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Das Underdog Fanzine #60 flatterte mir kürzlich ins Haus. Es ist meine erste Ausgabe und diese hat den Themenschwerpunkt Provokation – Die inszenierte Selbstdarstellung. Es ist, wie jede Ausgabe, eine mit Fokus. Nur wenige Fanzine-Basics wie Reviews, dafür eben viel zum jeweiligen Thema.

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© Underdog Fanzine #60

© Underdog Fanzine #60

Provokation war schon seit Anbeginn der „Punk-Zeit“ ein bewusst eingesetztes Stilmittel. Das oft auch zu unerwünschten Resultaten führte. Das zeigt auch die Recherche zur szeneninternen Verwendung von NS-Symbolik, pornografischen Grafiken, Anzüglichkeiten, verbale Ausrutscher, … Mit dabei sind Band wie Der KFC, Middle Class Fantasies, D.A.F., Sex Pistols, A+P, Blut + Eisen und einige mehr. Interviewt werden Der Blutharsch (Albin Julius), eine Peta-Streetteam-Koordinatorin. Außerdem werden die diversen Stilmittel beziehungsweise die Umsetzungen der Provokation beleuchtet.

Die szenenahen veranschaulichten Beispiele finde ich bei weitem am interessantesten. Warum? Weil es die Szene selbst betrifft. Slutwalks betrifft nicht alle, wenngleich es natürlich dazu zählt (zum Themenschwerpunkt) und auch durchaus interessant ist. Der Blutharsch ist ein Thema für sich. Einerseits gut geschrieben andererseits ist das Interview ohne wirklich klares Fazit über mehrere Seiten gezogen. Das wird leider sehr vorhersehbar mit den Reaktionen. Dafür können natürlich die Macher nichts.

Auch wenn Tierschutz und Tierrechte eine gute, wichtige Sache sind, hat man sich mit Peta vielleicht die populärste aber bei weitem nicht die beliebteste / geeigneteste Organisation geangelt. Ich habe davon schon vor Jahren Abstand genommen. Ich bereue meine positiven Worte damals allerdings nicht, würde diese heute allerdings vermeiden. Wenngleich nicht um des Vermeidens willen.

Und nein, ich weiß nicht, welche Alternative ich gewählt hätte. Und andererseits, selbst ein Underdog möchte ja auch gelesen werden. Die Mühe ist einfach viel zu groß als dass es nicht irgendwann in den Finger jucken würde was die Bekanntheit angeht. Und sei es nur szeneintern.

Außerdem ist mein Eindruck, dass nicht zu sehr auf die Finger geklopft werden möchte – gerade bei Peta. Beim Blutharsch-Interview kamen aufgrund der Fragen harsch-genervte Antworten zurück. Entweder weil unbequem oder generell nicht das favorisierte Thema. Gerade der Holocaust-Vergleich geht gar nicht. Alternativen werden auch nicht geschildert. Tiere freilassen, Zoos abschaffen et cetera gut und schön, doch wohin? Lieber von Menschen abknallen lassen? Denn genau das wird passiert. Die Reihenfolge ist meines Erachtens falsch. Erst die Gesetze überall etablieren, dann Tiere befreien. Tatsächlich finde ich beispielsweise schon, das Zoos eine Artenschutzfunktion haben. Gerade auch, weil eben an vielen Orten keine entsprechenden Gesetze etabliert sind und das Bewusstsein gar nicht dafür da ist. Dafür aber wohl die Nachfrage nach solchen Produkten.

Die musikalische Beleuchtung gefällt mir hier, weil sie ausgewogen ist. Das Peta empfand ich eher als pro-Peta, im Sinne von nicht zu sehr provozieren. An anderen Stellen ist im Schreibstil weniger glimpflich damit umgegangen worden und dennoch war ein objektiver Eindruck vorhanden. Fühlte sich ausgewogener für mich an. Aber wie alles, ist auch das nur subjektiv. Ich kann und möchte beispielsweise auch nicht auschließen, das mein Bias – oder mehrere – mich so empfinden lässt bezüglich Peta. Daher zwar 4 Sterne von 5, aber mit einer positiven Tendenz. Tolles Heft und auch die anderen Ausgaben klingen verdammt interessant.

Das Heft bekommt ihr auf der Underdog-Website für 2,50 + musikalische Abrundung in Form einer CD-Beilage.

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