Erdmöbel – 18.12.2017 – Köln, Kulturkirche

Foto: Matthias Sandmann

Ablehnung oder Hype? Was anderes gibt es wohl kaum, wenn es um den Weihnachtsrummel und -kitsch geht. Und damit sind nicht die religiösen Merkmale gemeint. Wer Jesus‘ Geburt feiern will, soll das natürlich tun. Streitthemen sind doch eher die Rituale drum herum. Aber kann das Ganze kritisch UND unterhaltsam musikalisch beleuchtet werden, ohne Weihnachten zu verunglimpfen?

Dass es geht beweist seit ein paar Jahren die Kölner Band Erdmöbel, die ihr Repertoire Jahr für Jahr um Weihnachtslieder erweitert und sich dem Thema humorvoll aber eben nicht plump nähert. Doch bevor auch in diesem Jahr goldene Sterne oder Lametta besungen werden, tritt zunächst der Support Staring Girl auf. In voller Besetzung zu fünft, sind es an diesem Abend nur drei. Die Nordlichter aus Hamburg und Kiel bieten Singer-/Songwriter-Pop der besseren Sorte. Der Gesang von Steffen Nibbe klingt dunkel und warm, beruhigend und einladend. Über das kleine Set wirken die Musiker sympathisch aber auch ein bißchen schüchtern. Das spiegelt sich auch in der Musik wieder, die eher zurückhaltend klingt und entschleunigend wirkt. Die Musik von Staring Girl macht jedenfalls Lust auf mehr.

Nach einer sehr kurzen Umbaupause betreten Bassist und Arrangeur Ekki Maas, Sänger Markus Berges, Keyboarder Wolfgang Proppe und Schlagzeuger Christian Wübben die Bühne. Komplettiert und erweitert werden sie von einem Bläser und einer Flötistin. Und obwohl das Publikum bereits nach dem Opener „Der letzte deutsche Schnee“ bei „Blinker“ aktiv werden muss und mit einer Handbewegung Blinker imitieren soll, dauert es eine Weile bis Band und Publikum miteinander warm geworden sind. Selbst der neueste Song „Hoffnungsmaschine“ kann nicht so recht zünden. Leider ist Judith Holofernes, die im Original bei dem Song mitsingt, nicht anwesend, wird jedoch würdig vertreten. Erst „Goldener Stern“ mit passender Choreografie lässt die Stimmung dann deutlich ansteigen und bei der Polonaise zu „Ding Ding Dong (Jesus weint schon)“, hat die Kölner Band beim Heimspiel jeden um den Finger gewickelt. Und auch wenn die Töne alles andere als besinnlich klingen, sanfte Töne kommen auch vor im Set der Erdmöbel. So gibt es eine sanft klingende Version von „Last Christmas“ in denen der Refrain jedoch mit Weihnachten, ist mir doch egal“ beginnt. Als Zugabe kommen dann Band, Gastmusiker, Gastsänger und Supportband noch einmal auf die Bühne zurück und hauchen „Nah bei Dir“ in die Mikrofone. Auch das Publikum ist begeistert und stimmt nach und nach stärker und lauter in den Gesang mit ein. Gänsehautstimmung zum Schluss, was will man mehr?

 

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