Steven Wilson – 16.02.2019 – Ruhrcongreß Bochum

Es ist ein merkwürdiger Charme, den der große Saal des Ruhrcongresses ausstrahlt. Boden, Decke und Wandverkleidungen wirken nicht besonders einladend, erinnern an die Bauweise und Optik der 70er Jahre und ähneln eher einer Messehalle. Die Sitzplätze und -reihen sind jedoch schick in Rot gehalten und die Balkone veredeln die Location zusätzlich. Somit befinden sich Konzertgänger in einem Mix aus Mehrzweckhalle und Theater. Der vordere Bereich ist dann für Stehplätze vorgesehen. Rollstuhlfahrer stehen für eine Show von Steven Wilson etwas ungünstig, da die Tribüne seitlich angebracht ist und der Blick auf die Bühne und das Geschehen ebenfalls von der Seite wahrgenommen wird. Das bringt Einbußen in der Wahrnehmung des Sounds aber auch der Leinwand, auf der regelmäßig Clips passend zur Musik zu sehen sind, mit sich.

Einen Support hat Wilson nicht und er beginnt pünktlich um 20 Uhr. Der Großteil seiner Band ist geblieben, vor allem die prägenden Ausnahmemusiker Adam Holzmann an den Keyboards sowie Nick Beggs am Bass, der selbst für seine Verhältnisse einen Sahnetag erwischt und über sich hinauswächst, sind mit an Bord. Neu ist Gitarrist Alex Hutchings, der allerdings ebenfalls bravourös spielt und klingt. Konzerte von Steven Wilson spielen also auch bei der „To The Bone Tour“ in einer anderen Liga und beeindrucken auch in der Sitzposition des Autors mit exzellentem Sound und Geräuscheffekten aus allen Richtungen. Jahr für Jahr und Tour für Tour wirkt Steven Wilson redseliger und gelöster auf der Bühne. Aber auch die Bandmitglieder unterhalten mit, treiben Späße mit Wilson und dem Publikum. So scheinen sich auch alle in Bochum mit den poppigen Ausbrüchen auf dem aktuellen Album arrangiert zu haben und feiern „Permanating“ richtig ab und der Stehplatzbereich beginnt zu tanzen. Ohne Pause mitberechnet bringt es Wilson auf knapp 3 Stunden Songs und Videos aus seiner gesamten Diskografie. Schön, dass auch Werke der Projekte von Porcupine Tree und Blackfield zum Zuge kommen. Als Zugabe gibt es Songs im akustischen Gewand nur mit Klavier und Gitarre, die in dieser Art neu im Set sind. Alles ist perfekt und gut durchdacht, ein Wunsch hat der Autor allerdings doch für sich gefunden: Wenn Ninet Tayeb über die Leinwand mit ihrer Stimme in Songs gesampelt wird, dann bitte demnächst auch Aviv Geffen, Wilsons Compagnon bei Blackfield. Das wäre großartig. Aber wer weiß? Vielleicht ist das dann die Neuerung bei der nächsten Tour. Zuzutrauen ist es ihm.

Setlist:
Set 1
Intro („Truth“ short film)
Nowhere Now
Pariah
Home Invasion
Regret #9
Don’t Hate Me
The Same Asylum as Before
Get All You Deserve
Ancestral

Set 2
Cenotaph (Intro Film)
No Twilight Within the Courts of the Sun
Index
Permanating
Song of I
Lazarus
Detonation
Song of Unborn
Vermillioncore
Sleep Together

Blackfield (akustisch)
Sentimental (akustisch)
The Sound of Muzak
The Raven That Refused to Sing

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