Hörzu Wissen Nr. 2 April/Mai 2020
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26. April 2020

Anfang des Jahres 2020 ist der neue Roman Totengericht von Daniel Holbe erschienen. Nach dem Lesen und einigem eingewöhnen in die neue Situation – Corona – habe ich wegen eines weiteren Interviews angefragt. Klar, es dreht sich vieles um die Angersbach/Kaufmann und die Durant-Reihe(n) aber ich habe auch versucht einige andere Fragen einzubringen. Neue Informationen zum 5. Angersbach/Kaufmann-Roman gibt es hier ebenfalls. Aber lest doch selbst.

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© Oliver Misof (www.fotodesign-misof.de) - Daniel Holbe

© Oliver Misof (www.fotodesign-misof.de) – Daniel Holbe

Das letzte Interview war, wenn ich mich recht erinnere, zu Sühnekreuz, ein Angersbach/Kaufmann-Roman. Jetzt ist mittlerweile ein Julia Durant-Werk (Der Panther) und erneut ein Angersbach/Kaufmann-Werk (Totengericht) veröffentlicht worden. Das sieht – zumindest auf die Erscheinungsdaten bezogen – nach einem halbjährigen Turnus aus. Wie lange benötigst Du in der Regel für einen Roman aus der jeweiligen Reihe? Unterscheiden sich diese in der Intensität bezogen auf der Recherchearbeit und ähnlichem?

Ja, stimmt. Angersbach und Durant kommen immer im Wechsel, das wird auch erstmal so bleiben. Der etwa halbjährige Abstand rührt hauptsächlich von der Programmplanung her, aber rein rechnerisch kann man durchaus auch sagen, dass ich ein halbes Jahr für ein Buch brauche. Da reden wir allerdings von der reinen Schreib- und Überarbeitungszeit. Recherche ist da immer schon lange vorher angesagt, mindestens ein Jahr bevor das erste Wort getippt wird. Hier ist auch der Hauptunterschied zwischen den beiden Reihen zu finden. Bei Julia Durant liegen ja reale Begebenheiten zugrunde. Da muss ich ganz anders recherchieren, bestimmte Orte besuchen und mich mit Gesprächspartnern treffen. Bei Ralph Angersbach läuft es eher so ab, dass eine – in meinen Augen tolle – Idee geboren wird und nach und nach eine Krimihandlung dafür gestrickt werden muss. Rechnerisch mag das am Ende genau so viel Arbeit sein. Aber aufgrund der realen Abgründe, die es bei den Durant-Fällen gibt, packt einen manches intensiver an.

In unserem letzten Interview zu Sühnekreuz hast Du erwähnt, dass Du Dich darauf freust, Sabine, die beim LKA ist, nun hessenweit einsetzen zu können. Ist es so gut gelaufen, wie erwartet für Dich als Autor?

In der Tat, sie ist jetzt freier. War es in Band 2, SCHWARZER MANN, noch so, dass ich ganz schön tricksen musste, um beide Kommissare außerhalb ihres Zuständigkeitsgebiets Bad Vilbel einzusetzen, war das in Band 4, TOTENGERICHT, quasi ein Klacks. Und was macht Sabine Kaufmann nun, wo sie hessenweit agieren darf? Genau: in Band 5, BLUTREIGEN, kehrt sie ausgerechnet zurück nach Bad Vilbel!

In dem damaligen Interview konntest Du noch nichts Großartiges über den 20. Durant-Band erzählen. Jetzt lese ich die Beschreibung und denk mir meinen Teil. Die Synopsis klingt irgendwie fies. Die Fälle allerdings auch. Wie war die Arbeit daran?

Das war der Hammer! Ich habe mich, neben dem Kriminalfall, ganz viel mit Julia Durant und ihrer Vergangenheit auseinandersetzen dürfen. Und zwar nicht nur der, die wir aus den Büchern kennen, sondern auch Dingen, die immer nur mal so angedeutet waren und die sicher bei ganz vielen Fans ein bestimmtes Bild hinterlassen haben. Das brodelte schon lange in mir (und meiner Ideen-Schublade) und durfte jetzt endlich mal an die Luft.

