Fury in the Slaughterhouse – 18.08.2018 – Loreley, Freilichtbühne

Foto: Martin Huch

Die Freilichtbühne an der Loreley in Sankt Goarshausen gehört wohl zu den schönsten Veranstaltungsstätten Deutschlands. Großartige und namhafte Bands gaben und geben sich hier meist bei Einbruch der Dunkelheit die Ehre. Der perfekte Ort für leise und laute Töne. An diesem Samstag Abend spielen die Herren von Fury in the Slaughterhouse eines ihrer wohl (vorerst?) letzten Konzerte. Was als einmalige Idee zum 30-Jährigen Geburtstag der Band entstand und eher als eine Art Klassentreffen gedacht war, mauserte sich zu zwei kompletten Touren über zwei Jahre, da der Zuspruch so groß war und ist.

Doch bevor die Furies die Highlights aus ihrer Diskografie zum Besten geben, gehört zunächst zwei Support-Acts die Bühne.

Benjamin Rose – auch als BenJRose unterwegs – ist ein Singer-/Songwriter aus Köln, wie er in Deutschland seltener zu finden ist. Ist der Großteil doch eher soft und ruhig unterwegs, kann Rose durchaus als männliche Rockröhre durchgehen. Er hat aber auch eine starke und gut eingespielte Band im Rücken und macht vor allem mit seiner kräftigen Stimme Eindruck. Eine Band, von der es gut sein kann, dass sie sich etablieren kann.

Fast schon das Gegenteil davon ist Jan Löchel. Er ist der sanfte und gutmütige Gitarrist, der in seinen Ansagen sehr auf das Publikum eingeht, sich sehr publikumsnah gibt und die Leute zum Mitmachen animiert. Dabei punktet er vor allem mit Coverversionen wie „Mystify“ von INXS. Um das Publikum zu erreichen und in diesem Rahmen für Stimmung zu sorgen vielleicht genau das Richtige, um seine eigene Visitenkarte abzugeben eventuell nicht ganz das Passende. Da hilft auch ein Duett mit Anne de Wolff, die als Multiinstrumentalistin diverse Bands und Musiker unterstützt, wie auch Fury in the Slaughterhouse, denn hier zieht sie mehr Aufmerksamkeit als er. Dabei ist auch Jan Löchel in mehreren Combos dabei (u.a. Henning Wehland), aber auch äußerst erfolgreicher Produzent und weiß, wie es geht. Hier zeigt er leider ein bisschen zu wenig davon.

Gegen 20 Uhr ist es dann aber soweit. Fury in the Slaughterhouse beginnen ihr Set. Sehr schnell werden die ersten großen Hits ausgepackt und immer wieder mit unterstützenden Musikern exzellent in Szene gesetzt. Manches klingt minimal sanfter oder akustischer als auf Platte, es ist aber eindeutig ein Plugged-Konzert und auch flottere und rockigere Songs wie „Milk & Honey“ werden gespielt. Sowieso finden in der rund zweieinhalbstündigen dauernden Setlist alle Hits Platz und das Publikum ist mehrmals regelrecht aus dem Häuschen. Lauthals singt es die Refrains von zum Beispiel „Won’t forget these days“ mit und unterstützt die Männer aus Hannover, wo es nur kann. Es ist der exquisite Mix aus sehr guten Musikern, zeitlosen Songs, eine Menge Nostalgie aber auch – und das ist vielleicht das Wichtigste – Demut auf beiden Seiten. Es ist zu merken, dass es der Wunsch von Fury in the Slaughterhouse war, an der Loreley noch einmal aufzutreten. Und von den Fans ist spürbar, dass sie sich darüber freuen, Musik, die sie lange begleitet hat, noch einmal live zu hören, ja, sogar zu erleben. Und so wird aus all diesen guten Zutaten ein magischer Abend und mit Abstand das beste Konzert von Fury in the Slaughterhouse, das der Autor je sah. Bei diesem Gig wird klar, welchen Stellenwert diese Band wirklich in der deutschen Musiklandschaft hat. Es ist ein internationaler Sound, der dafür sorgte, dass es ihnen gelang auch in den USA Achtungserfolge zu feiern, was ja nur wenigen deutschen Bands gelingt. Und so ist es richtig schwer zu beantworten, ob bei soviel Potenzial es nicht wünschenswert wäre, wenn sie weitermachen würden oder ob sie es genau dabei belassen sollten, um eben genau das Erreichte und Geschaffene nicht zu beschädigen.

 

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