The Aristocrats – 11.03.2014 – Das Haus, Ludwigshafen

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20. März 2014
Smash Into Pieces – Support Amaranthe – 19.03.2014 – Underground, Köln
21. März 2014

The Aristocrats – das sind Gitarrist Guthrie Govan, Bassist Bryan Beller und Schlagzeuger Marco Minnemann – statteten dem Kulturzentrum „dasHaus“ (Ludwigshafen am Rhein) am 11. März einen Besuch ab. Im Gepäck hatten sie ihr aktuelles Album „Culture Clash“, eine formidable Vorband namens Godsticks, quietschenden Gummitiere sowie jede Menge Witz und Spielfreude.

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Für Fans des progressiven Rock sind Govan und Minnemann spätestens seit Steven Wilsons Solo-Tour durch Europa keine Unbekannten mehr. Aber auch Beller dürfte eingefleischten Proggies ein Begriff sein. Als Trio erweitern die Virtuosen ihre musikalische Bandbreite allerdings um Jazz, Fusion und vieles mehr. Die musikalischen Anleihen aus diversen Genres macht es nahezu unmöglich, diese Band irgendwo einzuordnen. Dementsprechend gemischt war auch das Publikum im bestuhlten Saal – vom jugendlichen Musik-Nerd, über Fans des 80er Jahre Prog, bis hin zu Alt-Hippies und Jazz-Opas war alles vertreten. Bevor allerdings The Aristocrats die Bühne betraten, gehörte sie 45 Minuten lang der walisischen Band Godsticks.

Als die fünf jungen Musiker schüchtern die Bühne betraten, wirkten sie ein wenig wie eine Schulband. Schon nach den ersten paar Takten belegten sie allerdings eindrücklich, dass es sich schon um eine erstklassige Musikschule handeln müsse und dies hier ein Konzert der Meisterklasse war. Godsticks spielen eindeutig Progressive Rock. Sie lassen sich aber ansonsten ebenfalls nicht einordnen. Es fehlen die passenden Vergleiche. Möglicherweise haben sie ihre kleine Nische gefunden. Der stets präsente, aber wenig aufdringliche Gesang von Frontmann Darran Charles erinnert ein wenig an Chris Cornell und wird begleitet von Avant-Prog, Jazz-Fusion, grungigem Rock und einer Prise Progressive Metal. Die Songs sind – für Progressive-Verhältnisse – relativ kurz und bieten trotzdem interessante Strukturen, Tempo- und Taktwechsel. Dabei sind die Stücke trotzdem recht eingängig. Das wird möglicherweise dazu führen, dass diese Band bald ein größeres Hörerspektrum erreicht. Es lohnt sich, die Godsticks im Auge zu behalten und sich das aktuelle Album „The Envisage Conundrum“ zu Gemüte zu führen.

Gegen 21 Uhr erklangen die ersten Takte von „Furtive Jack“ – Govan, Minnemann und Beller hatten ihre Plätze auf der Bühne eingenommen. Es folgte Bryan Bellers „song about tits”, Sweaty Knockers (beide vom 2011er Debüt). Beller übernahm danach die Rolle des Gastgebers. Er begrüßte den vollen Saal, stellte die Band vor und erklärte den Fahrplan für den Abend. Ein Album der Aristocrats besteht immer aus neun Songs – jeweils drei von jedem Musiker. In der Setlist des Abends würde sich einem Song von Govan, einer aus seiner Feder anschließen, gefolgt von einem Minnemann-Stück. Damit übergab er an Minnemann, der sich freute endlich mal wieder Deutsch sprechen zu können, was den Vorteil habe, dass die anderen beiden kein Wort verstehen würden. „Ohhhh Noooo“ sei inspiriert durch einen Gefühlsausbruch, den Govan (mit bester britischer Erziehung und in perfektem Oxford-Englisch) hervorbrachte, als sein Gitarren-Verstärker beim Aufbau Opfer der Schwerkraft wurde. Ähnlich merkwürdig klangen alle Inspirations-Geschichten, die jeweils vor den Songs erzählt wurden.

Die Musik der Aristocrats zu beschreiben ist unmöglich. Man würde den Stücken nicht gerecht werden – zu vielseitig sind die Anleihen. Dass sie auf der Bühne von drei Weltklasse-Musikern gespielt wurden, die sichtlich viel Freude an diesem Projekt hatten, war nicht zu übersehen. Die gemeinsame Tour dauerte nun schon einige Wochen und trotzdem wirkte nichts einstudiert oder abgesprochen. Man konnte den Eindruck gewinnen, alles sei freie Improvisation. Die Drei hielten fast durchgängig Blickkontakt, agierten so als Einheit und hatten trotzdem noch Raum für jede Menge Witz und Individualismus. Minnemann nutze neben seinem Schlagzeug auch Mikroständer, den Bühnenboden und sowieso alles was zu finden war, um darauf zu trommeln. Govan pfefferte in seiner typisch introvertierten Art ein verrücktes Riff nach dem anderen durch die Anlage und Beller groovte sich souverän durch seine komplizierten Bass-Linien.

In „Get It Like That“ kamen dann sogar zwei Gummischweine und ein Gummihuhn zum Einsatz und wurden statt der Instrumente zum musizieren benutzt. Selbst in dieser Einlage blitzte musikalisches Talent auf. Nach „Culture Clash“ und der einzigen Ballade des Abends („Flatlands“), folgte Minnemanns „richtig schlechter Song“. „Blues Fuckers“ ist ein völlig zerstörter Blues-Song, der alle Klischees des Genres aufnimmt und völlig überhöht. Außerdem hat er der Band einen „Parental Advisory-Aufkleber“ auf ihr Instrumental-Album gebracht. In diesen Song baute Minnemann ein minutenlanges und sehr beeindruckendes Drum-Solo ein. Falls es noch eines Beweises bedurfte, dass auch er den Platz am Schlagzeug von Dream Theater verdient gehabt hätte, hier war er. Man muss aber vielleicht froh sein, dass Mike Mangini dieses Duell gewonnen hat. Zum einen passt dieser ziemlich gut in die Band und zum anderen hätte Minnemann auf keinen Fall mehr Zeit für solche Projekte wie die Aristocrats. Nach dem letzten Song des Sets („Living the Dream“) gab es tosenden Applaus und stehende Ovationen.

Das Thema „Zugabe“ klärte Beller ziemlich schnell mit der Frage, ob sie noch etwas spielen sollen – er habe keine Lust erst die Bühne zu verlassen und dann wieder zu kommen. Mit „Erotik Cakes“ gab es einen Song von Guthrie Govans Solo-Album zu hören. Die Band ließ ihn sich von jemandem aus dem Publikum einzählen und versprach vorher ihn auch wirklich in der vorgegebenen Geschwindigkeit zu spielen. Nach etwas über zwei Stunden war dann endgültig Schluss und wieder einmal war es erstaunlich, wie kurzweilig ein reines Instrumental-Konzert ist, wenn man sich daran erfreuen kann, erstklassigen Musikern bei ihren Zaubereien zu zuschauen.

Die Fotos von der Show gibt es hier.

Setlist:
Furtive Jack
Sweaty Knockers
Ohhhh Noooo
Louisville Stomp
Get it Like That
Culture Clash
Flatlands
Blues Fuckers
Gaping Head Wound
Desert Tornado
Living the Dream

Erotic Cakes

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