Auch war Der Panther, der 19. Band noch nicht entschienen. Vermutlich ist der 5. Band zu Angersbach/Kaufmann bald abzugeben – falls nicht schon geschehen – und der 21. Band von Durant mindestens in Arbeit. Gibt es dazu schon Infohäppchen? Große oder kleine Orte, Titel, Tatort, … oder auch „nur“ was Dich beeinflusst hat.

Zu Durant 21 gibt es aktuell noch gar nichts zu sagen. Normalerweise mache ich mir in diesem Stadium schon Gedanken um den Titel und der Verlag kümmert sich um erste Coverentwürfe. Aber es sind andere Zeiten momentan und da ticken auch diese Uhren anders. Klar ist nur eines: Der Fall an sich ist in meinem Kopf und will demnächst aufs Papier. Über den Rest unterhalten wir uns dann gern nächstens Mal ;-)
Über Angersbach 5 können (sollten!) wir aber unbedingt reden. BLUTREIGEN wird nämlich schon dieses Jahr erscheinen, nämlich am 30.12., das ist mal ein Test mit verändertem Erscheinungstermin. Ob das künftig so bleibt weiß ich noch nicht. Aber nachdem das Buch viel früher fertig war als erwartet, kam die größte Herausforderung erst vor wenigen Wochen: BLUTREIGEN spielt nämlich auf dem Hessentag, der heuer in Bad Vilbel stattfinden sollte. Kurz vor knapp hieß es dann, als die Absage kam, das ganze Konzept nochmal über den Haufen zu werfen. Hat dem Buch sicher nicht geschadet, aber war ein ziemlicher Eingriff ins Geschehen. Denn es wird für Ralph Angersbach und Sabine Kaufmann um ein paar üble Machenschaften gehen, deren Wurzeln an einer Stelle stecken, die keiner der beiden ahnen kann. Viel mehr als das, was auch auf dem Klappentext zu finden ist, mag ich da nicht verraten. Aber genau wie bei Durant Nummer 20 wird es Anleihen aus der persönlichen Vergangenheit geben. Und diese Arbeit hat mir auch hier ganz besonders viel Freude bereitet.

Auf der Facebook-Seite von Dir gibt es ja diverse Fotos. Und sie lassen darauf schließen, dass Du im Rock/Metal beheimatet bist. Welche Alben haben es Dir denn aktuell angetan

Ups. Erwischt. Tja, bis vor wenigen Tagen ging ich noch davon aus, dass ich im August wieder nach Wacken pilgern werde. Das ist mittlerweile hinfällig (und fühlt sich irgendwie auch vernünftiger an). Du da du nicht nach aktuellen Alben fragst, sondern nach Alben, die es aktuell bei mir sind, kann ich da drei Dinge nennen: Zu Ostern gönnte ich mir die LP (ja, Vinyl) „Hi Infidelity“ von REO Speedwagon. In jedem Fahrzeug und auf jedem mobilen Gerät habe ich Dauerzugriff auf AC/DC. Mangels neuem Album – auch hier fürchte ich eine massive Verzögerung durch die Corona-Krise – greife ich immer wieder gerne auf die allererste CD zurück, die ich mir 1990 von ihnen kaufte. „The Razors Edge“ (Anmerkung der Redaktion: Meine im übrigen ebenfalls). Da kommen eine Menge Erinnerungen hoch. Und zu guter Letzt gibt es ein neues altes Album von Rose Tattoo. „Outlaws“. Unmittelbar vor dem Lockdown war deren Live-Konzert in Frankfurt mein letztes kulturelles Highlight. (Und nebenbei hatte ich das große Glück, dem Sänger völlig unverhofft am Frühstücksbuffet zu begegnen).

Was hat es mit „Der nächste, bitte“ auf sich?

Das war ein Konzept, das mich sofort überzeugt hat! 15 Autoren organisieren sich für eine Art Fortsetzungsgeschichte. Die Aufgabe ist so simpel wie herausfordernd: Man muss aus dem, was der Vorgänger geliefert hat, was machen und die Story weiterspinnen. Als Bonus darf man dann noch drei Begriffe verarbeiten, die man ebenfalls vorgesetzt bekommt und irgendwie halbwegs einbauen muss. Worauf habe ich mich da nur eingelassen … nein, im Ernst: das Ganze macht schon jetzt einen Heidenspaß und ich stehe schon in den Startlöchern für meinen Part.
Save the Date: ich bin am 27.4. an der Reihe! Gegen 18 Uhr geht das Video online.

