Riverside – 16.04.2014 – Colos Saal, Aschaffenburg

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Für einen Abend mit polnischer Tanz-Musik öffnete der Colos-Saal in Aschaffenburg am 16. April seine Pforten. Die Progressive-Rocker von Riverside waren die Kapelle des Abends. Auf dem zweiten Teil der Tour zu ihrem 2013er Album „Shrine Of New Generation Slaves“ hatten sie – mit ihren Landsleute von Votum – einen echten Geheimtipp im Gepäck.

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Der Colos-Saal ist ein kleines Juwel. Seit 30 Jahren liegt dieser Laden nun mitten in der Aschaffenburger Fußgängerzone und fast jeden Abend gibt es hier Live-Musik. Tausende Musiker spielten bereits im Colos-Saal. Der eigene Leitspruch „For Real Music Lovers“ gilt gleichermaßen für diejenigen vor, auf und hinter der Bühne. Es überrascht daher nicht, dass viele Bands diesen Laden immer wieder ansteuern. Riverside machten hier bereits im Jahr 2005 – auf der Tour zu ihrem ersten Album – Station und kamen auf jeder Tour wieder vorbei. Bevor sie mit ihrem fünften Auftritt in Aschaffenburg loslegten, gaben sie Votum die Chance sich in die lange Liste der Bands einzutragen, die hier schon spielten.

Votum gibt es bereits seit 2003. Ihre drei bisherigen Alben sammelten allesamt gute bis sehr gute Kritiken in der Progressive-Rock Szene ein. Stilistisch liegen die Polen nahe an Riverside und spielen auf ihrem aktuellen Album „Harvest Moon“ melodiösen, nicht übermäßig verspielten, leicht melancholischen, progressiven Rock. Letzteres – und die Tatsache, dass sie auch etwas härter können – rückt sie auch in die Nähe von Bands wie z. B. Opeth.
Jüngst mit einem neuen Sänger ausgestattet, rockte sich die sechsköpfige Band in einem bereits gut gefüllten Colos-Saal sehr, sehr ordentlich durch ihre aktuelle Scheibe. Einziges Pech war, dass sich ein Großteil der Band auf nur fünf Quadratmetern der Bühne bewegen konnte. Gerade der charismatische Frontmann Bartosz Sobieraj hätte mehr Platz verdient gehabt. Die nächste Chance Votum live zu erleben, besteht am 3. Mai. Im „Rind“ in Rüsselsheim teilen sie sich eine Show mit ihren polnischen Kollegen Retrospective. Bartosz kündigte an, dass sie dort mehr als 45 Minuten spielen werden. Verdient hätten sie es.

In der kurzen Umbau-Pause wurde alles Mögliche ab, aber augenscheinlich nichts aufgebaut. Der interessierte Beobachter fragte sich zeitweise, ob überhaupt noch ein Headliner stattfindet. Gegen 21 Uhr standen dann aber die vier Jungs von Riverside auf der nun ziemlich leeren Bühne. Keine Verstärker, keine Monitorboxen, kein Band-Banner: Das konnte man zumindest ungewöhnlich finden. Nach ein paar Faxen zur Begrüßung erklangen die ersten Takte von „New Generation Slave“, gefolgt von „The Depth of Self-Delusion“ (beide „Shrine of New Generation Slaves“, 2013). Musik, Nebel und Lichtshow füllten die Leere. Alles gut. Beide Songs stehen exemplarisch für Riverside: Der sehr angenehme und gefühlvolle Gesang von Frontmann Mariusz Duda wird getrieben von seinem eigenen und immer präsenten Bass-Spiel. Piotr Grudzińskis messerscharfe und verzückende Gitarrenriffs versüßen die Songs, während Michał Łapaj am Keyboard für die entsprechende Atmosphäre sorgt. Absolut unauffällig arbeitet Piotr Kozieradzki an seinem Drumkit an Tempo und Rhythmus. Alle Songs bieten jedem Musiker immer wieder Gelegenheiten sich selbst auszuzeichnen. Großes Aufheben macht darum aber keiner der Vier. Das ist vermutlich einer der auffallendsten Unterschiede im Vergleich zu anderen Progressive-Rock Bands. Riverside funktionieren als Einheit. Hier gibt es niemanden, der durch minutenlange Solo-Einlagen aus dem Gefüge heraustreten muss.

Mit „Out of Myself“ – vom gleichnamigen Debüt-Album (2003) – startete ein kleiner Ausflug zu den Anfängen von Riverside. Es folgten „Acronym Love” („Voices in My Head“-EP, 2005) und „Reality Dream III” („Second Life Syndrome“, 2005). Bevor mit „Goodbye Sweet Innocence” und „Living in the Past” zwei Songs der 2011 – zum zehnjährigen Band-Jubiläum – erscheinenden EP „Memories in My Head“ erklangen, erzählte Mariusz, dass diese Songs eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart der Band bilden. Riverside seien in der Pause zwischen 2009 und 2013 erwachsener geworden und wüssten nun was und wohin sie wollen. Vielleicht um nicht zu ernst zu werden, ließ es sich Michał nicht nehmen, während der ganzen Show Faxen zu machen. Er schnitt in jede anwesende Handykamera Grimassen und unterbrach mehrfach die Ansagen zwischen den Songs mit seinen Keyboards. Aber auch der Rest der Band hatte sichtbar Spaß an diesem letzten Konzert der Tour.

Mit dem letzten Song des Sets – dem zwölfminütigen „Escalator Shrine“ vom aktuellen Album – wurde der Kreis zur Gegenwart wieder geschlossen. Mariusz gab vorher sogar noch einen erfreulichen Ausblick in die Zukunft. Nach einigen Festivals im Sommer, würde die Band ein neues Album aufnehmen. Im Herbst 2015 seien Riverside dann wieder auf Deutschland-Tour.
Als Zugaben gab es noch das wuchtige „Celebrity Touch“ und das epische „Second Life Syndrome“, bevor die Vier nach guten zwei Stunden strahlend, feixend und unter tosendem Applaus die Bühne des Colos-Saal verließen. Ohne Frage: Aschaffenburg freut sich auch über einen sechsten Besuch der sympathischen Polen.

Die Fotos von der Show gibt es hier.

Setlist:
New Generation Slave
The Depth of Self-Delusion
Feel Like Falling
Out of Myself
Acronym Love
Reality Dream III
Goodbye Sweet Innocence
Living in the Past
We Got Used to Us
Egoist Hedonist
Escalator Shrine

Celebrity Touch
Second Life Syndrome

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