Wacken Open Air 2013 – Tag 2 – Freitag, 02.08.2013

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Wacken 2013 – 02.08.2013 – Gluthitze, Silberstaub und heulende Wölfe

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Der Freitag ist da und mit ihm Temperaturen, die das Festival zu einer kleinen Herausforderung machen. 33 Grad zeigt das Thermometer schon Mittags an. Irgendwie seltsam, denn in vielen Köpfen ist Wacken mit einer gehörigen Portion Schlamm verbunden, die erwachsene Metalheads zu kleinen, fröhlichen Kindern werden lässt. So suchen die Zuschauer jeden möglichen Schattenplatz und nutzen diese ebenso wie regelmäßige Wasserduschen durch die Securities.

Auch musikalisch geht es schon zur frühen Festivalstunde direkt hoch her. Zeitgleich eröffnen Russkaja (Partystage), Benighted (W.E.T. Stage), Harpyie (Wackinger Stage) und Neaera (Black Stage) den Festivaltag. Somit ist das Angebot mehr als abwechslungsreich und das Gelände trotz früher Uhrzeit schon gut gefüllt. Erstaunlich viele haben es schon geschafft, aus den Zelten zu krabbeln und mit der nächsten Runde zu beginnen. Während Tristania im Anschluss die True Metal Stage entern, wird es im Zelt Zeit für eine Portion Silberstaub. Stahlmann feiern Debüt auf dem Wacken Open Air und dürfen sich an einen randlos gefüllten Zuschauerraum erfreuen. Die Jungs selbst sind bei bester Laune und heizen den Zuschauern mit Titeln wie „Stahlmann“, „Süchtig“, „Schwarz“ und „Spring nicht“ ordentlich ein. Die Menge vor der W.E.T. Stage ist begeistert, springt, singt und tanzt mit den Musikern. Klasse!

In der härtesten Mittagshitze übernehmen Gojira die True Metal Stage. Synchron gehört die Partystage Eisbrecher. Auch die Formation rund um Alex Wesselsky entpuppen sich als Publikumsmagnet. Das Feld vor der Bühne ist dicht gefüllt und die Stimmung großartig. Auf anderen Festivals mag das kein seltenes Bild sein, im Kreise der Metalheads ist diese Zuschauermasse allerdings besonders begeisternd. Die Musiker bestechen mit Ausstrahlung und Spielspaß. Vor allem Alex und seine Art und Weise mit dem Publikum zu interagieren sind ein Highlight für sich. Er ist einfach eine Rampensau und das ist für den Unterhaltungsfaktor auch gut so.

Ein Highlight jagt das Nächste. Powerwolf entern die True Metal Stage und beginnen gemeinsam mit dem gut gefüllten Infield Publikum ihre Metal Messe zu zelebrieren. Die frisch gebackenen Chartsanführer – „Preachers Of The Night“ stieg am Montag auf Platz 1 in die deutschen Media Control Charts ein – gehen direkt in die Vollen. Attila Dorn (Gesang), Charles Greywolf (Bass), Falk Maria Schlegel (Orgel), Roel van Helden (Schlagzeug) und Matthew Greywolf (Gitarre) bauen direkt eine starke Verbindung zum begeisterten Publikum auf. Bühnenpräsenz und Spielfreude gewürzt mit einer ordentlichen Portion Show machen den Auftritt zu einem Erlebnis, das nicht nur alte Fans mitreißt, sondern auch schnell neue Anhänger packt. Laute „Powerwolf“ Chöre überbrücken die Songpausen und stacheln die Band immer weiter an. Mit ihrer Show machen sie Hunger auf mehr und schüren Vorfreude auf die Tournee im Herbst.

Bei Ihsahn ist es anschließend vor der Black Stage erstaunlich leer. An der Partystage feiern Ugly Kid Joe synchron mit dem gut gelaunten Publikum weiter. Mit viel Bewegung stacheln sich Band und Publikum gegenseitig an und sorgen so für gute Laune. Vor allem Sänger Whitfield Crane begeistert mit der Bandbreite seines Gesangs. Von klarem Gesang über Growls und Shouts bis hin zu Rapparts scheinen keine Grenzen gesetzt, was die Mischung aus Hardrock, Funk, Trash und Rap gut komplettierte. Solieinlagen der Musiker sorgen für Begeisterungsspitzen und unterstreichen zudem die technischen Qualitäten der Band. Ein Highlight des Auftritts beschert nicht zuletzt Phil Campbell (Motörhead), der die Jungs bei „Ace Of Spades“ an der Gitarre unterstützt.

Der Gang ins Wackinger Village ist nicht nur für das leibliche Wohl immer wieder seinen Weg wert. Die Konzerte auf der Open Air Bühne sorgen durchgängig für gute Stimmung und auch die Spielpausen werden effektiv genutzt. Am Nachmittag sind es zum Beispiel Feuerschwanz, die ihre Späße mit den Festivalbesuchern treiben. Zwei Teams kämpfen sich angefeuert von den Umstehenden durch diverse Aufgaben. Der Spaßfaktor ist dabei eindeutig ebenso hoch wie beim Wickinger Tauziehen.

