Rock am Ring 2019 – Tag 2

Am zweiten Tag von Rock am Ring begann der Tag nass-kalt, viele Festivalbesucher waren in Gummistiefel zu sehen und mit dicken Pullis bewaffnet. Abhalten ließ sich vom mäßigen Wetter allerdings niemand, denn heute war die Zielvorgabe klar: Feiern bis der Arzt – Verzeihung, die Ärzte – kommen.

The Hu eröffneten um 13.30 Uhr die Crater Stage. Die junge mongolische Band (Gründung 2018) schaffte ihren internationalen Durchbruch erst 2019 als sie mit ihren ersten beiden Songs zum Internet-Hit wurden. Entsprechend war es bereits sehr voll von der Bühne und The Hu wurden lautstark von den Fans angefeuert. Beim zweiten Song saß der Großteil der Zuschauer der First Wave auf dem Boden und ruderte. Kurz darauf bildete sich eine Polonese, die fröhlich durch den Rest der Zuschauer hüpfte. Bereits beim vierten Song waren die ersten Crowdsurfer zu sehen. Wer diese Band auch einmal, oder wieder, live erleben möchte, kann seine Chance in Hamburg (30.06.) oder Köln (02.07) nutzen.

Danach waren The Fever 333 auf der Crater Stage an der Reihe. Die Rockgruppe hat an der Front den ehemaligen letlive. Sänger Jason Butler, der den Zuschauern ordentlich einheizte. Bereits im zweiten Song rannte er durch die First Wave und kletterte auf die Technik. Dort sagte Jason, dass sich Amerika beim Thema Miteinander und Menschlichkeit ein Vorbild an Deutschland nehmen sollte. Außerdem sollten sich Frauen in der Crowd sicher fühlen. Diese wichtigen Messages wurden von den Zuschauern sehr euphorisch aufgenommen.

Underoath eröffneten die Volcano Stage um 15 Uhr. Vor der großen Hauptbühne hatten sich noch nicht viele Zuschauer eingefunden, die First Wave war nur halb-voll, das gesamte Feld dahinter fast leer. Die Fans von Underoath ließe sich jedoch davon nicht beeindrucken und auch hier bildete sich schnell der erste Moshpit. Nach Underoath war die österreichische Kabarett-Band Seiler und Speer auf der Volcano Stage an der Reihe. Auch hier war das Interesse zuerst gemäßigt, einige Fans waren jedoch unter den Zuschauern zerstreut, die auch lauthals mitsangen und die Band auf der Bühne feierten. 

Voll wurde es dann um 17.30 Uhr bei Feine Sahne Fischfilet. Bereits zum Beginn der Show wurden im Publikum die ersten Rauchfackeln gezündet. Auch auf der Bühne ließ die Band sich damit nicht lange Zeit. Im zweiten Song zündeten Helfer am Bühnenrand ebenfalls Rauchfackeln und nebelten Zuschauer und Band ein. Bereits nach den ersten Songs merkte man Sänger Jan „Monchi“ Gorkow seine Dankbarkeit gegenüber der Fans an. Er stand zum Teil während seiner Moderation sprachlos auf der Bühne und ließ sich bejubeln. Nach eigener Aussage hätte er bei Gründung der Band 2007 niemals damit gerechnet bei Rock am Ring auf der Volcano Stage zu stehen. Seine Dankbarkeit zeigte Monchi auch materiell, indem er Bier und Schnaps im Publikum verteilte. Trompeter Max Bobzin lernte seine Fans näher kennen, indem er sich ein Bananenboot bringen ließ und über den Moshpit der First Wave getragen wurde. Auch Monchi ließ sich diesen Kontakt nicht nehmen und sprang im letzten Song kurzerhand über den Wellenbrecher und sang mitten aus dem Moshpit sein Lied. Feine Sahne Fischfilet waren ein wirkliches Highlight an diesem Abend.

Weiter ging es auf der Crater Stage mit Three Days Grace. Die Post-Grunge-Band war hier vielen ein Begriff, daher war auch das Feld dementsprechend voll. Jeder, der nicht Dropkick Murphys schauen wollte, stand an der Crator Stage und feierte mit. Sänger Matt Walst rannte an der Bühnenkante von rechts nach links und heizte dem Publikum an diesem sehr kalten Abend ein. Zumindest den Fans in der First Wave wurde nicht kalt, da sich bereits zu Anfang der Show ein kleine Moshpit bildete, der auch immer wieder aufflammte.

Nach Dropkick Murphys waren um 20.40 Uhr Bring Me The Horizon an der Reihe. Mit dem Song „Mantra“ von ihrem neuen Album „Amo“ (VÖ: 25.1.2019) eröffneten sie die Show. Bereits zum zweiten Song bildeten sich die ersten Circlepits und nahmen auch danach nicht ab. Sänger Oli Sykes ging öfter die kurze Treppe hinunter zum ersten Wellenbrecher und kam seinen Fans dabei sehr nahe. Deutlich besser als die neuen Songs kamen jedoch ihre älteren Songs wie „Happy Song“ und „Throne“ an. Auch die Security bekam nun ein ernsthaftes Workout, da Oli das Publikum anwies viele Crowdsurfer zu schicken. Dieses Angebot wurde natürlich gerne angenommen und der Strom an Crownsurfern riss nicht mehr ab. 

Als Headliner des zweiten Abends gab es die deutsche Punk-Rock-Band Die Ärzte auf die Ohren. Nach über 20 Jahren auf der Bühne haben sich Bela B., Rod und Farin bereits viele Fans erarbeitet. Dies sah man auch vor der Volcano Stage nur zu deutlich. Die First Wave (8.000 Zuschauer Kapazität) und die Second Wave (12.000 Zuschauer Kapazität) waren komplett ausgelastet. Und auch das Feld dahinter schien kein Ende zu nehmen, was sich im Verlauf der Show besonders schön mit einem riesigen Lichtermeer untermalte und die grenzenlose Begeisterung der Fans nur noch unterstrich. Bei dieser Band bekam man nicht nur musikalische Unterhaltung, sondern auch eine Moderation von Bela, die immer wieder in kleinen Spitzen zwischen ihm und Farin endeten. Hier merkte man die Vertrautheit und die gute Freundschaft der Band untereinander. Zum Beispiel zog Bela seinen Freund Farin immer wieder auf, weil dieser auf der Bühne Tee trank, da es dort oben so kalt war. Zwischen neueren Songs durfte aber auch bei ihnen die Klassiker wie „Junge“ und „Schrei nach Liebe“ nicht fehlen, die das Publikum lauthals mitsang. Farin und Rod gönnten sich eine kurze Pause, während Bela sein eigenes Lied „Der Graf“ spielte. Doch danach kamen sie wieder auf die Bühne und hielten das Publikum dazu an, doch ihnen etwas vorzusingen. Mit ihrer Karaoke-Version von „Westerland“ überließen sie damit ihren Fans das Rampenlicht und genossen diesen kleinen Moment. Die beste Band der Welt eben (nach eigener Aussage).

Zeitgleich zu den Ärzten war auf der Crator Stage die Band Slayer zu sehen. Sie sind dieses Jahr auf Abschiedstour und diese Chance sollte nicht ungenutzt bleiben. Aber auch dieser Tag ging leider viel zu schnell vorüber und die Wanderung nach Hause, ins Hotel oder auf den Zeltplatz begann unter mehr oder weniger Alkoholeinfluss. Wer auch an diesem Tag noch nicht genug hatte, konnte mit Die Antwoord noch weiter feiern. Nun blieb nur noch der letzte Tag von Rock am Ring.

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