Sorge, immer die Alarmbereitschaft, dass die Schule anruft und ein positiv getestetes Kind abgeholt werden muß. Und dazu, ab und an mal so ganz heimlich, auch der Gedanke, was denn sein würde, wenn die Notlage um die Pandemie irgendwann so heftig wird, dass die Leute aufhören, Bücher zu lesen.

Meistens belächelt man das, wenn man in einer warmen Wohnung sitzt, das Auto in der Einfahrt, die Speisekammer voll und mit stabilem WLAN auf allen Geräten. Aber ich schweife ab. Kurzum: Corona hat vieles verändert und vieles ist dadurch schwieriger und anstrengender geworden. Aber das Schreiben – toi toi toi – das läuft bei mir, das ist ja nicht ganz unwichtig. Und die Freude an den kleinen Dingen, die lassen wir uns auch nicht nehmen und so richtig enthusiastisch werde ich beim Gedanken daran, dass der Frühling mir wieder die ersten Lesungen bringen wird. Wir machen also da weiter, wo wir vor zwei Jahren auf Pause gedrückt haben. Das ist hochspannend und ich freue mich riesig!

Unfassbar aber: Vor zehn Jahren haben Sie “Todesmelodie”, begonnen von Andreas Franz, beendet und veröffentlicht. Wie sehen Sie diese Jahre? Erwartungen übertroffen? Wie ist das Feedback im Durchschnitt von der “ursprünglichen”
Leserschaft. Gab es Bemerkungen bezüglich des unterschiedlichen Schreibstils?

Die Schreibstil-Frage ist sicher eine der ältesten und am meisten diskutierten Fragen. Das reicht von „gut kopiert“ bis „gut in den Stil reingefunden“ oder eben auch in ganz vernichtende Urteile. Fakt ist zuallererst: Schreiben kann man nur in einem Stil, nämlich in seinem eigenen. Wenn es da Parallelen gab oder gibt, dann hat der Verlag diese damals gesehen und ein Großteil der Leserinnen und Leser anscheinend auch. Ob es am Ende ein Lob ist, wenn jemand sagt: „Du hast genau denselben Stil“, darüber lässt sich streiten. Denn Andreas Franz hatte seinen und ich habe meinen. Was die Buchreihe meiner Meinung nach viel mehr ausmacht, das sind einmal die auf realen Fällen beruhenden Geschichten und dann natürlich die Hauptperson Julia Durant sowie ihr Team. Das bringt mich dann auch direkt zum Thema Erwartungen. Sicher wurden meine eigenen und auch die des Verlags weit übertroffen, als TODESMELODIE auf den Markt kam und praktisch durch die Decke ging. Das ist ein „Wow“, das mir heute noch Gänsehaut macht. Und auch wenn wir insgeheim gehofft hatten, dass die Leserinnen und Leser danach noch ein wenig Lust auf mehr haben, rechnete wohl niemand damit, wie lange die Treue der Fans und auch meine eigene Liebe zu diesem Team und das Ganze weiterträgt. Wie sehr ich Anteil am Leben dieser Julia Durant nehme und wie nahe sie mir steht. Das hätte mir damals mal jemand erzählen sollen…

Natürlich wurde ich im Laufe der Jahre selbstsicherer. Die Fans brachten DEN FÄNGER im Jahr 2016 auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Der Anruf erreichte mich am Jahrestag des Todes meines Vaters. Ein schwerer Verlust, der meine Familie bis heute prägt. Aber gleichzeitig prägen diese persönlichen Erfahrungen auch das Leben der Figuren in meinen
Büchern. Allein die Tatsache, dass mir nach 21 Bänden noch neue Dinge einfallen (und auch auffallen), das spornt mich an. Und dass die Leserschaft mich auf allerlei Kanälen immer wieder dazu ermutigt, doch bitte – am besten bis in alle Ewigkeit – weiterzuschreiben, das ist Balsam für die Seele, Öl im Feuer, und das erzeugt das Klappern auf der Tastatur.

Seitdem wurde fast jedes Jahr in der Durant UND in der Kaufmann/Angersbach-Reihe ein Buch veröffentlicht. Hätten Sie je gedacht, dass Sie so zügig Bücher veröffentlichen werden? Und das in einer schon bekannten wie auch beliebten Reihe bzw. Reihen?

Das ist zur Abwechslung mal ganz kurz zu beantworten: Nein und nochmals nein. Das hätte ich mir nicht mal im Traum ausgedacht!

“Strahlentod” stammt aus Ihrer eigenen Reihe, einem Spin-Off – oder war das von Andreas Franz auch vorgesehen?, und ist bisher der letzte Band. Vorerst. Sie erwähnten eine Deadline für einen Durant-Roman. Reden wir dann über “Todesruf” (VÖ: 1. August 2022) oder einen weiteren Teil? Ich muss gestehen, ich komme ob des Arbeitspensums ein wenig durcheinander. Können Sie zum Inhalt von “Todesruf” schon grob etwas sagen?

Eigentlich war das alles ja ganz anders. Aber das droht nun wieder so eine ausufernde Antwort zu werden. Ich versuche es mal kurz: Als Spin-off hatte das keiner geplant. Und wir sehen es auch gar nicht so. Damals habe ich nur bemerkt, dass diese neue – wenn auch noch von Andreas Franz vorgeformte – Figur der Sabine Kaufmann ein starkes Eigenleben
entwickelte. Und zwar mein Eigenleben, beziehungsweise das, was ich in meinem eigenen Krimi-Projekt für die Co-Heldin des Kommissars vorgesehen hatte. Als dann der Startschuß für meinen ersten Band GIFTSPUR fallen sollte, fehlte mir also meine Kommissarin. Und da man sich schlecht selbst kopieren kann (oder sollte), kamen wir auf die Idee, sie einfach mitzunehmen. Ein großer Gewinn auch für Julia Durant, wie ich schnell spürte, denn so konnte ich mich wieder mehr auf sie konzentrieren. Und Sabine Kaufmann ist ein perfekter Sidekick für den knorrigen Ralph Angersbach, denn das sollte die Kommissarin in meiner Reihe ja von Anfang an sein.

