Bilderbuch – 28.03.2017 – Palladium, Köln

Wenn Kritiker und Publikum sich einig sind, ist das auf jeden Fall förderlich für die Karriere. Im Fall der österreichischen Band Bilderbuch lässt sich ablesen, wie steil die Zuschauergunst steigt, wenn mehrere Genres bedient werden und somit ein breites Publikum angesprochen wird. Binnen weniger Monate werden die Locations für Livekonzerte so groß, dass sie in der Domstadt das Palladium ausverkauft bekommen. Aber auch in den Medien sind Bilderbuch immer präsenter und selbst renommierte Kulturmagazine wie Aspekte reißen sich um die Wiener Band.

Bevor der Gig von Bilderbuch an diesem Abend starten kann, bekommt Mavi Phoenix die Gelegenheit ihre Musik den Kölnern näherzubringen. Sie kommt ebenfalls aus Österreich (Linz) und veröffentlicht am 31.03.2017 ihre EP „Young Prophet“. Ihr Stil bewegt sich zwischen Lo-Fi Pop und Urban Rap Pop Rock, ihr Gesang oder ihre Stimme werden stets verfremdet. Als Live-Set mit einem DJ im Hintergrund ist dies nicht Musik für Jedermann und wirkt bizarr. Künstlerisch hat es allerdings ein merkliches Niveau, es ist gut raus zu hören, dass die gebürtige Marlene Nader nicht umsonst für zwei Amadeus‘, welcher der wichtigste Musikpreis Österreichs ist, nominiert. Mehr als höflichen Applaus bekommt Mavi Phoenix, die noch nie vor so einem großen Publikum performed hat, vor allem von den vorderen Reihen.

Doch die Stimmung kann sich noch steigern als die Jungs von Bilderbuch mit „I <3 Stress“ ihre Show beginnen. Und Show trifft den Nagel auf den Kopf. Denn es ist bunt und laut gleichermaßen. Eine Leuchtwand im Hintergrund, die sich bis zu der Decke erstreckt und stetig die Farbe wechseln kann und dies auch tut, mixt sich mit einem wuchtigen, groovigen und souligen Sound, der vor allem sehr viel Rhythmus in sich trägt. Der ganze Abend bleibt die Musik tanzbar. Manchmal erinnert es einen ein wenig nach Jan Delay & Disco No. 1, wo es auch bei Konzerten überwiegend um Partystimmung geht. Die verbreitet auch Sänger und Frontmann Maurice Ernst, der seinem Nachnamen in Köln so gar keine Ehre macht. Er ist derjenige mit Ansagen, Zwischenrufen, Aufheiterungen und Jubelschreien. Dabei gehört es zur Show und zum Konzept dazu, dass er einen auf dicke Hose macht und sich etwas überheblich gibt. Songs wie „Erzähl deinen Mädels ich bin wieder in der Stadt“ unterstreichen den Stil. Doch geht dieser Stil auf? Und wie. Die 4000 Kölner tanzen mit und erfreuen sich an den Sounds und Beats, singen aber auch kräftig und lauthals mit. Dass Bilderbuch mit ziemlicher Sicherheit dabei weder Klang noch Lieder für die Ewigkeit erschaffen haben, tut der Stimmung im Kölner Palladium gar keinen Abbruch. Für den einen oder anderen mag es an mancher Stelle etwas zu dick aufgetragen zu sein, doch das macht den Stil Bilderbuchs aus und so mögen es (noch?) ihre Fans. Wohin sie sich entwickeln bleibt offen. So offen wie ein Bilderbuch.

Setlist:

I <3 Stress
sneakers4free
OM
Erzähl deinen Mädels ich bin wieder in der Stadt
Gigolo
Plansch
Spliff
Sprit N‘ Soda
Investment 7
Babylon
Softdrink
Superfunkypartytime
Schick Schock
Baba
Maschin
Baba 2
Bungalow
sneakers4free Outro

Feinste Seide
Willkommen im Dschungel
Sweetlove

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