Eric Clapton – 24.06.2014 – SAP-Arena, Mannheim

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Im Sommer 2013 war Eric Clapton – mit der Tour zu seinem 50. Bühnenjubiläum – zuletzt auf deutschen Bühnen zu sehen. Im Gepäck hatte er damals sein Album „Old Sock“. Am 24. Juni 2014 kehrte „Mr. Slowhand“ für ein einziges Konzert zurück nach Deutschland und trat in der Mannheimer SAP-Arena auf. Zehntausend Fans aus allen Himmelsrichtungen wollten sich davon überzeugen, ob Clapton wirklich die alte Socke ist, für die er sich selber hält.

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Den Anfang machte allerdings die Mannheimer Band namens Haller. Euphorisiert von der Möglichkeit als Vorband des Meisters spielen zu dürfen, trugen sie schönen, deutschsprachigen Alternative-Rock vor. Zwar wirkte das Trio um Frontmann Martin Haller mit ihrem Singer-/Songwriter-Stil etwas verloren im weiten Rund der riesigen SAP-Arena, die Zuneigung des Publikums konnten sie aber schnell gewinnen. Die musikalischen Kurzgeschichten sind textlich stark und ihre aktuelle EP „Tätowiert“ macht Lust auf mehr. Die Songs sind garantiert perfekt geeignet für laue Sommerabende oder kleinere Bühnen mit mehr Nähe zum Publikum und „Bleib wo du bist“ hat sogar ausgeprägtes Ohrwurm-Potential.

Kurz vor 21 Uhr betrat Eric Clapton mit seiner siebenköpfigen Band die Bühne. Im Vergleich zur letztjährigen Tour hat sich in deren Besetzung einiges getan. Neben dem zweiten Gitarristen Andy Fairweather-Low, der auch bei Claptons legendärem MTV-Unplugged-Konzert mitwirkte, sind die alten Weggefährten Dave Bronze (Bass) und Henry Spinetti (Schlagzeug) neu in der Band. Paul Carrack , Chris Stainton (beide Keyboard) sowie die beiden Background-Sängerinnen Sharon White und Michelle John sind schon länger dabei.

Lässig in Jeans, Sneaker, mit flamingo-rosa farbenem Hemd und Jeansjacke eröffnete Clapton das Konzert mit „Somebody’s Knocking“. Die vielen hochgehaltenen Smart-Phones im Publikum ließen kurze Zweifel daran aufkommen, dass das Durchschnittsalter der Anwesenden deutlich über 50 lag und die Hauptperson auf der Bühne im kommenden Jahr 70 wird. Aber schon beim zweiten Song „Key to the Highway“ – eines von Claptons Meisterstücken – waren die Geräte in den Taschen verstaut und die Hände wurden als Rhythmusinstrumente genutzt. „Hoochie Coochie Man“ (von Willie Dixon geschrieben und 1954 von Muddy Waters aufgenommen) gestattete eine Reise weit zurück in eine Zeit, als der Rock ganz vorsichtig aus den Wurzeln des Blues gekrochen kam.
Zweifelsohne wurde an allen Ecken die musikalische Brillanz Claptons deutlich. Technisch beeindruckende und verzückende Gitarren-Einlagen waren in jedem Song zu sehen und zu hören. Das Publikum beklatschte sie artig und blieb doch irgendwie außen vor. Clapton wirkte wie in einem Tunnel, wie in seiner eigenen Welt. Da er völlig auf Ansagen verzichtete, gelang es ihm nicht, seinem Publikum eine Tür zu dieser Welt zu öffnen.

Als die Band fast komplett die Bühne verließ und Clapton allein mit einer Akustik-Gitarre auf der Bühne saß, gab es die Chance für mehr Intimität. Doch der folgende Akustik-Block aus weiteren Cover-Versionen, „Tears in Heaven“ und „Layla“ schaffte es nicht, das Publikum zu entführen. Möglicherweise funktioniert Claptons hoch geschätzte Art den Blues immer noch so zu spielen, als sei er in einem kleinen Klub auf dem Lande, einfach nicht in einer Mehrzweck-Arena vor über 10.000 Menschen.
Zumindest hatte „Driftin Blues“ mit einem beeindruckenden Finger-Picking-Intro etwas Spannung und den Ansatz von Magie zu bieten. „Tears in Heaven“ – vorgetragen in einer Version mit leichten Reggae-Einflüssen – und „Layla“ bildeten das Ende des Akustik-Teils.

Paul Carrack eröffnete den letzten Teil der Show. Als ehemaliges Mitglied der Band Ace, dufte er deren größten Hit „How Long“ selbst singen. Dabei war zum ersten Mal an diesem Abend richtige Live-Energie zu spüren. Gegen diesen Carrack wirkten Claptons Darbietungen nur noch solide. Sauber und auf hohem Niveau, aber wenig mitreißend und fast schon lustlos. Mit dem folgenden „Gin House Blues“ war Gitarrist Andy Fairweather-Low 1967 mit seiner damaligen Band Amen Corner zum ersten Mal in den britischen Charts vertreten. Auch er durfte diesen Song singen und lieferte einen temperamentvollen und rohen Auftritt ab. Nur gut, dass mit dem folgenden Cross Road Blues (Robert Johnson Cover aus Claptons Zeit bei Cream) kein Show-Stopper folgte und die Energie aufgefangen und hochgehalten werden konnte. Zum Abschluss des Sets lieferte Clapton noch eine wuchtige und starke Version von „Cocaine“. Da blitzte auf, was hätte sein können.

In der folgenden Zugabe („High Time We Went“) nahm sich Clapton allerdings wieder zurück, blieb im Hintergrund und ließ erneut Paul Carrack den Vortritt am Mikrofon. Das ist musikalisch einigermaßen mitreißend. Als bedeutendes Ende einer Show, auf deren Konzertplakaten der Name „Eric Clapton“ prangt, ist es allerdings nicht geeignet. Es lässt – auch weil es einzige Zugabe bleibt (und Clapton erneut als Erster von der Bühne verschwunden ist) – die Menge einigermaßen ratlos zurück.

Gerade weil derzeit einige Musiker aus Claptons Generation auf Tournee sind oder waren, stellt man sich nach so einem Abend die Frage: Warum tut er sich das noch an? Der ehrliche Wunsch Musik vor Publikum zu spielen dürfen, mit seinen Fans auf Tuchfühlung zu gehen oder auf Tour sein zu wollen, können es bei Clapton – zumindest an diesem Abend in Mannheim – nicht gewesen sein.

Setlist:
Somebody’s Knocking
Key to the Highway
Pretending
Hoochie Coochie Man
Tell the Truth
Driftin‘ Blues
Nobody Knows You When You’re Down and Out
Crazy Mama
Tears in Heaven
Layla
How Long
Gin House
Cross Road Blues
Little Queen of Spades
Cocaine

High Time We Went

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