Dream Theater – 01.02.2014 – Stadthalle, Offenbach

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Das Theater der Träume stand am 1. Februar in Offenbach und öffnete seine Pforten für ein knapp dreistündiges Gesamtkunstwerk in zwei Akten. Auf dem Spielplan stand: „Ein Abend mit Dream Theater“. Vor fast genau zwei Jahren gaben sich die Progressive Metal-Titanen – an gleicher Stelle – zuletzt die Ehre. Dieses Mal sollte die Halle wesentlich voller sein.

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Bereits lange vor dem Einlass in die Offenbacher Stadthalle herrschte vor dem Eingang dichtes Gedränge. Jeder wollte nah an die Bühne, um den vier Virtuosen aus nächster Nähe ganz genau auf die Finger zu schauen. Im Innenraum der Stadthalle war das Licht bereits gedämpft, es lief leise Musik und ein Vorhang verhüllte die Bühne.
Pünktlich um 20 Uhr donnerten die ersten Takte von „False Awakening Suite“ – dem Intro des aktuellen Albums – aus den beachtlichen Boxentürmen. Auf dem Bühnenvorhang wurde – in chronologischer Reihenfolge – jedes Dream Theater Album mit aufwändigen Bewegtbildern zum Leben erweckt. Am Jubel der Menge ließen sich sogar klar einige Favoriten ausmachen.
Als nach gut zwei Minuten das Cover des aktuellen Albums zu sehen war, fiel der Vorhang und sofort errichteten John Petrucci (Gitarre), Mike Mangini (Schlagzeug) und John Myung (Bass) die mächtige Soundwand, die „The Enemy Inside“ einleitet. Jordan Rudess stieg wenig später mit seinen Keyboard-Harmonien ein und pünktlich zu seinem Einsatz, stand auch James LaBrie am Mikro. Auch mit den folgenden Songs blieb die Schlagzahl hoch und die New Yorker trieben sich und die zum Bersten volle Stadthalle ordentlich an.

Auf einer großen LED-Wand an der Rückseite der Bühne liefen während der Songs Videos und Animationen. Zur großen Freude des – wie immer bei Dream Theater – sehr fachkundigen Publikums, gab es pünktlich zu den einzelnen Solis Nahaufnahmen der jeweiligen Instrumente und Musiker. Für Mangini und Rudess waren sogar Overhead-Kameras installiert. Der Genuss einer Dream Theater Show bestand schon immer auch darin, diesen vier exzellenten Musikern bei ihrem technisch hochklassigen Spiel zu zusehen. LaBrie – mit dessen gesanglicher Leistung in den letzten Jahren öfter mal gehadert wurde – war bester Laune und leistete sich überhaupt keine Schwächen.

Während die Saitenhexer Myung und Petrucci in jedem Song ihre Hohepunkte haben, sind die Solos für das Keyboard etwas seltener gestreut. In „Trial of Tears” durfte Rudess dann aber mit einem tragbaren Keyboard ganz vorne am Bühnenrand sein Solo zelebrieren und sich feiern lassen. Während „Enigma Maschine“ hatte Mangini dann die Ehre des Solisten. Das Schlagzeug-Solo war mit knapp drei Minuten zwar etwas kürzer als man es erwarten durfte, Mangini hat aber längst bewiesen, dass er die großen Fußstapfen seines Vorgängers Mike Portnoy locker ausfüllen kann.
„Breaking All Illusions“ setzte den Schlusspunkt hinter den ersten Teil der Show – in dem, bis auf eine Ausnahme, nur Songs von den letzten drei Alben gespielt wurden.

Die 15-minütige Pause wurde durch einen Zusammenschnitt amüsanter Video-Schnipsel verkürzt. Zu sehen waren merkwürdige Cover-Versionen einiger Dream Theater Hits, seltsame Interview-Neusynchronisationen und jede Menge Selbstironie. Selbst der (echte!) Werbespot, in dem der 14-jährige Jordan Rudess klavierspielend für Pflaster wirbt, fand Verwendung. Ein Einspieler, der (hoffentlich nie erscheinende) Action-Figuren der Bandmitglieder anpries, schloss den Werbeblock.

Die Halle wurde kurz in Dunkelheit gehüllt. Als das Licht Sekundenbruchteile später wieder anging, stand die Band bereits auf der Bühne und machte mit „The Mirror“ genau dort weiter, wo sie aufgehört hatte. Während dieses Stückes bewies das Publikum erneut, dass es ein wenig anders ist, als das von anderen Bands. Man kann sich bei keiner Metal-Show (in Deutschland!) so sicher sein, dass das Publikum ohne Schwierigkeiten im Takt klatscht und diesen auch problemlos einige Takte halten kann, wie bei Dream Theater.
Da das Album „Awake“ in diesem Jahr das 20. Jubiläum seiner Veröffentlichung feiert, folgten weitere Songs davon. Die zweite Hälfte der Scheibe wurde hintereinander durchgespielt. Selbst an das Keyboard-lastige und stark von seiner Atmosphäre lebende „Space-Dye Vest“ wagte sich die Band heran. Ein zweifellos mutiges Vorhaben, dass unter den Fans der ersten Stunde sicher nicht nur Jubelstürme ausgelöste. Dennoch, ging die Idee dahinter voll auf und ein wegweisendes Album wurde ausgesprochen schön gewürdigt.
„Illumination Theory” bildete schließlich den Abschluss des zweiten Aktes. Bevor sich die Band erst einmal verabschiedete, holte es die Träumenden zurück in das Hier und Jetzt.

Zurück auf der Bühne und bereit für die Zugabe, wurde einem weiteren Meilenstein der Bandgeschichte gehuldigt. 1999 – also vor 15 Jahren – erschien „Metropolis Pt. 2: Scenes from a Memory“ – von vielen Fans bis heute als DAS Dream Theater Album angesehen. Vier Songs dieses Meisterwerkes standen noch auf der Setlist. Bei „Finally Free“ zeigte sich Offenbach noch einmal sehr textsicher und sang lauthals mit, bevor sich die Band kurz nach 23 Uhr sichtbar zufrieden und glücklich von einem begeisterten Publikum verabschiedete.

Im kommenden Jahr feiern Dream Theater ihr 30-jährigens Bandjubiläum. Man darf gespannt sein, ob sie sich auch dafür etwas Besonderes ausgedacht haben.

Setlist:
False Awakening Suite
The Enemy Inside
The Shattered Fortress
On the Backs of Angels
The Looking Glass
Trial of Tears
Enigma Machine
(With drum solo by Mike Mangini)
Along for the Ride
Breaking All Illusions

The Mirror
Lie
Lifting Shadows Off a Dream
Scarred
Space-Dye Vest
Illumination Theory

Zugabe:
Overture 1928
Strange Déjà Vu
The Dance of Eternity
Finally Free

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