Selig – 29.04.2019 – Bürgerhaus Stollwerck, Köln

Foto: Mathias Bothor

Die deutsche Band Selig war vor gut 25 Jahren die deutsche Musikhoffnung. Zu diesem Zeitpunkt waren deutsche Texte im Indierock-Bereich eher verpönt. Doch mit Selig bekam genau dieses Genre und deren Fans ein Sprachrohr und das Erstwerk „Selig“ gehört in jede gut sortierte Sammlung. Zur Feier des Geburtstages ihres bedeutendsten Albums gehen die Männer um Jan Plewka auf Tour durch ganz Deutschland. Mit dem Versprechen „Selig“ komplett durchzuspielen, läuft der Vorverkauf exzellent, in Köln ist der große Saal im Bürgerhaus Stollwerck lange vorher ausverkauft. Und damit sich alles auf den Mix aus Selig und Nostalgie einstellen kann, gibt es keine Vorgruppe. Tatsächlich würde das auch sehr schwer passen. Die Band präsentiert sich in allerbester Spiellaune und zeigt eindrucksvoll, dass sie nichts von ihren Qualitäten eingebüßt hat. Aber auch das Publikum singt unaufgefordert textsicher mit und sorgt so selbst für manchen Gänsehautmoment. Auch der Sound und das Licht harmonieren in der Domstadt vorzüglich. Zunächst spielen Selig das Album in der Reihenfolge als würde es gerade abgespielt werden. So weiß jeder wann etwas drankommt und was er dazu beitragen kann, wenn er denn möchte.

Bei der wohl schönsten Ballade von Selig „Ohne Dich“ singt das Publikum vor allem den Refrain so laut mit, dass Sänger Jan Plewka kaum noch zu hören ist. Die Stimmung wirkt intim wie auf einem Familientreffen, auf dass sich Band und Fans gleichermaßen gefreut haben. Die Chemie stimmt von Anfang an, was natürlich die vertrauten Songs begünstigen. Als das letzte Stück des Jubiläumsalbums verklungen ist, gehen Selig zunächst von der Bühne um insgesamt zweimal für Zugaben wiederzukehren. Klar, dass der Abschiedssong schlechthin „Wir werden uns wiedersehen“ dabei nicht fehlen darf.

Nach 1 ¾ Stunden heißt es Abschied nehmen von einem Konzert, dass weder Schwächen noch Längen hatte. Es enthielt, Melancholie, Freude, Rock aber auch Zuneigung und Liebe. Und eines wurde völlig ohne einen Hinweis darauf deutlich. Band und Fans altern, die Musik und die Bedeutung von ihr nicht.

Gerne wieder – spätestens in 25 Jahren.

Setlist Selig:

Sie hat geschrien
Mädchen auf dem Dach
Wenn ich wollte
Tina
Die Besten
Glaub mir
Ja
Ohne dich
High
Frei
Regenbogenleicht
Hey, hey, hey
Meinetwegen

Ist es wichtig?
Schau Schau
Von Ewigkeit zu Ewigkeit
Wir werden uns wiedersehen

Fadensonnen

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