Wie gehst Du mit Corona beziehungsweise der ganzen Krise um? Fließt die Thematik vielleicht auch mal in einem Buch ein? Wäre sicherlich interessant, wie jemand in einem Lockdown ein Verbrechen vollzieht und wie die Polizei dann darin ermittelt. Gibt ja zahlreiche Ansätze. Je nach bundesweiten oder landesweiten Maßnahmen gäbe es ja mehr oder weniger Spuren (weniger beispielsweise, wenn das Verbrechen an einem Ort stattfindet, wo durch Schutzmaßnahmen im Lockdown Ganzkörperschutzanzüge getragen werden müssen; umgekehrt würde jeder auffliegen, der sich nicht daran gehalten hat).

Ich erwähnte ja bereits die Umbauarbeiten an Angersbach Teil 5. Das war glaube ich der größte Eingriff, wenn man das mal rein beruflich betrachtet. Denn auf den ersten Blick bin ich ja erprobter Home-Officer und das schon seit Jahren. Abgesehen davon, dass die Familie nun rund 24/7 im Haus ist, könnte man meinen, dass sich da für mich nicht viel geändert hat – stimmt aber nicht. Nach eineinhalb Monaten Lockdown hat sich da eine neue Realität eingespielt und auch wenn man nicht ständig am Newsticker hängt, ist die Krise nicht auszublenden. Das zehrt. An uns allen.
Und auch wenn ich noch nicht genau weiß, wie sich das Ganze dann konkret niederschlagen wird, eines ist sicher: Kaum eine der künftigen Geschichten wird von dieser Krise unberührt bleiben. Und die echte Mordkommission ermittelt auch in diesen Tagen. Das werde ich nur schwer übergehen können. Passendes Beispiel – wenn auch nicht direkt die Polizeiarbeit betreffend – ist in meinem kommenden Buch die Reiselust von Julia Durant. Einfach mal so auf die Kanaren. Das schrieb sich vergangenen November völlig unspektakulär, aber wird sich kommenden August schon sehr befremdlich lesen. Zu Julias Glück spielt das Buch im Herbst 2019. Aber was passiert danach?

Weitere Information und Anmerkung an Deine und meine Leserschaft gerne hier. Tipps für die ungewöhnliche Zeit, Lesedaten, … Bleib gesund und danke für das Interview.

Als nicht-systemrelevanter Kulturschaffender gibt es vermutlich nichts, was ich an Tipps geben könnte, die auch überall sonst gelten. Abstand, Hygiene, Geduld. Durchhalten. Und manchmal, wenn wir genervt sind, dass die Lieblingsnudeln gerade mal wieder vergriffen sind, eine Portion Demut, dass die Regale ringsum zum Bersten voll sind. Fast jede Region auf diesem Planeten ist schlimmer betroffen oder ist weniger gut aufgestellt als wir hier in Deutschland. Das mag eine individuelle, schwere Krise – und klar, die gibt es hier auch! – nicht ungeschehen machen. Aber im Großen und Ganzen glaube und hoffe ich, dass wir da gemeinsam irgendwie durchkommen.

Das Thema Veranstaltungen ist zurzeit ganz schnell abgehandelt, und zwar nicht nur wegen der Corona-Krise. Ich habe mir für den Rest des Jahres und 2021 eine Pause verordnet. Buchpremieren sind davon natürlich ausgeklammert, das wäre irgendwie blöd, sowas nicht zu machen. Neben der Premiere von DER FLÜSTERER, die direkt am Erscheinungstag am 20.8.20 in Frankfurt stattfinden wird, soll es die Premiere für BLUTREIGEN 2021 in Bad Vilbel geben. Und für den danach kommenden Durant-Krimi haben wir auch schon einen ganz besonderen Plan im Kopf. Über diese Termine hinaus bleibt es aber ruhig.

Ich wünsche Dir und Euch allen, dass Ihr gesund bleibt, gut durch die Krise kommt und danach wird das Leben wieder Fahrt aufnehmen und wir sehen uns alle wieder.
Bis dahin, Euer Daniel

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