Pluswelt Festival XI / XII – 29.11.2014 – Kulturfabrik, Krefeld

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Am Samstag fing das Pluswelt Festival schon um 18.30 Uhr an, statt wie am Freitag erst um 19.30 Uhr. Denn an diesem Tag spielten 6 anstatt 5 Bands.

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SubstaatDen Anfang machte die norwegische Futurepop Band Substaat, die derzeit mit ihrem aktuellen Album „Macht“ (08/2014) unterwegs ist. Die ersten beiden Songs, die sie spielten, waren ebenfalls die beiden ersten auf ihrem neuen Album, „Berlin“ und „I feed you my love“. Obwohl sie sehr EBMlastige Songs im Gepäck hatten, wollte der Funke nicht auf die Menge überspringen. Diese blieb relativ ruhig und schien noch nicht daran interessiert zu sein sich zu bewegen.

Die zweite Band an dem Abend war Blitzmaschine, welche ebenfalls dieses Jahr im August ein neues Album mit dem Titel „Turbine“ veröffentlichte. Nach der eher softeren Musik von Substaat, gab es von Blitzmaschine voll einen auf die 12. Mit Blitzmaschine-0587„EBM für die Mittelschicht“, wie sie ihre Musik selbst nennen, versuchten die Hamburger Tanzstimmung zu verbreiten. Doch leider Fehlanzeige. Selbst mit den astrein stompbaren Songs „Burnout“, „Gotcha!“ und „Useless Pain“ schafften sie es nicht Bewegung ins Publikum zu bringen. Möglicherweise lag es daran, dass viele noch kaputt von dem vergangenen Abend waren, als Combichrist und Co. die KuFa zum eskalieren gebracht hatten.

Die nachfolgende Band wurde damit angekündigt, dass sie normalerweise nicht auf einem Festival von „uns“ spielen würde. Republica war auch alles andere als „schwarz“. Die Bandmitglieder waren größtenteils bunt gekleidet, außer Sängerin Republica-0622Samantha Sprackling, welche in schwarz gekleidet war. Ihren Stil kann man als eine Mischung aus Crossover und Dance beschreiben, welcher tatsächlich normalerweise nicht auf einem schwarzen Szene Festival zu finden ist. Nichtsdestotrotz haben sie ordentlich gerockt und ebenfalls ihr Bestes gegeben, um das Publikum zum Tanzen zu animieren. Mit Songs wie „Russian“, „Drop Dead Gorgeous“, „German Accent“, „Christiana Obey“ und „Ready to go“ machte die Band einen Querschnitt durch 21 Jahre Bandgeschichte. Samantha Sprackling bedankte sich während des Auftrittes mehrmals beim Publikum und bei den Organisatoren des Festivals, dass ihre Band dort spielen durfte. Es war ihr anzusehen, dass sie die Zeit ihres Auftrittes in allen Zügen genoss. Sie schaffte es sogar die ersten Reihen dazu zu bringen mit ihr mit zu feiern und zu tanzen.

De-Vision-0682Wieder in die schwarze Szene zurück ging es mit der deutschen Band De/Vision, die mit der Information angekündigt wurde, dass das Pluswelt Festival ausverkauft ist. Des Weiteren wurden die Fans daran erinnert, dass De/Vision im Dezember noch einmal für vier Tage auf Tour sein werden. Mit ihrem dritten Song „Rage“ brachen sie endlich die Starre der Menge. Sie klatschte eifrig im Takt mit und unterstütze Sänger Steffen Keth tatkräftig im Refrain, indem sie lauthals mitsang. Während den nachfolgenden Hits „I’m not dreaming of you“ und „Try to forget“ tobte das Publikum. Bei letzterem kletterte ein weiblicher Fan auf die Bühne, um mit der Band zu tanzen. Steffen Keth war anfangs irritiert, duldete sie dann aber und beachtete sie nicht weiter, bis sie so plötzlich wieder verschwand wie sie aufgetaucht war. Als sie „Your hands on my skin“ aus dem Gepäck holten, bewies Steffen Keth mit einer kleinen Tanzeinlage Rhythmus und Taktgefühl.

Mesh-0795Nach dem Auftritt von De/Vision rechnete jeder mit einer Umbaupause für Mesh. Dem war aber nicht so. Unmittelbar nachdem De/Vision die Bühne verlassen hatten, ertönten die ersten Takte von „Not Prepared“, einer Ballade von Mesh, aus der Mitte der Halle. Sänger Mark Hockings hatte sich am Lichtpult im Innenraum eingerichtet und wurde am Keyboard begleitet. Alle Zuschauer drängten sich um den kleinen, abgetrennten Bereich und schauten wie gebannt der einzigartigen Performance zu. Nach nur diesem einen Lied siedelte Mark Hockings auf die Bühne um und begann mit seiner Band Mesh ein elektrisierendes Konzert. Das Tempo wurde angezogen und das Publikum in ihren Bann gezogen. Ab dem Hit „You didn’t want me“ war die Menge kaum noch zu halten. Sie hüpfte, sang mit und tanzte was das Zeug hielt. Im Hintergrund der Band, wurden auf einer großen Leinwand Bilder und kurze Videos gezeigt, die die jeweiligen Lyrics der Songs visuell unterstrichen. Beispielsweise bei dem Song „From this height“ wurden Hochhäuser und Großstädte gezeigt. Mesh hatten auch eine Überraschung im Gepäck und holten zum Song „Firefly“ Samantha Sprackling von Republica auf die Bühne. Sie freute sich tierisch den Song mit Mark Hocking performen zu dürfen und kam aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus. Wie auch bei ihrer Band gab sie mit Mesh alles und wirbelte auf der Bühne herum, als würde es keinen Morgen geben. Nachdem sie die Bühne verlassen hatten, folgten noch weitere vier Songs, wovon einer der Hit „Born to lie“ war. Hier sang das Publikum wieder einmal den Refrain mit und bewies ein weiteres Mal Textsicherheit. Bei ihrer einzigen Zugabe und somit ihrem letzten Song „Taken for granted“ lichtete sich das Publikum in den ersten Reihen. Dennoch sangen die restlichen Fans lauthals mit bis sie am Ende des Liedes nur noch vom Schlagzeug begleitet wurden und die Vocals komplett übernahmen.

