Long Distance Calling – 05.01.2014 – Batschkapp, Frankfurt

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Die Progressive Rocker Long Distance Calling begeben sich im Februar auf den zweiten Teil der Tour zu ihrem aktuellen Album „The Flood Inside“. Vorher hatten die Jungs aus Münster noch zu einem Abend ohne Vorband und mit einem extralangen Set geladen.

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Das Konzert fand am 5. Januar in der nagelneuen Batschkapp in Frankfurt-Seckbach statt. Den Charme der alten Batschkapp sucht man in dem eigens für Konzerte errichteten Neubau natürlich vergeblich. Dafür konnte aber alles so geplant werden, wie man es sich für einen Konzertbesuch wünscht – Eingang, Garderobe, Toiletten, Konzertsaal mit zwei Theken und abhängbarer Empore – alles simpel, praktisch und schnörkellos. Extra errichtete Konzerthäuser haben außerdem den Vorteil, dass sie oftmals besseren Sound bieten als umfunktionierte Gebäude oder Mehrzweckhallen und das ist bei Long Distance Calling absolut wünschenswert.

„Into The Black Wide Open“ eröffnet den Abend perfekt und gibt die Richtung des gesamten Auftrittes vor. Das knapp neun Minuten lange Instrumental – vom selbstbetitelten 2011er Album – bietet fast alles, was Long Distance Calling ausmacht: Langsam startet der Song mit Elektro-Elementen und Samples, bevor die Band die Bühne betritt und sogleich eine beachtliche Soundwand errichtet. Geschickt drosseln sie immer wieder das Tempo und lassen kleine Harmonien zum Vorschein kommen, bevor der Song wieder an Härte und Tempo zunimmt. Die Bühne ist schlicht gehalten, nur ein Banner der Band ziert die Rückwand – an diesem Abend geht es um Musik – nur um Musik, nicht um Show.

Den endgültigen Beweis dafür, dass LDC auch ohne ihren 2012 ausgestiegenen „Elektroniker“ Reimut van Bonn immer noch sie selbst sind, erbringt das sich sofort und harmonisch anschließende „Inside The Flood“ vom aktuellen Album. Dabei stellt Martin Fischer – als neuer (erster fester) Sänger der Band – seine Live-Qualitäten unter Beweis. Vergleiche mit Chris Cornell drängen sich in der Tat auf. Fischer bedient außerdem Keyboard und Laptop. Er tritt auch während seiner Gesangparts nicht hinter seinem Pult im hinteren Teil der Bühne hervor. Ein klares Zeichen dafür, dass LDC seine Stimme auch zukünftig nur dann einsetzen, wenn sie es als passend empfinden.

Vor „Sundown Highway“ („Avoid The Light“, 2009) begrüßt Gitarrist Florian Füntmann das zahlreich erschienene Publikum – für einen Sonntagabend ist die neue und größere Batsckapp wirklich erstaunlich gut gefüllt. Es folgen „Timebends“ und „Black Paper Planes“, bevor eine kleine Rarität geboten wird: LDC covern „How The Gods Kill“ vom gleichnamigen 92er Danzig Album. Und dabei geht ziemlich die Post ab – sogar Martin Fischer hält es nicht mehr hinter seinem Pult. Er schnappt sich das bisher völlig verwaiste Front-Mikro und zeigt, dass er auch in aggressiveren Gesangsparts ordentlich abliefern kann. Die Band begleitet ihn dabei mit fettem Gitarren- und Bass-Sound.
Heutzutage eher selten, aber nach diesem Brecher – und einer guten Stunde Spielzeit – legt die Band eine zehnminütige Pause ein.

Nach der Pause starten LDC wieder etwas gemächlicher. Mit „Jungfernflug“ („Satellite Bay“, 2007) gibt es den ältesten Song des Abends zu hören. Gleichzeitig haben die Jungs damit von jedem ihrer vier Alben mindestens einen Song gespielt. Es kommt aber noch besser: Große Freude bereitet Füntmann den Fans, indem er danach einen völlig neuen Song ankündigt. Auf ihrer eigenen Setlist trägt er den Arbeitstitel „Keyboard Air“. So startet das neue Stück auch ruhig und gemächlich mit einer Keyboard-Harmonie. Sie trägt den Song eine Weile. Nach und nach übernehmen allerdings Bass und Gitarren die Führung. Das Keyboard bleibt im Hintergrund, aber präsent und bestimmend. Im letzten Drittel übernehmen dann endgültig die Gitarren und der Song endet in einem Gitarren-Solo von David Jordan. Ein typischer LDC-Song mit schönen harmonischen und progressiven Elementen, der aber auch nicht an rockiger Härte spart. Den anwesenden Fans gefällt er hörbar. Man darf gespannt sein, ob dieser Song charakteristisch für ein neues Album ist – mit dem allerdings vermutlich nicht vor 2015 zu rechnen ist.

Nach etwas über zwei Stunden ist die einzige Veröffentlichung, von der bis dahin noch kein Song gespielt wurde, die 2008er Split-EP, „Long Distance Calling meets Leech on 090208“, die sich LDC mit den Schweizern von Leech teilen. Tatsächlich setzt der erste Track dieser Scheibe – „Metulsky Curse Revisited“ – den mächtigen Schlusspunkt hinter ein exzellentes, extrem kurzweiliges und sehenswertes Konzert. Zu einer Zugabe lassen sich die Jungs auch nicht lange bitten. Bevor die Hallenlichter den Abend mit „Long Distance Calling“ jäh beenden, ertönt noch das gut zwölfminütige „Apparitions“ aus den Boxen der Batschkapp.

Ein sehr ordentliches Warmup der eigentlichen Tour, bei der die Fünf im Februar von Junius und Wolves Like Us begleitet werden.

Setlist:
Into the Black Wide Open
Inside The Flood
The Figrin D’an Boogie
Sundown Highway
Timebends
Black Paper Planes
How The Gods Kill
Jungfernflug
Neuer Song
Ductus
The Man Within
Arecibo (Long Distance Calling)
Metulsky Curse Revisited

Zugabe:
Apparitions

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