Ach so. Und zu TODESRUF, naja, da darf ich tatsächlich nicht viel mehr verraten, als das, was man im Internet dazu findet. Nach dem Ausflug ins München der 90er im aktuellen Band schließt der neue Fall wieder den Bogen in die Gegenwart. Es ist Frankfurt zur Weihnachtszeit – und zwar noch vor Corona. Vielleicht ist das etwas, was mir persönlich am Herzen liegt: Aktuell ist das Thema Pandemie noch in keinem meiner Bücher ein Thema und das genieße ich auch beim Schreiben sehr. Vermutlich wird das den meisten beim Lesen ähnlich gehen, denn wer flüchtet schon gerne aus so einem Alltag, nur um ihm dann im Buch direkt wiederzubegegnen? Klar, irgendwann werde ich mich damit auseinandersetzen
(müssen). Aber noch nicht jetzt.

Andreas Franz, Daniel Holbe - Todesruf (© Droemer Knaur)
Andreas Franz, Daniel Holbe – Todesruf (© Droemer Knaur)

Bisher war es so: Ein Roman beendet, den nächsten Band angefangen. Da “Todesruf” ansteht, nehme ich an, danach folgt ein Kaufmann/Angersbach-Band oder was hält Ihr Plan bereit? Vielleicht etwas ganz anderes?

Richtig. Der neue Ralph-Angersbach-Krimi steht für Ende des Jahres im Programm, aber weder Cover noch Titel sind derzeit spruchreif. Und ich genieße den Wechsel zwischen den beiden Reihen und einer ganz unterschiedlichen Atmosphäre wirklich sehr. Da ich diese eigene Reihe seit geraumer Zeit ja mit meinem Kollegen Ben Tomasson zusammen schreibe, der wiederum weitere eigene Reihen pflegt, ist das nochmal ein völlig anderes Arbeiten. Man könnte auch sagen, das hat alles nochmal einen ganz anderen Dreh bekommen und dadurch fühlt sich alles wieder so frisch an, als gäbe es erst ein oder zwei Bücher. Will sagen: Weder in der einen noch in der anderen Krimi-Reihe ist da ein Ende abzusehen und um das amtlich zu machen haben wir auch gerade Buchverträge abgeschlossen, die bis ins Jahr 2026 reichen. So lange mache ich mir tatsächlich auch nur sehr wenige Gedanken über andere Projekte, denn ich darf voller Glück von mir behauten, dass im Moment alles ganz genau so ist, wie es sein soll. Und wie sagt man so schön:
Never change a running system!

Von Andreas Franz gab es mal einen Durant-Band namens “Der Jäger”, von Ihnen “Die Jägerin”. Zufall? Gewollt? Gibt es einen Zusammenhang abgesehen vom Titel?

Zumindest war das der erste Gedanke. Ein namentlicher Zusammenhang – wundervoll! Und weil das nicht nur mir so ging, hat man sich im Verlag sehr, sehr viele Gedanken gemacht, ob das Ganze funktionieren kann oder nicht. Aber erstens liegt DER JÄGER schon viele Jahre zurück und zweitens ist DIE JUNGE JÄGERIN ja mehr ein Untertitel. Gemeinerweise gebe ich zu, dass ich ja zuerst an eine gewisse junge Kaiserin denken musste, aber das habe ich tatsächlich noch nirgendwo sonst gelesen :-D Alles richtig gemacht, wie es scheint, und außer der Titelheldin gibt es keinen weiteren Bezug zu diesem Buch.

Abgesehen von dem, was ich schon gefragt hab: Gibt es sonst noch Neuigkeiten, Pläne etc. die Sie schon mitteilen können/dürfen? Wie sieht es mit Live-Lesungen aus? Klappt das wieder? Weiß nicht, wie da (und ob) zwischen Bundesländern unterschieden wird.

Ich starte ab März durch in ein Jahr voller Veranstaltungen, auch ein paar neue Formate, denn die Veranstaltungsbranche dürstet ja genau so wie die Gäste darauf, wieder tolle Dinge auf die Beine zu stellen. Da ist von Open Air im Schloß bis zu Ortsteil-Lesungen in einer Gemeinde im Taunus vieles dabei, unter anderem eine Lesung in einer kleinen Kapelle (wo ich einst sogar getauft wurde) oder auch ein Lese-Abend in der Schule meines Sohnes. Bleibt also zu hoffen, dass das heuer alles wieder möglich sein kann, aber momentan stehen die Zeichen ja ganz gut.

Vielen Dank für das erneute Interview. Weiterhin alles Gute, viel Gesundheit. Bis zum nächsten Mal.

Danke ebenso! Es waren mal wieder gute Fragen, da antwortet man als Autor dann auch sehr, sehr gerne etwas ausführlicher drauf. Eigentlich muss ich mich also bedanken – auch bei allen, die bis hierhin durchgehalten haben ;-)

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Oliver Lippert
Oliver Lippert
Schreibe schon seit Mitte der 1990er und habe seit Oktober 2020 zwei Bücher ("Kaleidoskop - Abschnitt 1 -" und "Kaleidoskop - Abschnitt 2 -") veröffentlicht.

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