Joe Bonamassa – 06.03.2016 – Jahrhunderthalle, Frankfurt

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Joe Bonamassa bringt den Blues nach Frankfurt

Gitarren-Virtose Joe Bonamassa brachte sein „Guitar-Event of the Year“ gleich an zwei aufeinander folgenden Abenden auf die Bühne der Frankfurter Jahrhunderthalle. Vor jeweils ausverkauftem Haus gab der 38 -Jährige eine bunte Reise durch die Geschichte des Blues-Rock und seine eigenen Alben zum Besten. Auch von seinem noch unveröffentlichten neuen Album „Blues Of Desperation“ waren einige Stücke zu hören.

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Schlag 20 Uhr erlosch das Licht in der Halle und aus den Boxen dröhnte Johnny Cash mit „Ring of Fire“. Während einige noch ihre Sitzplätze suchten, galt der erste Spot des Abends Tastenkönig Reese Wynans. Während sich die dunkle Bühne langsam füllte, spielte er die ersten Takte von Jethro Tulls „Locomotive Breath“. Als auf einen Schlag alle Bühnenlichter angingen und die anderen fünf Musiker einstiegen, begann die Show gleich mit dem nagelneuen Song „This Train“. Dabei ging ganz ordentlich die Post ab. Wenn das die Marschrichtung des neuen Albums ist, muss man kein Prophet sein, um zu sagen, dass Bonamassa nach seinem Recht erfolgreichen letzten Studio-Album „Different Shades of Blue“ (2014) noch einen drauf setzen kann. Es sollten drei weitere neue Songs folgen, die allesamt hervorragend beim Publikum ankamen.

Bonamassa_Frankfurt_004Die Bonamassa-Band bestand aus fünf Musikern. Neben dem schon erwähnten Wynans an Piano und Hammondorgel standen Bassist Michael Rhodes, Drummer Anton Fig sowie das Bläser-Duo Lee Thornburg (Trompete) und Paulie Cerra (Saxophon) auf der Bühne. Der Fokus lag aber natürlich auf Bonamassa selbst – der unaufgeregt im blauen Maßanzug und braunen Lederschuhen mit obligatorischer Sonnenbrille auch die schwierigsten Fingerübungen meisterte. Dabei war es immer wieder erstaunlich, wieviel Blues er in der Stimme hatte und in welche extatischen Soli er sich immer wieder hineinsteigern konnte.

Nach dem ersten Block aus vier neuen Songs schallte hörbare Begeisterung durch die Jahrhunderthalle. Vielen Besuchern reichten die Hände als Geräuschelement nicht mehr aus. Jubelrufe und Getrampel mit den Füßen mischte sich in das Klatschen. Der zweite Block bestand das Cover-Versionen von alten Blues-Meistern. Dabei wählte Bonamassa erneut nicht unbedingt nur Klassiker und Naheliegendes aus. Auch beließ er es nicht beim einfachen Nachspielen, er interpretierte und webte behutsam seinen eigenen Stil in die Songs ein, die zwischen 40 und 50 Jahren auf dem Buckel hatten. „See See Baby“ (Freddie King) oder „Never Make Your Move Too Soon“ (B.B. King) lösten ebenso Begeisterung und Verzückung aus wie „Hey Baby“ (Jimi Hendrix). Letzteres Stück ist bekanntlich der Opener von „Different Shades of Blue“ und leitet damit den dritten Block ein. Einem recht dramatisch und emotional vorgetragenen „Oh Beautiful“ folgt die erste kleine Pause und der einzige Moment des Abends an dem Bonamassa ein paar Worte an das Publikum richtete. Dabei stellte er höflich und mit überschwänglichem Lob seine Band vor, gab zu, dass ihm seine Hand schmerzt, das aber so sein müssen, dass Musik müsse nun mal auch wehtun und bedankte sich für die zwei Mal über 3000 Menschen, die ihm an zwei Abenden volles Haus bescherten.

Damit war es genug der Worte, denn ein paar Highlights hatte der Abend noch zuBonamassa_Frankfurt_003 bieten. Bonamassa bewies in „Love Aint´t a Love Song“ beispielsweise, welche Macht Stille bzw. leise Töne haben können. Das Gitarren-Solo spielte er an einigen Stellen so leise und behutsam, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Dass nichts außer den messerscharfen Riffs zu hören war, ist wohl der Spannung zu zuschreiben, die sich in der Halle breit gemacht hatte.

Das Tim Curry Cover „Slow Gin“, welches fast zum festen Bestandteil einer Bonamassa-Show gehört, leitete den Abschluss des beeindruckenden Blues Abends ein, gefolgt von dem ebenso gerne und oft live gespielten „The Ballad of John Henry“. Spätestens dabei hielt es das zumeist gesetzte und gesittete Publikum nicht mehr auf den Sitzen. Von allen Seiten drängten die begeisterten Fans an den Bühnenrand und es saß niemand mehr. Die Band ließ sich daher auch nicht lange bitte noch eine Zugabe zu spielen. Bonamassa_Frankfurt_005Passend zum vor Jahresfrist veröffentlichten Muddy Waters/Howlin Wolf Tribute-Live-Album „Muddy Wolf at Red Rocks“ bildete „All Aboard“ vom großartigen Muddy Waters den krönenden und gefeierten Abschluss. Dabei konnte jeder Instrumentalist noch einmal mit einem kleinen Solo glänzend und Bonamassa und Wynan duellierten sich geradezu mit ihren Instrumenten.

Nach guten zwei Stunden endete ein furioser Konzertabend endgültig. Melancholie hatte dieses Blues-Konzert ganz und gar nicht zu bieten. Die machte sich höchstens beim Verlassen der Halle und der Erkenntnis breit, dass es nun vermutlich mindestens zwei Jahre dauern würde, bis Joe Bonamassa wieder mal auf deutschen Bühnen zu sehen sein wird.

Die Fotos von der Show gibt es hier.

Setlist:
Locomotive Breath
This Train
Mountain Climbing
Blues of Desperation
No Good Place for the Lonely
See See Baby
Never Make Your Move Too Soon
Angel of Mercy
Hey Baby (New Rising Sun)
Oh Beautiful
Love Ain’t a Love Song
Nobody Loves Me But My Mother
I Gave up Everything for You, ‚Cept The Blues
Going Down
Sloe Gin
The Ballad of John Henry

All Aboard

 

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