Auf den Hauptbühnen geht es weiter mit den Pretty Maids (True Metal Stage) und schließlich Agnostic Frost auf der Black Stage. Die Hardcore Formation ist genau das, was das Publikum gerade braucht, um wieder richtig Gas zu geben. Trotz nicht sinken wollender Temperaturen wird gesprungen und gepogt was das Zeug hält. Klar, dass das auch auf Zustimmung der Band trifft, die selbst eine energiegeladene Show hinlegen. Genau so muss das sein! Sabaton bauen die gute Stimmung im Anschluss weiter aus. Die extrem Fan bezogene Band kommuniziert viel mit dem Publikum und erntet damit nicht nur für ihre musikalische Leistung, sondern auch für ihren Umgangston und ihre Art und Weise große Zustimmung. Das Publikum singt textsicher mit, pogt, headbangt und feiert was das Zeug hält. Auch an Stagedivern wird nicht gespart – einmal mehr Hut ab vor der Security in diesem Fall. Sabaton selbst unterstreichen ihre Show mit dem gewissen feurigen Etwas und jagen immer wieder Feuersäulen am Bühnenrand hoch, die dank des Sonnenuntergangs besonders gut zur Geltung kommen. Einziger Wermutstropfen ist zumindest für Van Canto Fans „Primo Victoria“. Obwohl die Formation vor Ort ist, performen die Jungs aus Schweden allein. Schade, denn so fehlt dem Titel einiges an Tiefe. Das Publikum ist trotzdem restlos begeistert!

Ein Highlight noch vor den Headlinern bieten schließlich Corvus Corax auf der Partystage. Trotz Spielzeitkonkurrenz zu Motörhead ist es vor der Bühne brechend voll. Die Könige der Spielleute haben schließlich einen nicht zu verachtenden Ruf, vor allem was ihre Auftritte auf Wacken angeht. In diesem Jahr haben sie die Trommlergruppe Wadokyo im Gepäck, mit der sie bereits seit 2012 immer wieder auftreten. Castus, Wim & Co. zeigen sich bei bester Laune und betreiben wie gewohnt viel Interaktion mit dem Publikum. Dabei gehören Laola Wellen ebenso dazu wie eine spontane Altdänisch Stunde. Mehrere Circle Pits verteilen sich auf den Zuschauerraum, der generell aus einer zufrieden tanzenden Masse besteht. Die Taiko Trommler unterstreichen nicht nur klanglich die Soundgewalt der Formation, sondern stechen auch selbst durch ihre Energie heraus. Doch damit nicht genug! Es ist Zeit für eine Weltpremiere. Eine Metalband haben sie bisher noch nie gecovert, doch für alles gibt es ein erstes Mal. Passend zu ihrer Tournee durch die Nordlande soll es auch direkt das Stück ganz besonderer Wiking Meister sein. „Twilight Of A Thunder God“ von Amon Amarth kleidet sich unglaublich gut in sein von Corvus Corax geschaffenes Gewand. Die Zuschauer sind begeistert!

Wer nach den Headlinern Motörhead und Doro noch nicht genug hat, kommt auch zu später Stunde auf den Hauptbühnen ganz auf seine Kosten. ASP gehört nach einem großartigen Auftritt von Doro die Black Stage. Es ist Release Tag seines neuen Albums „Maskenhaft“ und damit gleich doppelter Grund zur Freude. Zum ersten Mal dürfen sich die Fans über die Liveversionen der neuen Stücke freuen, müssen dabei aber auf keinen Klassiker verzichten. So finden sie „Die Löcher in der Menge“, erleben die Geschichte des Preußler Klassikers „Krabat“ („Rabenfeder“) und tanzen gemeinsam mit ihm durch den Schnee („Und wir tanzten“). ASP selbst scherzt dabei fröhlich mit den schönen Menschen, wie er sein Publikum nennt. Er kann sich Seitenhiebe in Richtung des ZDFs, das seinen Auftritt ausstrahlt, nicht verkneifen und zeigt sich auch sonst nicht nur bei bester Laune, sondern auch bester Stimme. Schade nur, dass die Leinwände zu oft kein scharfes Bild übertragen und so den Großteil der Zuschauermenge des riesigen Feldes visuell nicht erreichen. Zumindest die Pyroshow, bestehend aus Flammensäulen, Feuerwerk und Funkenregen, sorgten auch bis in die letzten Reihen für optische Highlights. Dafür kommt der direkte Kontakt zum Publikum nicht zu kurz. Vor allem mit Nachsingspielchen fordert er die Zuschauer so richtig. „Verdammte Scheiße, war das geil!“, kommentiert er schließlich mehr als zufrieden den stimmgewaltigen Chor. Ein wirklich gelungener Auftritt!

Den Abschluss des Tages machen Grave Digger. Trotz später Stunde – es ist inzwischen fast 2 Uhr morgens – tummelt sich eine beachtliche Menge Menschen vor der True Metal Stage. Mit viel Energie fegen die Musiker über die Bühne und holen dabei nochmal letzte Kraftreserven aus dem Publikum. Es wird getanzt, gefeiert, gepogt und gesprungen. Mit Gastauftritten des BadPipers, der Musiker von Van Canto und Sabaton Sänger Joakim Brodén setzen sie zusätzliche Highlights und schaffen damit ein Gänsehaut erregendes Klangbild. Einen besseren Abschluss hätte es für diesen Tag nicht geben können!

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