Transatlantic – 06.03.2014 – Substage, Karlsruhe

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Die Prog-Rock-Allstars Neal Morse (Ex-Spock`s Beard), Mike Portnoy (Ex-Dream Theater und The Winery Dogs), Roine Stolt (Flower Kings) und Pete Trewavas (Marillion) hatten am 6. März 2014 zu einem Abend mit Transatlantic ins Substage in Karlsruhe geladen. Das versprach einen langen Abend mit vier exzellenten Musikern und einer riesengroßen Portion feinstem Prog-Rock. Es war der erste von nur vier Deutschland-Terminen.

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2010 waren Transatlantic das letzte Mal auf einer deutschen Bühne zu sehen. Karlsruhe beehrten sie gar im November 2001 – auf ihrer allerersten Tour – zuletzt. Die Vorfreude und die Erwartungen waren also mindestens so lang wie die Schlange, die sich schon weit vor dem Einlass am Substage gebildet hatte. Als kurz nach 20 Uhr die ersten Klänge des Intros – eine orchestrale Version von „The Whirlwind“ – ertönten, war die Halle rappelvoll. Mit den letzten Takten der Ouvertüre erlosch das Hallenlicht und die Band betrat – unter tosendem Applaus – die Bühne. Den Anfang machte das erste Stück vom kürzlich erschienenen Album („Kaleidoscope“) – das 25 Minuten lange „Into the Blue“. Ein Song, der mit allem punkten kann, was Transatlantic ausmacht – mächtige Gitarren-Riffs, ausgeklügelte Keyboard-Harmonien, feine Bass-Läufe, alles angetriebenen von Mike Portnoys Schlagzeugspiel und begleitet vom gefühlvollen Gesang eines Neal Morse. Dass jedes Mitglied dieser Band ein hochgradig kreativer und handwerklich exzellenter Musiker ist, braucht hier nicht extra erwähnt zu werden. Schon bei diesem ersten Song konnte man jedem der vier Musiker ansehen, mit wie viel Spaß er an dieses Projekt herangeht. Portnoy heizte in seiner typischen Art Publikum, Band und letztlich auch sich selbst an, während Roine Stolt zuverlässig eine Gitarrenhelden-Pose nach der anderen lieferte und Morse über die gesamte Länge das Auftrittes breit grinste. Als Gastmusiker ist dieses Mal Ted Leonard dabei. Er ist seit drei Jahren festes Mitglied bei Spock’s Beard und bedient auf dieser Reise die Rhythmus-Gitarre. Außerdem steuert er Background-Gesang bei.

Mit „My New World“ („SMPTe“, 2000) knüpften Transatlantic an ihren letzten Auftritt in Karlsruhe an. Auch am 18. November 2001 stand dieses Stück an zweiter Stelle der Setlist. Dass der Song frenetisch gefeiert und mitgesungen wurde, durfte man wohl als Zeichen dafür deuten, dass Karlsruhe das lange Fernbleiben schon jetzt längst verziehen hatte.

Nach einem weiteren Song („Shine“) von aktuellen Werk folgte ein Medley vom 2009er Album „The Whirlwind“. Eingeleitet von der „Overture“ wurden „Rose Colored Glasses“, „Evermore“, „Is It Really Happening?“ und „Dancing With Eternal Glory“ geschickt mit einander verknüpft und mit der „Reprise“ beendet. Wer braucht eigentlich Radio-kompatible Titellängen von drei bis vier Minuten, wenn man sich auch 20 Minuten (und mehr) Zeit nehmen kann um eine musikalische Geschichte zu erzählen?

Neal Morse verließ anschließend den Platz hinter seinen Keyboards, hängte sich seine Akustik-Gitarre um und lieferte sich mit Roine Stolt ein beeindruckendes „Gitarren-Duell“. Derweil gönnten sich die anderen Drei eine kleine und wohlverdiente Pause. Eben diese Akustik-Gitarre war es dann auch, die eine weitere Reise in die Vergangenheit einleitete. Die Prog-Ballade „We All Need Some Light“ stand 2001 ebenfalls auf der Setlist in Karlsruhe. 2014 beschert sie einen kleinen Gänsehaut-Moment: Morse brauchte die ersten Textzeilen gar nicht selber singen. Das übernahm das äußerst fachkundige Publikum im Substage komplett selbst.

Nachdem mit „Black as the Sky“ wieder ordentlich auf das Gaspedal gedrückt wurde und bereits zwei Stunden gespielt waren, legte Portnoy das Schicksal der Show in die Hand einer Zuschauerin aus der ersten Reihe. Er fragte sie, ob sie sich noch im Stande sähe einen weiteren rund 30 Minuten langen Song zu ertragen. Entweder sie verstand die Frage – aufgrund der Sprachbarriere – nicht oder es reichte ihr wirklich. Um ein Haar hätte sie den Anwesenden das phänomenale „Kaleidoscope“ vorenthalten. Da ihr Zögern aber nieder gebuht wurde, war die Entscheidung klar und Tranatlantic legten mit dem Titeltrack des aktuellen Albums und dem letzten Song des regulären Sets los. Darin war noch ein kleines „Easter Egg“ eingebaut. Bei der sich öfter wiederholenden Textzeile „Ride the Lighting“ war einmal auf der Videowand im Hintergrund der Bühne das Cover eben jenes Metallica-Albums zu sehen und die Band spielte ein paar Takte dieses Songs an. Ein Scherz, dessen Urheberschaft man sehr wahrscheinlich Portnoy zu schreiben kann. Nach 2,5 Stunden verließ die Band erstmal die Bühne.

Den Rufen nach einer Zugabe konnte sie aber glücklicherweise nicht lange Stand halten. So gab es mit „Full Moon Rising“ und „October Winds“ zwei Abschnitte aus „ All of the Above“ vom Debütalbum sowie mit „Slide“ und „Stranger in Your Soul“ aus zwei Stücke aus „Stranger in Your Soul“ („Bridge Across Forever“ , 2001) zu hören. Nach drei (!!) Stunden war dann endgültig Schluss und Karlsruhe verabschiedete die Helden des Abends mit minutenlangem Applaus – ganz sicher in der Hoffnung, dass ein Wiedersehen nicht wieder 13 Jahre dauert.

Die Fotos von der Show gibt es hier.

Setlist:
Into the Blue
My New World
Shine

Whirlwind Medley
Overture
Rose Colored Glasses
Evermore
Is It Really Happening?
Dancing With Eternal Glory
Reprise

Gitarren-Duett (Morse and Stolt)
We All Need Some Light
Black as the Sky
Kaleidoscope

Zugabe:
All of the Above (Full Moon Rising/October Winds)
Stranger In Your Soul (Slide/Stranger In Your Soul)

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