Apop-0934Nachdem Mesh die Bühne verlassen hatte, folgte eine lange Umbaupause, die gar kein Ende nehmen wollte. Nach einer Stunde Warten und diverser technischer Probleme auf der Bühne, wurde dann doch endlich der Headliner des Abends angekündigt. Daniel Graves von Aesthetic Perfection hatte die Ehre Apoptygma Berzerk anzukündigen und betonte, dass er selbst ein großer Fan der Band sei. Ab ihrem ersten Song „Starsign“ hatten die Norweger das Publikum direkt für sich gewonnen. Ein Hit jagte den Nächsten. Das lange Warten hatte sich also gelohnt und wurde mit einem bombastischen finalen Auftritt belohnt. Nach ihrem ersten Song entschuldigte sich auch Sänger Stephan L. Groth für die technischen Probleme und machte es durch Kracher wie „Love never dies“, „In this together“ und „Apollo“ wieder gut. Alle sangen mit und klatschten im Takt zu den Hits ihrer Lieblinge. Nach dem Song „Apollo“ folgte eine kurze Dankesrede des Sängers. Er bedankte sich bei der gesamten Pluswelt Crew und besonders bei Jan Winterfeld. Dieser ließ sich aber auch nach mehrfacher Aufforderung auf die Bühne zu kommen, nicht blicken. Anschließend trafen die Jungs mit „Something I don’t know“ ins Schwarze. Sänger und Publikum teilten sich die Lyrics und die Stimmung kam langsam aber sicher ihrem Höhepunkt entgegen, welcher gar kein Ende nehmen wollte. Denn direkt im Anschluss gab es „Kathy’s Song“ auf die Ohrenn, ein Klassiker in allen schwarzen Szene Clubs. Hierzu tanzten alle mit und auch der weibliche Fan, der schon während der Performance von Mesh auf die Bühne kletterte, erklomm ein weiteres Mal die Bühne. Diesmal war der Aufenthalt allerdings wesentlich kürzer, denn direkt nach ihrem Erscheinen, wurde sie von einem der Security von der Bühne begleitet. Auch den Song „Major Tom“ hatten die Jungs dabei, welcher die englische Version von Peter Schillings gleichnamigem Hit ist. Die letzten Wiederholungen des Refrains sang der Keyboarder auf deutsch mit dem Publikum mit. Diese kleine Einlage erntete tosenden Applaus. Ein weiterer unverzichtbarer Song in schwarzen Clubs war „Until the end of the world“. Hierbei konnte es sich die Menge abermals nicht nehmen lassen lauthals mitzusingen und zu jubeln. Direkt im Anschluss spielten sie ein Cover des Joy Division Hits „Love will tear us apart“, welcher ein wenig das Tempo des Auftritts drosselte. Doch Apoptygma Berzerk wussten, wie sie die kleine Flaute überwinden konnten. Sie präsentierten unmittelbar danach „Nonstop Violence“, ein Song, um den man ebenfalls nicht herum kommt, wenn man in der schwarzen Szene unterwegs ist. Passend zum Titel eskalierte die gesamte Halle, sprang mit und sang währenddessen die eingebrannten Lyrics mit. Der Stimmung war die bereits sehr fortgeschrittene Stunde gar nicht anzumerken. Doch die Band verließ anschließend die Bühne und ließ das Publikum im Dunkeln zurück. Nach kurzem Warten kam Fronter Stephan L. Groth wieder und sagte „Wir sind müde. Haben den ganzen Tag im Flugzeug gesessen.“, doch mit dieser Ansage versuchte er bloß den gespannt wartenden Fans weiß zu machen, dass es keine Zugabe mehr geben wird. Doch natürlich könnten die Norweger es nicht übers Herz bringen erwartungsvolle Fans zurückzulassen und rundeten mit drei Zugaben den Abend perfekt ab. Bei der letzten Zugabe bat Groth den Sänger von Mesh noch einmal auf die Bühne, um ihren gemeinsamen Remix „Mourn“ zum Besten zu geben. Die Stimmung kochte ein letztes Mal in der KuFa in Krefeld, bevor das diesjährige Pluswelt Festival zu Ende ging.

Alles in allem waren es zwei sehr abwechslungsreiche Tage, die musikalisch einen angenehmen Kontrast boten. Freitag bekam das Publikum harte Bässe und schnelle Beats auf die Ohren, mit Bands wie Combichrist, Grendel und Aesthetic Perfection. Am Samstag hingegen konnten alle etwas runterkommen und einen Ausflug quer durch das Synthpopgebiet genießen, unter anderem mit den Bands Mesh, De/Vision und Apoptygma Berzerk.

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