Anneke van Giersbergen – 18.10.2013 – Colos Saal, Aschaffenburg

Am 18. Oktober war Damenwahl im Colos-Saal Aschaffenburg. Zwei Ladies hatten zum Tänzchen geladen, die nicht nur optisch, sondern auch vom musikalischen Hintergrund ziemlich unterschiedlich sind. Auf der einen Seite, die wuchtige Amanda Somerville – blonde, lange Mähne, mit Anmut und Bühnenpräsenz einer Opern-Diva und kräftigem Mezzosopran – auf der anderen Seite die zierliche Anneke van Giersbergen – mit frisch eröteter Haarpracht, zurückhaltend, erst mal in Fahrt gekommen, aber mit jeder Menge sichtbarer Spielfreude und glasklarem Sopran. Soweit, so unterschiedlich. Der Abend sollte aber zeigen, dass alles wunderbar zusammen passte.

Pünktlich halb acht standen Amanda Somerville und Trillium auf der Bühne und legten los wie die Feuerwehr. Mit ordentlicher Wucht feuerte Amanda „Maschine Gun“ – den Opener des aktuellen Trillium-Albums „Alloy“ – durch die Anlange. Diese Power flößte Aschaffenburg offenbar Respekt ein. Es trauten sich nur eine handvoll Fans direkt vor die Bühne. Das übrige Publikum ließ einen respektvollen Abstand von zwei Reihen zur Bühne. Amanda hatte den ordentlich gefüllten Laden aber schnell im Griff. Es gab es jede Menge Spielfreude zu sehen und zu hören. Einzelne Ansagen auf Deutsch erfreute die Menge ebenso, wie die Ankündigung, dass es 2014 ein neues Kiske/Somerville-Album geben wird. Nach acht Songs voller Metal-Power lud man zum Meet & Greet an den Merch-Stand ein und wünschte viel Spaß mit Anneke.

Auf diese wartete Aschaffenburg nun: Anneke van Giersbergen – die Dame des Abends. Dass sie vielen immer noch als ehemalige Frontfrau der Prog-Rocker The Gathering bekannt ist, zeigte sich nun auch im Publikum. Waren zu Trillium noch fast ausschließlich Metal-Shirts zu sehen, mischten sich nun immer mehr „Prog-Lover“ unters Volk.
Halb zehn betraten Anneke und ihre fünfköpfige Band die Bühne und legten mit den beiden neuen Songs „You Will Never Change“ und „Drive“ gleich ein ziemlich gutes Tempo vor. Anneke selbst wirkte zwar noch etwas zurückhaltend, das kann man aber vielleicht auf kleinere Probleme mit ihrem Monitor-Sound schieben. Sie sollte sich im Verlaufe der Show an die Aschaffenburger gewöhnen.

Mit „Saturnine“ (vom 2000er Album „if_than_else“) gab es danach den ersten The Gathering Song des Abends. So waren schon früh auch die Anhänger der „guten alten Zeiten“ versöhnt. Weiter ging es mit Songs von ihrem neuen Album „Drive“, immer wieder gewürzt durch charmanten Flirtereien mit ihren Gästen vor der Bühne.
Mit jedem Song steigerte sich jetzt das Tempo und die Energie. Nach dem siebenten Song („She“) verordnete Anneke allen eine kleine Verschnaufpause. Ihre Band verließ die Bühne, sie selbst bekam eine Akustik-Gitarre gereicht und mit einem augenzwinkernden „…and now it’s only you and me“ ging man zum intimeren Teil des Abends über. Es folgten der Agua de Annique-Song „The Beautiful One“ (von „Air“, 2007) und „Circles“. Bei diesem Zwischenspiel war zum ersten Mal an diesem Abend Annekes wunderbare und klare Stimme deutlich zu hören. Bei den Nummern mit Band ging sie leider immer etwas unter.

Zu „My Mother Said“ durfte die Band dann wieder mitspielen und das Tempo zog mit „Forgive Me“ langsam wieder an. Spätestens bei Annekes erklärtem Lieblingssong „Mental Jungle“ war dann auch Bewegung im ganzen Saal. Dass dabei die Stimme des türkischen Metal-Sängers Hayko Cepkin vom Band kam, störte kein bisschen. Anneke war nun völlig warm geworden, strahlte über das ganze Gesicht und schwang das Tanzbein. Man sieht zu selten Musiker, die so sehr auf ihrer eigene Musik abgehen.

Mit dem 15. Song des Abends („Shooting from the Stars“) verabschiedeten sich Anneke und Band fürs Erste von der Bühne. Es sollte aber nicht lange dauern, da stand sie – diesmal nur mit ihrer Keyboarderin – wieder auf der Bühne. Die beiden gaben den zweiten The Gathering Song der Show „Broken Glass“ (Souvenirs, 2009) zum Besten. Es folgten drei weitere Songs – mit Band – bevor sich Aschaffenburg dann endgültig und schweren Herzens von Anneke verabschieden musste.

Am Ende des Abends wurde das komplette neue Album durch gerockt. Anneke selbst hatte vorher versprochen, es würde „still heavy“ klingen. Dieser Beweis ist erbracht – eingängig, mit dunklen Einflüssen, etwas poppig, voller Energie, abwechslungsreich und unbedingt für die Bühne gemacht.

Anneke und Band ziehen jetzt eine Schleife durchs Ausland, bevor sie Ende Oktober nochmal in unseren Breitengraden auftreten. Hingehen und anschauen!

27.10.2013 Pratteln (Schweiz) – Galery
29.10.2013 Hamburg – Knust
30.10.2013 Osnabrück – Kleine Freiheit
01.11.2013 Berlin – K17
02.11.2013 Steinheim – Stadthalle

Setlist:
You Will Never Change
Drive
Saturnine
Treat Me Like a Lady
My Boy
1000 Miles Away from You
She
Beautiful One
Circles
My Mother Said
Forgive Me
Mental Jungle
You Want to Be Free
Stay
Shooting for the Stars

Zugabe:
Broken Glass
We Live On
Feel Alive
The Best Is Yet to Come

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