Wolfmother – 23.04.2016 – Schlachthof, Wiesbaden

Bosse – 29.04.2016 – Jovel, Münster
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Single Review: Lord of the Lost – The Love of God
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Wolfmother machten es den Fans in der Vergangenheit ja nicht immer leicht. Nach dem 2005 veröffentlichten und sehr erfolgreichen Debütalbum passierte erstmal lange nichts. Streitigkeiten und Besetzungswechsel bis hin zur Bandauflösung ließen auch die optimistischsten Fans daran zweifeln, dass diese Band eine große Zukunft hat. Dabei überschlugen sich Kritiker und Musikliebhaber bereits nach Erscheinen des Debüts. Und das, obwohl die Band um Frontmann Andrew Stockdale genau genommen nicht vieles anders macht als Led Zeppelin in den Siebzigern. Allerdings reiten die Australier nicht nur stumpf die Retro-Welle, sondern produzieren einen frischeren Sound, der sowohl in kleinen Klubs, als auch auf den Hauptbühnen großer Festivals funktioniert. Das im Februar erschienene Album „Victorious“ wird die Band mit Sicherheit auch wieder genau dort hinbringen – auch in Deutschland, wo Fans seit sechs Jahren auf etwas warten, was man „Tour“ nennen kann.

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Electric_Citizen_Wiesbaden_003Die Show im Schlachthof Wiesbaden war daher auch ausverkauft und das Publikum bunt gemischt. Vom Altrocker über Biker und Metal-Fan bis hin zum jugendlichen Retro-Rock-Fan drängte das Publikum schon zur Vorband Electric Citizen in die Halle.
Die Band um Frontfrau Laura Dolan konnte auf ganzer Linie überzeugen. Noch mehr retro als die Hauptband bot das Quintett eine energiegeladene Vorstellung. Dabei fiel besonders Dolan mit extrovertierter Performance auf, indem sie die gesamte Klaviatur vom Kontakt zum Publikum, über tanzen bis hin zum Headbangen spielte. Auch musikalisch wusste die Band aus Cincinnati zu gefallen und man darf auf das kommende neue Album „Higher Times“ gespannt sein, welches schon exklusiv und signiert am Merch-Stand zu erwerben war.

Wem das noch nicht zur Einstimmung reichte, der erfreute sich in der Umbaupause an Deep Purple vom Band, bevor pünktlich um 21 Uhr das Intro von Wolfmother_Wiesbaden_004„Victorious“ erklang und die Hauptband unter großem Jubel auf die Bühne sprang. Sofort drückte das Trio voll auf das Gas und sollte erst über eine Stunde später eine kleine Verschnaufpause einlegen. Vor einem überdimensionierten Wolf im Hintergrund wirkten die drei Musiker von Zeit zu Zeit etwas verloren auf der großen und ansonsten leeren Bühne – das Schlagzeug von Alex Carapetis war weit hinten positioniert, das Keyboard stand weit rechts und Stockdales Mikrofon weit links. Das ließ viel freien Raum in der Bühnenmitte. Während der Frontmann überwiegend an das Mikro gebunden war und dadurch einen recht kleinen Bewegungsradius hatte, wusste Bassist und Keyboarder Ian Perres den freien Raum zu nutzen. Mit sehenswerten Tanz- und Sprungeinlagen machte er vor, was das Publikum nachmachte. Selbst als Peres die Tasten bediente, zappelte und sprang er herum wie ein Derwisch. Wenigstens ein Mal stand er sogar mit beiden Füßen auf dem Instrument. Das Publikum ließ sich von der Energie anstecken. Vor der Bühne bildete sich nämlich mit zunehmender Laufzeit des Konzertes ein immer größerer Moshpit, in dem gesprungen und auf dem gesurft wurde.

Musikalisch war das Konzert eine astreine Reise durch die Geschichte der Band mit klaren Schwerpunkten auf dem Debütalbum „Wolfmother“ (u.a. Wolfmother_Wiesbaden_013„Woman“, „Dimension“ und „Colossal“) und „Victorius“ (u.a. „Gypsy Caravan“, „The Love That You Give“ sowie dem Titelsong). Aber auch ein paar Songs von „Cosmic Egg“ wurden gespielt: „New Moon Rising“ bzw. „White Feather“ und „California Queen“ als Doppelpack. Wobei der Auftritt insgesamt nicht sonderlich viele Unterbrechungen für Ansagen oder Interaktionen mit dem Publikum hatte. Die eine oder andere – zumeist gesungene – Liebesbekundung hier und dort, ansonsten blieb Stockdale eher wortkarg und der Fuß auf dem Gas. Kritisch könnte man dazu anmerken, dass es den Eindruck machte, als hätten es Wolfmother eilig, denn tatsächlich war der reguläre Set nach etwas über einer Stunde vorüber, andererseits war die Meute offensichtlich zum Feiern und nicht zum Quatschen gekommen. Also alles richtig gemacht.

Zwei Rausschmeißer gab es mit den Klassikern „Vagabond“ und „Joker And The Thief“ aber auch noch. Spätestens beim letzten Song rastete das Publikum geschlossen aus. Bis in die letzte Reihe sprang und hüpfte wirklich die ganze Halle. Gut so – eine amtliche Wiedersehensfeier mit alten Freunden.

Letzte Gelegenheiten für deutsche Fans, die Australier nochmal zu erleben (wer weiß, wann sie mal wieder kommen): Am 1. Mai Hamburg, 2. Mai Berlin, 10. Mai München – sowie auf dem Taubertal Festival und dem Highfield im August.

Die Fotos vom Konzert gibt es hier.

Setlist:
Victorious
New Moon Rising
Woman
Apple Tree
The Love That You Give
White Unicorn
White Feather
California Queen
How Many Times
Gypsy Caravan
Dimension
The Simple Life
City Lights
Pretty Peggy
Pyramid
Colossal

Zugabe:
Vagabond
Joker & the Thief

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