Samsas Traum – 21.11.2015 – Bochum, Matrix

Vainstream 2016 – Die nächste Bandwelle
30. November 2015
Deichbrand 2016 – Der Adventskalender
1. Dezember 2015

SamsasTraumPoesieLange mussten Fans auf das neue Werk „Poesie: Friedrichs Geschichte“ der Marburger Gruppe Samsas Traum warten – und somit auch auf die damit verbundene Tour. Während das Album im Vorhinein viele Fragen à la „Darf er das?“ und „Soll er das?“ aufwarf, stellten sich mit herannahender Show vor allem die Fragen: „Wird er das Ganze auf die Bühne bringen? Wenn ja, wie?“ Somit machte sich der Zuschauer am 21.11.2015 mit einigen Fragezeichen, aber auch mit viel Vorfreude auf in die Bochumer Matrix, einer Location die die Truppe um Alexander Kaschte in den letzten Jahren immer wieder und mit Freuden aufsuchte. Die war, auch wenn nicht ausverkauft, bereits gut gefüllt, als Vic Anselmo pünktlich den Abend eröffnete.

Werbung

Die lettische Sängerin dürfte vielen zumindest vage bekannt sein, schließlich erklang ihre Stimme bereits im Album „Asen’ka – Ein Märchen für Kinder und solche, die es werden wollen“. Mit sanften bis lebhaften Piano-Klängen und einer vollen, einnehmenden Stimme leitete Vic Anselmo den Abend gekonnt ein und schuf dabei eine stimmungsvolle Atmosphäre. Das Publikum zeigte sich während der Lieder zwar noch etwas zurückhaltend, ließ sich aber während dem letzten Lied „I am the one“ schließlich doch zum Mitsingen animieren und verabschiedete die Musikerin schließlich unter verdientem Applaus.

Nach einer kurzen Umbaupause, die bereits vom scheppernden und quietschenden Intro begleitet wurde, verdunkelte sich die Tube der Matrix erneut und der Hauptact des Abends betrat unter lautem Jubel die Bühne. Angekündigt war eine gemischte Show der beiden Projekte Samsas Traum und Weena Morloch, was auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint, auf den Zweiten jedoch durchaus logisch, denn immer mal wieder schlich sich bereits der eine oder andere Titel Weena Morlochs in die Setlist Samsas Traums, sodass die Grenzen zunehmend verschwammen. Auch wenn so der amüsante, wechselhafte Charakter Alexander Kaschtes in beiden Formationen weniger offensichtlich wurde, trug es im Rahmen dieser Tour zur angemessenen Stimmung bei.

Denn schnell wurde klar, dass dieser Abend nicht (nur) unter dem Stern der Unterhaltung stand. Bereits in der Eröffnung mit „Stammheim (Kampf)“ wurde deutlich, dass sich diese Musiker trotz oder gerade wegen der aktuellen Situation nicht zurücknehmen oder den Mund verbieten lassen. Eine Spur, die mit „Sauber“, „Und ich schrieb Gedichte“ sowie „Wir fahren in den Himmel (und ich kotze Angst)“ rigoros fortgesetzt wurde. Gebannt verfolgte das Publikum den Weg des Jungen Friedrichs in die Tötungsanstalt Hadamar, bis er dort stirbt und mit „Leiche 10.000“ verabschiedet wird. Es wird klar, Samsas Traum hat das Thema auf die Bühne gebracht. Und das mit einer Ernsthaftigkeit, die, gerade in den aktuellen Zeiten geprägt von Angst, zum Nachdenken anregt und einigen sicherlich sauer aufstieß.

Durch das Duett „Niemand, niemand anderem als dir“ zusammen mit Vic Anselmo leitete Kaschte den zweiten Teil des Abends ein, der zu Anfang mit den Weena Morloch-Tracks „Die Nacht der stumpfen Messer“ und „Kaputt!“ noch einen leicht bitteren Nachgeschmack der vorherigen Lieder trug. Mit den Songs „Moskau“ und „Stromausfall im Herzspital“ katapultierten die Interpreten den Zustand des Publikums von beherrscht und bedacht in einen nahezu frenetischen Zustand, in dem ausgelassen getanzt und gesungen wurde. Mit den Klassikern „Heiliges Herz“, „Die Zärtlichkeit der Verdammten – Willkommen bei den Peingebrecks“, „Ein Fötus wie du – komm auf mein Begräbnis Baby“ und „Kugel im Gesicht (9mm)“ tobten sich die Zuschauer noch einmal ordentlich aus, während die Show sich ihrem abschließenden Höhepunkt zuneigte.

Nach knapp 140 Minuten verabschiedete sich Samsas Traum nach einer mehr als gelungenen Show von einem begeisterten Publikum. Es war ein Abend, der alles bot was ein Konzert haben sollte – und noch viel mehr. Ein Abend, der begeisterte, zum Nachdenken anregte, zum Singen und Tanzen brachte und doch irgendwie ein mulmiges Gefühl in der Magengegend hinterließ. Ein Abend, der berührte.

Setlist Samsas Traum:

1. Stammheim (Kampf)
2. Sauber
3. Und ich schrieb Gedichte
4. Wir fahren in den Himmel (und ich kotze Angst)
5. Ich sehe die Sterne bei Tag
6. Fingerkränze
7. Richard, warum zitterst du
8. Im Keller wohnt der Krieg
9. Blut ist in der Waschmuschel
10. Gorgass
11. Leiche 10.000
12. Niemand, niemand anderem als dir
13. Die Nacht der stumpfen Messer
14. Kaputt!
15. Moskau
16. Stromausfall im Herzspital
17. Igel im Nebel
18. Heiliges Herz
19. Die Zärtlichkeit der Verdammten – Willkommen bei den Peingebrecks
20. Ein Fötus wie Du – Komm auf mein Begräbnis, Baby
21. Kugel im Gesicht (9mm)

 

Facebook Kommentare

Kommentare

Werbung