Seasick Steve – 10.10.2018 – Köln, Gloria

Bereits wenige Tage nach der Veröffentlichung seines neuen Albums „Can U Cook“ (VÖ: 09/2018) gastiert Steve Wold alias Seasick Steve in Köln. Zunächst bleibt die Location erschreckend leer als der Support Prinz Grizzley beginnt. Dieser bietet melodischen Country pur und könnte glatt aus den USA stammen, ist aber jedoch „Made in Germany“ Für deutsche ungeschulte Ohren stellt Country durchaus eine Abwechslung dar, in den Staaten ist diese hingegen allgegenwärtig. Leider macht Prinz Grizzley und seine Band einen Hauch zu wenig aus der Chance, hier zu supporten. Nur wenige Songs sind flotter und passen somit annähernd zu der Musik von Seasick Steve, die meisten plätschern vor sich hin.

Einen Stilwechsel zum Blues sowie einen Gang zu legt dann Seasick Steve mit seiner Band, welche nur aus zwei weiteren Musikern besteht. Eine weitere Gitarre sowie ein kleines Schlagzeug gesellen sich zu den Gitarren und selbstgemachten und -kreierten Saiteninstrumenten von Seasick Steve. Ganz im Look von ZZ Top, gibt er direkt Vollgas und wählt mit „St. Louis Slim“ einen harten Kracher als Opener. Und die Fans im Gloria? Sind glücklicherweise zahlenmäßig deutlich mehr, sodass es jetzt knackig gefüllt ist und sich dadurch lauter und mehr Stimmung entfalten kann. Laut ist auch das Motto des Abends, denn der Sound ist für die Verhältnisse im Gloria sehr laut. Dadurch werden manchmal Erinnerungen an Motörhead wach, denn auch der Gesang von Seasick Steve klingt oft so verwaschen, wie der von Lemmy Kilmister. Meist kann er sich nicht so gut gegen die Instrumente durchsetzen. Der Stimmung tut dies keinerlei Abbruch. Er begeistert jedoch nicht nur musikalisch, sondern glänzt auch als Erzähler. Seine Anekdoten sind demütig, humorvoll und herzlich, eine Ballade singt er sogar für jemandem aus dem Publikum, die sich zu ihm setzen darf. Selbst Tanzeinlagen hat er mit seinen 76 oder 77 Jahren im Repertoire. Und all das führt er mit Bravour aus und durch. Es wirkt zu keinem Zeitpunkt peinlich oder lächerlich. Und wenn jemand es in diesem hohen Alter schafft, gute 90 Minuten durchzuhalten, ohne an Energie einzubüßen, dann verdient er großen Respekt.

Chapeau Seasick Steve!

Foto: Pressebild

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