Rebekka Bakken – 19.12.2017 – Christuskirche Bochum

Rebekka Bakken live in der Christuskirche Bochum. Foto: Steffie Wunderl

Weihnachtliche Klassikkonzerte sind zur Adventszeit nichts Ungewöhnliches und auch Pop- und Rocksampler gibt es zuhauf. Aber einen Weltstar, der bewusst mit Neuinterpretationen im Bereich des Chansons und des Jazz‘ auf Tour geht? Das kommt nicht so häufig vor. Norwegens Superstar mit der Stimme, welche über drei Oktaven geht, Rebekka Bakken beehrt mehrere deutsche Städte für ein Konzert. In NRW ist es neben Düsseldorf auch die wunderschöne Christuskirche in Bochum.

Zugegeben senken der Redakteur und die Fotografin das Durchschnittsalter, doch der Stimmung tut dies keinen Abbruch. Gerührt und begeistert blickt Bakken drein als sie die Bühne betritt. Es muss ein toller Anblick sein in den zwar kaum geschmückten, aber eben doch wunderschönen Kirchensaal zu blicken und die Kirchenbänke sind besser gefüllt als bei so manchem Gottesdienst. Und Bakken gibt von Anfang an Vollgas und gibt eine wunderschöne Coveversion von Whams „Last Christmas“ zum Besten. Bei ihrem Arrangement wird daraus eine melancholische Ballade. Zwischen den Songs erzählt sie mit viel Humor, dass sie ihre Ringe vergessen habe und sich ohne dies unwohl fühle. Sie wechselt dafür gern die Sprache und agiert meist auf Englisch mit ihrem Publikum. Das dosiert sie alles in genau der richtigen Portion. So behält ihr Set einen authentischen Rahmen, welches für ein Weihnachtskonzert in einer Kirche angemessen ist. Schließlich wird ihre Tour mit „A Christmas Night“ betitelt. Nach gut einer Stunde streuen Bakken und ihre drei Mitstreiter eine kleine Pause ein. Nach der Pause kommt das Quartett wieder auf die Bühne und siehe da, Bakken hat von nun an ihre Ringe an. Das Gesicht des Konzerts ändert sich dabei nicht. Sie singt wie ein Engel, covert Weihnachtslieder mit der gleichen Spielfreude aber auch dem Zusammenspiel auf höchstem Niveau. Und auch wenn Bakkens Stimme und der Sound fehlerfrei sind, so wäre es manchmal wünschenswert, dass sie stimmgewaltiger agieren würde. Es wirkt als nehme sie ihre Stimme und Gesang stellenweise zurück, dass sie sich selbst vielleicht auch aus Respekt vor den Originalversionen eher bedächtig hält. Ein wenig mehr Wucht in der Stimme und das Publikum würde sie mehr feiern. Bakken ist aber zuzutrauen, dass sie das genau nicht will. Aber nicht nur sie macht ihren Part gut, auch ihre Band spielt exzellent. Keyboarder Jesper Nordenstrøm, der sensationelle Ola Gustavsson an den Gitarren sowie Rune Arnesen am Schlagzeug sind Bakken im musikalischen Können locker ebenbürtig und heben die Songs auf ein höheres Niveau. Zum Schluss glänzt Bakken mit der Zugabe von Leonard Cohens „Hallelujah“ bevor sie dann das Konzert solo und A Capella mit einem Stück aus Norwegen beschließt. Ein intimer Abend endet mit einem noch intimeren Abschluss. Auch wenn Bakken gesanglich ruhig etwas forscher hätte sein können, so darf dieser Gig getrost als Konzert der Extraklasse gewertet werden oder für die Besucher als ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk.

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