Phoenix Festival 2013 – Weinheim – 11.10.2013

Im Rahmen der Tour zu ihrem aktuellen Album „The Arsonist“ machten die Melodic-Death-Metaler Deadlock am 11. Oktober Station im Weinheimer Café Central. Es war allerdings kein reines Deadlock Konzert. An der Bergstraße waren sie Headliner des Phoenix-Festivals – eine Benefizveranstaltung der AWO Rhein-Neckar zugunsten sozial benachteiligter Kinder und Jugendliche. An diesem Abend spielten also außerdem die Heidelberger Bands God Delusion und Soick Sico, die Südhessen von Texas Local News und die Darmstädter Band Unleash The Sky. Das versprach eine gute Mischung aus Alternative Metal, Death Metal und Post-Hardcore.

Das Café Central liegt mitten in Weinheim in der zweiten Etage eines Altbaus. Die Bühne ist nicht größer als so mancher Konferenztisch und der Raum vor der Bühne passt bequem in ein gut-bürgerliches deutsches Wohnzimmer. Der Start des Festivals verschob sich – durch die krankheitsbedingte Absage der Alternative Rocker „Enhance My Fall“ – etwas nach hinten.

Die Death Metal Crew God Delusion eröffnete gegen halb acht das Festival. Glücklicherweise füllte sich der Raum nun auch ein wenig, denn es gab fünf Jungs mit Klamotten in Splatter-Optik und mit jeder Menge Spielfreude zu sehen. Zu hören gab es puren, schnörkellosen und eingängigen Death Metal von ihrem – im Januar veröffentlichen – ersten Album „Death for Sale“. Die Heidelberger lieferten ordentlich ab und ließen sich auch von der vergessenen Setlist nicht bremsen.

Nach erfreulich kurzer Umbaupause standen Texas Local News auf der kleinen Bühne. Die sechs Südhessen boten eine interessante musikalische Mischung aus Metal, Rock und Hardcore – selbst popige Einflüsse waren hier und da zu erkennen. Die wilden Shouts von Frontmann Jan wechseln sich mit dem sanften Gesang seiner Kollegin Carla ab. Das wiederum wurde untermalt von melodischen Gitarren und einer wummernden Doublebass-Drum. Das Publikum freute es. Es kam merklich Bewegung in den gut gefüllten Raum – es wurde fleißig mitgesungen und geklatscht. Der Wunsch der Band noch ein oder zwei Songs mehr spielen zu dürfen, prallte – mit Hinweise auf den Zeitplan – am Veranstalter ab. Der Abend hielt schließlich noch drei weitere Bands bereit.

Bevor Siock Sico die Bühne enterten, wurde es zum ersten Mal an diesem Abend richtig kuschelig vor der Bühne des Café Central. Als die fünf Heidelberger dann Selbige betraten, bekam man eine Ahnung davon wieso, denn der optische Wiedererkennungswert war sehr hoch. Mit ihren Kostümen mimten sie Figuren, die wohl einem bösen Kinder-Traum entsprungen sein sollen. Ein grimmiger Farmer am Schlagzeug, ein verrückter Professor an der Gitarre, ein…tja..schachbrettartig-gemusterter Bassist, ein weiterer Gitarrist in kurzen Hosen (gruselig!) und ein fieses Sandmännchen am Mirko boten dann eine Art Alternative Metal mit Sprechgesang. Ende der 90er hätte man das wohl Nu-Metal genannt. Die meisten der anwesenden Zuschauer war zu dieser Zeit allerdings noch nicht eingeschult. Begleitet von gepapa-roachten Limp Bizik-Einflüssen bildeten sich schnell der erste Circle Pit des Abends und am Ende des Sets gab es laute Rufe nach einer Zugabe.

Die Umbaupause von Unleash The Sky dauerte etwas länger. Alle bisherigen Bands spielten auf dem gleichen Drumkit. UTS bauten dieses ab und ihr eigenes auf. Im Publikum war deutlich zu spüren, dass einige nur wegen den Darmstädtern gekommen waren. Schon während des Umbaus waren die ersten beiden Reihen belegt. Die Ungeduld des Publikums übertrug sich auf die Band. So hieß es nach kurzem Soundcheck: „Scheiß auf das Intro, lass uns anfangen. Die Leute wollen was hören.“. Richtig erkannt.
Aus den Boxen krachte nun amtlicher Post-Hardcore mit Metal-Ambitionen. Front-Schreihals Patrick schonte sich nicht und trieb Band und Publikum vom ersten Song an vor sich her. Weinheim bedankte sich mit Cicrle Pit, viel Schweiß, Geschrei und Applaus. Die Ankündigung, dass man derzeit ein neues Album aufnehme, welches Anfang 2014 erscheinen soll, machte den Abend für die UTS-Fans perfekt.

Gegen 23:20 hatte sich Weinheim dann für den Headliner Deadlock qualifiziert. Die ritten – kaum waren die letzten Klänge ihres Intros verhallt – eine Attacke nach der anderen. Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Energie diese Band vom ersten Takt an auf der Bühne präsent ist. Brauchen andere Bands zwei oder drei Songs um sich an Bühne und Publikum zu gewöhnen, gibt es bei Deadlock weder Startschwierigkeiten noch Berührungsängste. Frontmann John Gahlert würde kaum mit dem Wunsch überraschen, direkt aus dem Publikum shouten zu wollen. Gitarrist Sebastian Reichl strahlt regelmäßig den gesamten Auftritt lang über beide Backen und Sabine Scherers Gesangsperformance ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Musikalisch, technisch und gesanglich absolut souverän spielte man sich durch die letzten vier Alben – wobei der Schwerpunkt natürlich auf der aktuellen Scheibe lag. Band und Publikum trieben sich eine Stunde lang zu Höchstleistungen und schonten einander nicht. Da man als Headliner auch Zugaben spielen darf, coverte man zum Abschluss noch „Smalltown Boy“ (Bronski Beat) und gab den eigenen Klassiker „Awakened by Sirens“ zum Mitgröhlen.
Danach entschuldigte sich John beim Publikum, dass man keinen weiteren Song spielen könne, da Ersatz-Drummer Hannes nicht mehr Stücke gelernt habe. Geschenkt. Man verabredete sich zum kühlen Getränk am Merch-Stand und dort endete ein erschöpfender Konzertabend in Weinheim.

Nach einer kleinen Tour-Pause, rocken Deadlock Ende Oktober die restlichen Termine:
26. Oktober – Schüttorf (KOMPLEX)
01. Oktober – Jena (F-HAUS)
08. Oktober – Dresden (PUSCHKIN)
15. November – Weissenhäuser Strände (METAL HAMMER PARADISE FESTIVAL)
16. November – Annaberg/Buchholz (ALTE BRAUEREI)
13. Dezember – Schwäbisch Hall (KANTINE 26)
14. Dezember – Anröchte (SHOUT ARENA FESTIVAL)

Peter Harbauer für Rock Fanatics.

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