Flying Colors – 11.10.2014 – Batschkapp, Frankfurt

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Am 11. Oktober spielte die Progressive-Rock-Super-Group Flying Colors eine einzige Deutschland-Show in der Frankfurter Batschkapp. Den Autokennzeichen nach zu urteilen reisten Fans aus dem ganzen Land an, um der Band – bestehend aus Mike Portnoy, Neal Morse, Dave LaRue, Steve Morse und dem jungen Frontmann Casey McPherson – zu huldigen. Aber auch Englisch und Französisch wurde in der langen Schlange vor der Halle gesprochen.

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John Wesley

Einlass für das Konzert war mit 17:30 Uhr ungewöhnlich früh. Trotzdem war der Andrang sehr groß und die Halle schon zum Anheizer – der John Wesley Band – gut gefüllt. Wesley ist (oder war? So genau weiß man es ja nicht …) der Live-Gitarrist von Porcupine Tree. So spielte er dann auch ordentlich gitarrenlastigen Rock. Hin und wieder schienen die Songs sogar eine kleine Spur vom Gewürz des Stachelschwein-Baumes zu enthalten. Seine drei-köpfige Band – Ian Medhurst (Gitarre), Sean Malone (Bass) und Mark Prator (Schlagzeug) – ging ambitioniert zur Sache und Wesley selbst konnte, neben seinem exzellenten Gitarrenspiel, mit recht angenehmer Stimme überzeugen.
Ein kleines Raunen ging durch die Menge, als Bassist Malone von der Bassgitarre zum Chapman Stick wechselte und diesen tadellos beherrschte. Insider trauten ihm aber spätestens seit seiner namentlichen Vorstellung Großes zu. Wussten sie doch, dass es sich um den On/Off-Bassisten der amerikanischen Progressive- und Death-Metal-Band Cynic handelt. Das waren aber auch schon die Highlights des Auftrittes. So richtig mitreißen konnte der Vierer nicht und es wollte auch keine Melodie hängen bleiben.

Die Flying Colors begannen ihren Auftritt mit dem zwölf-minütigen Opener vom aktuellen Album „Open Your Eyes“. Eine kluge Entscheidung, denn auch wenn dieser Song stark nach einer anderen Band klingt (wir sprachen darüber), so bietet er einen sanften Aufgalopp,Mike Portnoy zunehmende Intensität und ausreichend Möglichkeiten für die Instrumentalisten um sich zu zeigen. Diese nutze vor allem Bassist Dave LaRue, der in seinem Erscheinungsbild und seinem Verhalten schon ein wenig an Iron Maidens Steve Harris erinnerte. Aber auch Mike Portnoy nahm jede Gelegenheit wahr, um hinter seinem Drumkit rumzuhopsen, Stöckchen-Akrobatik zu zeigen, Faxen mit Keyboarder Neal Morse zu machen oder das Publikum anzufeuern. Morse schien allerdings nicht seinen besten Tag erwischt zu haben. Er hielt sich auffallend stark im Hintergrund und hatte sogar einen kleinen Texthänger. Gitarrist Steve Morse (übrigens weder verwandt, noch verschwägert mit Neal), wirkte wie der Ruhepol der Band. Versunken in sein Spiel, die Augen meist geschlossen, das Gesicht bei jedem süß-verzerrten Ton verzogen, stand er auf der Bühne und lieferte mit seinen beeindruckende Gitarrenmelodien eine der tragenden Säulen in der Musik der Band. McPherson nahm seine Rolle als Frontmann etwas selbstbewusster wahr, als noch vor zwei Jahren. Insgesamt wirkte die Band auch eingespielter und vertrauter.

Songs des ersten Albums und des aktuellen Werkes „Second Nature“ wechselten sich munter ab und interessanterweise mischten sie sich erstaunlich gut. Während die beiden Alben einzeln gesehen signifikante Unterschiede aufweisen, wirkte die Live-Kombination sehr homogen. Die Band drückte ordentlich aufs Gas und nahm erst zur Hälfte des Sets für einen akustischen Beginn von „One Love Forever“ das Tempo etwas raus. Morse, Portnoy und McPherson kamen dafür gemeinsam an den Bühnenrand und stimmten den Song gesanglich ein.

Casey McPhersonDanach hatte McPherson seinen großen Solo-Auftritt. Für die Alpha Rev-Ballade „Colder Months“ gönnten sich alle Band-Kollegen eine Pause und überließen ihrem Frontmann die Bühne ganz allein. Im Gegensatz zur Tour 2012 sollte es die einzige Cover-Version des Abends bleiben. Die Band erschien gegen Ende des Stückes wieder auf der Bühne und mischte dieses geschickt mit dem Beginn von „Peaceful Harbor“. Damit und mit dem folgenden „The Storm“ wurde das Tempo langsam wieder angezogen und bereitete das Feld für die großartige „Cosmic Symphonie“. Daran schloss sich „Mask Machine“ als würdiger und fulminanter Abschluss an.

Als Zugabe gab es dann noch das gut zwölfminütige „Infinite Fire“ zu hören. Nach einer Stunde und 45 Minuten war dann endgültig Schluss. Bei der minutenlangen Verabschiedung standen sich Band und Publikum außerordentlich glücklich gegenüber. Damit ist zumindest eine Sache ist klar geworden: Sollten Flying Colors mit einem weiteren Album wieder auf Tour gehen, werden sie nicht mit nur einer Show in Deutschland davon kommen.

Wer diese „Tour“ verpasst hat, wird sich mit der sicherlich erscheinenden Live-DVD behelfen müssen. Sehens- und hörenswert wird das ganz sicher sein.

Die Bilder der Show gibt es hier.

Setlist:
Open Up Your Eyes
Bombs Away
Kayla
Shoulda Coulda Woulda
The Fury of My Love
A Place in Your World
Forever in a Daze
One Love Forever
Colder Months
Peaceful Harbor
The Storm
Cosmic Symphony
Mask Machine

Infinite Fire

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