Hurricane Festival 2016

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Der Sommer lässt auf sich Warten und das bekommen auch Liebhaber von Open-Air-Festivals zu spüren. Diverse Bands, Tage oder sogar komplette Festivals müssen den Unwettern oder den Warnungen davor weichen. Auch das Hurricane in Scheeßel bleibt davon nicht verschont. Die „Warm-Up-Party“ am Donnerstag fällt buchstäblich ins Wasser und auch der Freitag muss immer wieder unterbrochen und der Wiedereinlass verschoben werden. Die Red und White Stage bleiben unbespielbar und der Spielplan ist stark eingeschränkt. Anstatt heißer Musik steht nun Warten im Zelt oder in den Autos an. Das Smartphone bleibt dabei wichtiger Begleiter, denn die Crew gibt über Facebook oder die Hurricane-App immer Wasserstandsmeldungen im wahrsten Sinne des Wortes ab. Die Kommunikation läuft vorzüglich. Auch auf dem Platz, wie zum Beispiel an der Bändchenausgabe üben sich alle in Geduld, helfen einander und nehmen es mit Humor. Die schwedische Band The Hives eröffnet den Freitagabend auf der Green Stage und lässt sich dafür kräftig feiern. Sänger und Frontmann Per Almqvist ist eh für seine große Klappe bekannt und stellt es so dar als hätten seine Band und er den Regen verscheucht. Darauf wird ein bisschen zu oft herumgeritten und auch der eigentlich ermunternde Satz „Are You Ready?“ verfehlt die Wirkung, wenn dieser während des Gigs permanent verwendet wird. Musikalisch machen The Hives aber alles richtig, spielen ein Set quer durch die Diskografie und bieten ihre Hits auf. Deutlich voller – natürlich weil auch enger – ist es dann vor der blauen Bühne, wo die Jungs von Annenmaykantereit ihren Auftritt geben. Das Kölner Trio, welches einfach die Nachnamen aneinandergereiht zum Bandnamen gemacht hat, ist längst kein Geheimtipp mehr und bei jungen Leuten sehr beliebt. Das Geheimrezept liegt sicher an der rauen Stimme von Henning May und die Mischung aus melancholischen Texten sowie tanzbaren Melodien, die eine ordentliche Portion Blues enthalten. Während Annenmaykantereit in die Zielrichtung ihres Sets einbiegen beginnen wenige Meter weiter die Männer von den Dropkick Murphys für Stimmung zu sorgen. Doch auf den Weg dorthin wird das Ausmaß des Regens und der Bodenbeschaffenheit deutlich. Der Autor dieses Artikels ist Rollstuhlfahrer und kommt ohne mehrfache Hilfe nicht vom Fleck. Zudem ist es voll und so dunkel, dass nicht zu erkennen ist, ob ein zwei Meter weiter links oder rechts der Boden besser befahrbar wäre. Besucher helfen mit und tragen den gesamten Rollstuhl bis zur Rollstuhltribüne der Green Stage. Schaffbar aber eben bei weitem nicht ungefährlich und definitiv nicht mehrmals am Tag machbar. Doch Rammstein kann in vollen Zügen genossen werden. Hier geben sich guter Sound, gute Stimmung sowie eine beeindruckende Feuershow und Effekte durch Pyrotechnik die Klinke in die Hand. Die Band aus Berlin verzichtet komplett auf Ansagen von Songs, lässt sich aber trotzdem auf das Publikum ein. Dort wo es passt und Hits besonders bekannt sind, sollen die Fans des Hurricanes die Refrains singen oder zumindest weiterführen. Doch die Show findet nicht nur auf oder vor der Bühne statt. Es wird tatsächlich so konstruiert, dass das Feuer an Schnüren bis in den Innenraum am Himmel brennt. Alle Hits schaffen Sänger Lindemann und seine Kollegen nicht in das Set unterzubekommen, dafür haben sich über die Jahre zu viele angesammelt. Aber zu „Engel“ gegen Ende legt sich der Frontmann Flügel an und schwebt selbst gezogen an Seilen über der Bühne. Ein guter und würdiger Abschluss des ersten Festivaltages.

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Der Festivalsamstag fällt leider witterungsbedingt komplett ins Wasser. Es kommt gegen Abend sogar mal zu einer kurzzeitigen Einlassphase, doch erneute Regengüsse verhindern, dass eine Band hier auftreten kann. Das wird auch immer gut kommuniziert vor allem über die sozialen Medien. Bis zuletzt wird gehofft und versucht, eine Gefährdung wird aber nicht eingegangen.

Alle guten Dinge sind drei. Und so kommt es am Sonntag zu einem von vorn bis hinten funktionierenden Timetable. Mehrere tausend sind schon abgereist und auch die Lage für die Rollstuhlfahrer hat sich leider nicht verbessert, sodass der Autor am Festivalsonntag leider nicht mehr teilnehmen und somit auch nicht berichten kann. Doch es hakt auch am Sonntag zum Schluss etwas. Die Abreise gestaltet sich sehr mühsam und undurchsichtig. Um den Abreisestrom zu entlasten, werden die Zufahrtwege gesperrt und niemand kommt mehr zum Gelände. Das ist für die die abgeholt werden oder Leute treffen müssen sehr ungünstig. Dadurch müssen viele inzwischen auch erschöpfte Besucher viel Zeit, Geduld und Fußmärsche in Kauf nehmen. Bei Dunkelheit und Totalausfall des Mobilnetzes und Internet, müssen so zusätzliche Strapazen auf sich genommen werden. Das hätte mit einer Vorankündigung der Straßensperrungen besser gelöst werden können.

Dennoch insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Kommunikation gut lief, abends und nachts schwer gearbeitet wurde, um die Bühnen wieder herzurichten. Und vielleicht das Schönste und Wichtigste: Verletzte und Todesfälle blieben aus und der Humor wurde nie verloren. Inzwischen gibt es sogar offizielle Hurricane-T-Shirts zu kaufen, die ein Logo „Hurricane-Swim-Team“ tragen. Wohl die beste Art, um mit den eher bescheidenen Bedingungen und einer Menge verpasster Musik umzugehen.

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