Gogol Bordello – Pura Vida Conspiracy-Tour – 20.11.13, Köln, E-Werk

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Gogol Bordellos Aufstieg verläuft stetig und in den letzten Jahren rasant. Schuld sind sicher die Auftritte mit Madonna, die Teilnahme am Film „Alles ist erleuchtet“ sowie dem Album „Trans-Continental Hustle“ (VÖ: 05/2010) welches von niemand geringerem als Rick Rubin produziert wurde. Sind Gogol Bordello massentauglich geworden? Wer sich im E-Werk umsieht, kann den Eindruck gewinnen, denn alternativ oder punkig angehaucht wirken hier die wenigsten.

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Der Innenraum ist dennoch gut gefüllt, die Balkone allerdings zugezogen, als Man Man aus den USA den Support bestreitet. Die Band beschreibt ihren Musikstil und Sound als Experimental Rock und nutzt dafür laut Wikipedia Clavinet, Moog Little Phatty, Sousaphon, Saxophon, Trompete, Waldhorn, Flöte, Bassklarinette, Schlagzeug, Euphonium, Fender Jazz Bass, Danelectro Baritongitarre, Xylophon, Marimbaphon, Melodica und diverse Schlaginstrumente, inklusive Töpfe, Pfannen, Kinderspielzeuge, chinesische Beerdigungshörner, Löffel, zerbrochenes Geschirr und Feuerwerk. Alles nicht, aber doch vieles kommt davon heute Abend zum Einsatz und so ist der Sound auf der Bühne wohl gut vorstellbar: Wirr, schräg, laut und einzigartig. Die perfekte Wahl als Vorband für Gogol Bordello wurde hier getroffen und so weiß diese zu gefallen. Das Quintett zieht alle Register, agiert sogar geschminkt und kostümiert, so hat Gogol Bordello ein leichtes Spiel, daran anzuknüpfen.

Und tatsächlich gelingt es ihnen spurlos, das E-Werk zum Kochen zu bringen und die Stimmung auch zu halten. 8-9 Musiker stehen die ganze Zeit on stage und ein Kracher jagt den nächsten. Ob die Gitarren, die Geige oder das Akkordeon, der Sound ist perfekt eingestellt, kein Instrument verblasst zu sehr oder geht im bunten Treiben zu sehr unter. Ansagen oder gar Pausen gibt es so gut wie keine, Zeit zum Durchschnaufen können nur die wenigen Balladen in der Setlist von über 20 Songs verschaffen, in der jedes Studioalbum der Bandgeschichte berücksichtigt wird. Das Kölner Publikum geht ordentlich mit ohne jedoch gefährlich und rücksichtslos auszurasten. Hier und da betreiben vereinzelt Konzertbesucher Crowdsurfing und auch auf der Bühne geht es durchaus rund und so muss sich Sänger und Frontmann Eugene Hütz seines Hemdes bald entledigen. Eine tolle aber eben auch schweißtreibende Show, die sie abliefern. Alles ist abgesprochen, jeder Schritt sitzt, jede Aktion einstudiert. Und das ist der Knackpunkt. Zwar tut es der Stimmung keinen Abbruch, ist jedoch schade, da für Spontanität kein Raum bleibt und es dem Konzert etwas an Seele fehlt. Aber zwei Stunden Powerplay ist eine ganze Menge und darin kann Gogol Bordello kaum jemand etwas vormachen.

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