dredg – 30.04.2014 – Sankt Peter, Frankfurt

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Die Prog-Rocker dredg kamen am 30. April nach Frankfurt und performten im Sankt Peter ihren Klassiker „El Cielo” (2002) in voller Länge. Man durfte gespannt sein, wie die US-Amerikaner dieses komplexe, düstere und atmosphärische Konzeptalbum auf die Bühne bringen würden. Als Vorband trat die Mannheimer Alternative/Progressive-Rock Band The Intersphere auf und hinterließ einen bleibenden Eindruck.

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Die Frankfurter Peterskirche wurde vor zehn Jahren zu einem Veranstaltungszentrum umgebaut. Im früheren Kirchenschiff entstand ein moderner Veranstaltungsraum, der bis zu 1000 Menschen Platz bieten soll. Durch seine Grundarchitektur ist der Raum allerdings leider auch ziemlich schmal. Wenn man also auch etwas vom Konzert sehen möchte, sollte man früh da sein. Ob es daran lag oder am regnerischen Aprilwetter, zum Veranstaltungsbeginn um 20 Uhr war der Saal schon ziemlich voll. Das war auch gut so, denn The Intersphere legten pünktlich los.

Die Mannheimer gründeten sich schon 2006. Seit 2009 treten sie als The Intersphere auf und haben mit ihren letzten beiden Alben – „Hold On, Liberty!“ (2012) und „Relations in the Unseen“ (2014) – auch schon Chart-Erfolge vorzuweisen. Die vier Absolventen der Popakademie sind allesamt exzellente Musiker und haben sich offenbar bereits einiges an Bühnenerfahrung erarbeitet. Sie spielen druckvollen, variantenreichen, klugen Rock. Jeder Song überrascht mit neuen Ideen und kleinen Details. Es ist daher sicher auch nicht falsch, sie ein wenig in Richtung Progressive Rock zu rücken.

Auf der kleinen Bühne des Sankt Peter gaben The Intersphere sofort richtig Gas. Der Funke zum Publikum sprang – trotz sympathisch zurückhaltender Interaktion mit demselben – sehr schnell über. Von Stück zu Stück gab es mehr Applaus. Die steigende Begeisterung hing sicher auch damit zusammen, dass es einfach Spaß machte den vier Musikern dabei zu zusehen, wie sie ihre eigenen Songs einerseits feierten und andererseits gewissenhaft ihr jeweiliges Instrument bedienten. Es war schon fast keine Überraschung mehr, dass am Ende des Sets laute Rufe nach einer Zugabe ertönten.

Diese Band sollte man nicht nur im Auge behalten, sondern sich unbedingt anhören und ansehen. Diesen Sommer werden sie auf diversen Festivals spielen, bevor sie sich im Oktober auf eine Klub-Tour mit 16 Deutschland-Terminen begeben werden.

Nach einer 30mintüigen Umbau-Pause wurde die erste Enttäuschung des Abends offensichtlich. Trotz dem dieses Konzert alleine dem Album „El Cielo“ gewidmet war, konnte man das der Bühne nicht ansehen. Es gab einfach gar kein Bühnenbild.

Mit den ersten Tönen des Intros „Brushstroke: Dcbtfoabaaposba“ betraten die vier Musiker von dredg Bühne. Das Album ist durch das Dalí-Gemälde „Dream Caused by the Flight of a Bee around a Pomegranate One Second Before Awakening“ (Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel, eine Sekunde vor dem Aufwachen)  inspiriert. Alle Zwischenstücke sind daher mit „Brushstroke“ (zu Deutsch: Pinselstrich) gekennzeichnet. Die wirr wirkende Buchstaben-Aneinanderreihung entsteht durch die Anfangsbuchstaben der jeweiligen Wörter des Bild-Titels. Der eingeweihte Fan wünschte sich also vielleicht zu Recht ein Bühnenbild mit einigen Elementen des Gemäldes. Schließlich finden sie sich auch in den Songs wieder. Vielleicht wollte die Band aber auch nicht vom Wesentlichen ablenken – der Musik.

