Burgfolk Festival 2013 – Tag 2 – 18.08.2013

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Der zweite Tag beginnt ruhig und noch scheint längst nicht Jede/r wach zu sein. Da eignet es sich gut, dass die Band Zwielicht aus Regensburg gute Arrangements aufweisen kann und neben weichen Harfenklängen auch druckvollen und eingängigen Mittelalter-Rock spielt. Hier spürt man Kenner am Werk, die über einiges Können, Know-How und ein gutes Zusammenspiel verfügen. Eine Bereicherung für das Burgfolk, die es wert ist (an)gehört zu werden.

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Ebenso sympathisch, aber leider von der Technik oft im Stich gelassen, kommen Ally The Fiddle aus Norddeutschland daher. Hier ist der Bandname Programm, denn im Mittelpunkt des progressiveren Sounds steht die Geige und Frontfrau Ally Storch. Manche Songs covern die Nordlichter instrumental, nur selten greift sie zum Mikro. Dabei hat sie eine klare Stimme, die leider wegen der technischen Probleme in der restlichen Instrumentierung von Gitarren, Schlagzeug und Bass etwas untergeht. Ally The Fiddle weisen auch auf ihr kommendes Album hin und dass Fans die Band weiterhin per Crowdfunding unterstützen können und sollen, damit die Tour ausgiebig wird. Damit die Katze nicht im Sack gekauft wird, bringen sie zum Schluss ihres Sets zwei Stücke von jenem Album, dessen Veröffentlichungstermin noch unbekannt ist.

Was danach folgt, mag zum restlichen Programm des Burgfolks so gar nicht passen, das sieht ironischerweise die Band selbst ebenso. Heimataerde tragen Ritterrüstungen und haben als Maskerade blutverschmierte Gesichter. Deren Musik ist äußerst brachial und erfreut eher Elektro- und EBM-Freunde. Dazu gesellen sich Textzeilen wie „Wir sind die Gotteskrieger“, jedoch lassen Heimataerde jedes Gefühl von Ironie vermissen, sie scheinen dies weitgehend ernst zu meinen. Sicherlich haben auch sie ihre Fans, viele allerdings können mit den harten Beats und dem aggressiven Sound nicht warm werden und so nutzen einige ihre Zeit für eine Mittagspause.

Danach wird es ruhiger und akustischer. Mastermind Eric Fish – ja, der von Subway To Sally – bietet einen Querschnitt verschiedener Coverversionen unterschiedlicher Folkgenres. Dazu gesellen sich ein paar Freunde an Gitarre, Cello, Klavier und Backgroundgesang. Leider quascht Herr Fish viel und auch der Humor a la: Ihr seid das Burgvolk vom Burgfolk kommt nicht besonders gut an. Es dauert lang, jedoch mit den Coverversionen von Polices „Message In A Bottle“ und Bob Geldofs „The Great Song Of Indifference“ bekommt er die Kurve und den meisten Applaus des Tages. Endlich scheint das Publikum erwacht, ist es im Vergleich zum Vortag doch deutlich reservierter.

Mit der nächsten Band wird es dann wieder härter, denn den Schweden Fejd gehört die Bühne. Diese scheinen besonders vom weiblichen Publikum erwartet zu werden, denn es sind vor allem Besucherinnen, die mit Band –T-Shirts ausgestattet sind. Ihr Stil geht eindeutig Richtung Metal, obwohl kurioserweise keinerlei E-Gitarren eingesetzt werden. Es sind die üblich genutzten mittelalterlichen Instrumente, wie Sackpfeife, Drehleier gemixt mit Bass und Schlagzeug und Texten in schwedisch, die sich größtenteils um Märchen und Sagen ranken.
Doch richtig wachgerüttelt werden die Burgfolk-Besucher erst von der nachfolgenden Band Tanzwut. Diese wurden letztlich sehnsüchtig erwartet und mit ihrer Selbstironie, ihren Ansagen und neuem Material aus dem kommendem Album „Höllenfahrt“, welches am 06. September erscheinen wird, versteht es vor allem Frontmann Teufel, die Gunst des Publikums für sich zu gewinnen. Zwar wird auch bei dem Ausblick auf „Höllenfahrt“ das Rad nicht neu erfunden, zeigt aber, dass die musikalische Kost Tanzwut auf einem hohen Niveau geblieben ist. Gut arrangiert und eingespielt treibt die Musik zum Tanzen oder anderen Mitmach-Aktionen an, obwohl nur Dudelsäcke, Schlagzeug und Klavier den Sound prägen, denn auch die Berliner Combo hat nur einige Stücke mit Gesang. Es ist die Prise Neuer Deutscher Härte, die diese Band von den Anderen des Burgfolks unterscheidet.

Jetzt wo nach dem Gig von Tanzwut die Stimmung am Besten ist, da darf mehr Spaß und Partystimmung in der Musik nicht fehlen. Alestorm blödeln auf der Bühne etwas herum, dabei wird es jedoch nie wirklich albern. Mit Trinkhymnen wie „One More Drink“ und einem gehörigen Anteil von Punk in der Musik, gehen die Leute ab – und noch wichtiger, sie haben Freude. Die Schotten von Alestorm haben den Schalk im Nacken und sind dadurch die Allzweckwaffe für diverse Festivals. Sie konnten dieses Jahr bereits auf Wacken die Massen begeistern und sind längst kein Geheimtipp mehr. Mit viel Fun und lautem Sound endet das Burgfolk genau richtig. Hat der zweite Tag zunächst etwas von der Harmonie des Vortages eingebüßt, fahren nach über einer Stunde Folkmetal vom Feinsten die Besucher mit einem Lächeln auf dem Lippen nach Hause. So bleiben die guten Seiten in Erinnerung und man kommt nächstes Jahr gern wieder.

Jan Rombout für Rock Fanatics

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