Tim Vantol – 07.10.2017 – Club Bahnhof Ehrenfeld, Köln

Tim Vantol live als Support von Royal Republic im Palladium Köln. Foto: Steffie Wunderl

Singer-/Songwriter gibt es zuhauf. Die einen faszinieren leise und bedächtig, andere überzeugen durch tanzbaren Folk und humorvolle Anekdoten. Zur letzteren Gruppe gehört der Niederländer Tim Vantol mit seiner Band zweifellos. Auf dem einen oder anderen Festival konnte Tim Vantol solo oder mit Bandbesetzung sich schon einen Namen erspielen und mit seiner humorvollen Art Fans gewinnen. Nun ist die Combo auf Headliner-Tour und macht auch in der Domstadt Halt. Sie machen Station beim Club Bahnhof Ehrenfeld. Die außergewöhnliche Location liegt direkt unter dem Ehrenfelder S-Bahnhof und hat sich in mittlerweile drei der Bahnhofsbögen niedergelassen. Doch bevor Vantol und seine Kollegen neue Songs aus dem Album „Burning Desires“ (VÖ: 04/2017) darbieten, gehört zunächst dem Support Tobey Trueblood mit seiner Band die Bühne. Tobey Trueblood stammt selbst aus Köln und ist in dem Raum der Stadt am Rhein kein Unbekannter. Neben eigenen Gigs wird er gern auch wie in diesem Fall als Support eingesetzt. So spielte er unter anderem auch im Vorprogramm bei Torpus and the Art Directors. An diesem Abend bekommt das Kölner Publikum auch deutschsprachige Songs zu hören, die auf dem kommenden dritten Album enthalten sein werden. Die vorherigen sind noch mit englischen Texten aufgenommen worden. Das klingt manchmal etwas fremd, der generelle Mix aus Singer-/Songwriter, Folk und Rock gefällt dem Publikum sehr gut und so empfiehlt sich das Quartett eindrucksvoll auch mal ein komplettes Konzert von Tobey Trueblood zu besuchen.

Doch das alles lässt sich noch steigern. Mit Beginn des Gigs von Tim Vantol kocht die Location. Vantol und seine Band sind extrem gut eingespielt, alle Gags und Seitenhiebe untereinander zünden und alle Bandmitglieder verbreiten ansteckende Spielfreude. Der Sound ist ansprechend, die Lichtshow eher dezent aber für die Größe der Location genügt diese völlig. Vantol selbst gibt sich sehr redseelig, appeliert an die Konzertbesucher sich von dem Erfolg der AFD nicht Angst und Bange machen zu lassen. Dabei betont er, dass der Großteil für ein offenes Zusammenleben sei und das sich dafür aber auch eingesetzt werden müsse.

Musikalisch weiß Vantol aber auch zu glänzen. Er schafft gekonnt das Tempo rauszunehmen oder zu steigern, Längen entstehen auf dem gesamten Konzert dadurch nicht. Doch auch das Publikum verhält sich besonders erfreulich an diesem Abend. Es scheint sich blind mit der Band zu verstehen, singt Texte unaufgefordert und lauthals mit. Selbst Vantol und seine Männer scheinen überrascht und überwältigt von der Nähe und Hingabe, die die Fans ihnen entgegenbringen. Aber auch in der Zuschauermenge untereinander, haken sich Leute ein, schunkeln miteinander oder feiern einfach den Moment. Für die Zugabe begibt sich Tim Vantol solo ins Publikum und covert mit allen zusammen „Wonderful World“ von Louis Armstrong. Da ist keine Show, da ist nichts Pompöses, sondern Authentizität, Wärme und Nähe zu den Fans. Und all diese einzelnen Faktoren machen dieses Konzert zu einem Erlebnis. Zu dieser Zeit und an diesem Ort passt einfach alles, dass selbst ein erfahrener Konzertgänger wie der Autor nicht nur rundherum zufrieden ist, sondern jetzt auch für künftige Konzerte die Messlatte deutlich höher liegt.

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