Mit den ersten beiden regulären Songs „Same Ol‘ Road“ und „Sanzen“ wurde die Bühne nämlich in rotes Schummerlicht getaucht. So sollte es auch während des gesamten Sets bleiben. Es änderten sich nur ab und zu die Farben – mal blau und mal lila. Die Herren Hayes, Engles, Campanella und Roulette tauchten in ihre dredg-Welt ab und beschränkten darauf sehr bedächtig und gefühlvoll ihre Instrumente zu bespielen. Viel zu sehen, gab es auf der Bühne also nicht. Bis auf die Stimme von Frontmann Gavin Hayes, die durchweg etwas höher erschien, klang alles wie auf der Platte. Selbst die sehr abwechslungsreichen akustischen Stilmittel wie das Geräusch vom Graben mittels einer Schaufel, Wassergeplätscher, Fragmente gregorianischer Choräle, Sprecheinlagen, schräge Synthesizer-Sounds oder laute Rufe, wurden entweder live produziert oder wurden entsprechend eingespielt.

Da das Album keine Pausen hat, gab es wenig Gelegenheiten oder Anlässe zur Interaktion mit dem Publikum. Der „Szenen-Applaus“ war an diesem Abend schon lauter – allerdings bei einer anderen Band. Auch die anwesenden Zuhörer schwoften also offenbar in ihrer eigenen dredg-Welt. Bei denjenigen, die diesen Übergang zwischen den Welten nicht hinbekamen, sprang der Funke aber merklich nicht über. Nach einer knappen Stunde erklangen auch schon die letzten Takte von „The Canyon Behind Her“ – dem letzten Song von „El Cielo“.

Noch bevor man sich fragen konnte, ob das nun gewesen sein soll, feuerten dredg mit „Ode to the Sun“ und „Bug Eyes“ die ersten beiden Songs von „Catch Without Arms“ (2005) ab. Im Publikum tat sich Sonderbares: Als würde diese Ode Lebensgeister erwecken können, kam plötzlich richtig Schwung in den Sankt Peter. Es wurde das erste Mal während dieses Konzertes geklatscht und getanzt. Das steigerte sich sogar noch, als der Kinderchor den Song „Pariah“ einleitete („The Pariah, the Parrot, the Delusion“, 2009). Mit „Down to the Cellar“ gab es dann noch einen Song vom gleichen Album zu hören und plötzlich tat sich auch auf der Bühne etwas: Im Verlaufe des Songs tauschten die Musiker ihre Plätze an den Instrumenten durch. Leider nutzen sie dieses auch für ihren Abgang. Nach nur 80 Minuten und als die Frankfurter Fans so langsam in Stimmung gekommen waren, ging die Saalbeleuchtung an und beendete den Konzertabend.

Was vorher schon bekannt war, wurde an den Publikumsreaktionen nochmal deutlich: „El Cielo“ ist vielleicht das beste dredg-Album. Es ist aber deutlich weniger zugänglich, als alle folgenden Werke und hat daher möglicherweise auch nicht so viel Live-Potential. Fans in Köln, Berlin und Hamburg – wo Doppel-Shows aus „El Cielo“ und „Catch Without Arms“ gespielt wurden – konnten sich daher sehr, sehr glücklich schätzen. Für Frankfurt muss man sagen, dass die Vorband The Intersphere der Hauptband dredg leider die Show gestohlen hat. Das wäre ihnen bei einer Doppel-Show vielleicht nicht so leicht gelungen.

Die Fotos von der Show gibt es hier.

Setlist
Brushstroke: dcbtfoabaaposba
Same ol‘ Road
Sanzen
Brushstroke: New Heart Shadow
Triangle
Sorry But It’s Over
Convalescent
Brushstroke: Walk in the Park
Eighteen People Living in Harmony
Scissor Lock
Brushstroke: Reprise
Of the Room
Brushstroke: An Elephant in the Delta Waves
It Only Took a Day
Whoa Is Me
The Canyon Behind Her

Ode to the Sun
Bug Eyes
Pariah
Down to the Cellar

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