Alice Cooper – 31.05.2014 – Phönix-Halle, Mainz

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Alice Cooper – der Meister des großen Rock-Horror-Theaters – wird einfach nicht müde. Der 66-Jährige hat seine – bereits im Herbst 2012 gestartete „Raise The Dead“- Tour – ein weiteres Mal verlängert. So kamen auch die Fans in Mainz noch einmal in den Genuss seiner spektakulären Bühnenshow. In der vollen Phönix-Halle rockte er sich mit seiner grandiosen Live-Band durch eine exzellenten Setlist. Eröffnet wurde der Gig von Fyre! – einer frischen Band um die argentinische Frontfrau Alejandra Burgos.

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Fyre! stehen noch vor der Veröffentlichung ihres Debütalbums, welches im September mit dem Titel „Missy Powerful“ erscheinen soll. Der Name ist hier Programm. Wenn man sich bei der sympathischen und charismatischen Band-Leaderin um zwei Dinge keine Sorgen machen muss, dann sind es Power und Feuer. Mit jeder Menge Spielfreude und Energie zockten die fünf Bandmitglieder ihre eigenen Songs runter und wagten sich sogar an Led Zeppelins „Stairway to Heaven“. Das kann zumindest als mutig bezeichnet werden. An der Umsetzung gab es aber nichts zu meckern. Geboten wurden zehn Songs, die irgendwo zwischen Metal und Hardrock einzuordnen sind. Gesanglich konnte Burgos sowohl mit sanfter Stimme, als auch mit rockigem Röhren überzeugen. Fyre! erspielten sich so schnell die Sympathien der Mainzer.  Ob es dann noch dringend nötig war am Ende des Sets die – eigens dafür gereichte – Flying-V-Gitarre zu zerstören, darüber gibt es sicher geteilte Meinungen.

Gegen 21 Uhr ertönten dann von der verhüllten Bühne die ersten Töne von „The Underture“. Der fallende Vorhang gab den Blick frei auf die Alice Cooper Band. Orianthi, Ryan Roxie und Tommy Henriksen bedienten die drei Gitarren, während Chuck Garric (Bass) und Glen Sobel (Schlagzeug) die Rhythmusfraktion bildeten. Letzterer thronte mit seinem Drum-Kit auf einem Podest zwei Meter über der Bühne, die feierlich geschmückt war mit Grusel-Accessoires. Als die Fünf vom Intro schwungvoll zur Begrüßung auf „Hello Hooray“ umschwenkten und Funken von der Bühnendecke regneten, betrat auch der Meister selbst – mit eben diesem Ausruf – die Bühne. Sofort hatte er die jubelnde Menge in der Hand und dirigierte sie nach Belieben.
Es folgte „House of Fire“ („Trash“, 1989) und Cooper schickte die Gäste seines Rock-Theaters auf eine Zeitreise durch seine Vergangenheit. Songs aus den frühen 70er Jahren, wie z.B. „No More Mr. Nice Guy“ („Billion Dollar Babies“, 1973) und Under My Wheels („Killer“, 1971) wurden ebenso gespielt, wie Stücke seines 2011er Albums „Welcome 2 My Nightmare“. Die älteren Songs klangen live roher, kraftvoller und rockiger als auf den Platten. Spätestens bei „Hey Stoopid“ (gleichnamiges Album, 1991) war auch in die hinteren Reihen der Phönix-Halle Bewegung und es wurde lauthals mitgegröhlt.
Cooper nahm sich zwischen und während der Songs immer mal wieder Auszeiten, um sich in ein neues Outfit zu hüllen. Besonders viel Zeit hatte er dazu während „Dirty Diamonds“ (2005) bei dem sich alle Instrumentalisten mit Solis auszeichnen konnten.

Das richtige Theater begann im zweiten Teil der Show. Zu „Feed My Frankenstein“ erschien Cooper mit blutverschmierter Schürze auf der Bühne. Während des Songs legte er sich auf eine überdimensionale Labor-Liege, die von einem Assistenten unter Strom gesetzt wurde. Dadurch wurde Cooper zu einem drei Meter großen Monster, welches – einige Stimmlagen tiefer – den Song weiter sang und über die Bühne stampfte. In eine Zwangsjacke gehüllt wurde Cooper danach wieder auf die Bühne geführt und sang „Ballad of Dwight Fry“. An dessen Ende konnte er sich befreien und versuchte seine Krankenschwester zu erdrosseln. Zur Strafe und unter lauten Buh-Rufen aus dem Publikum wurde sein Haupt unter einer riesigen Guillotine gebettet und er verlor selbiges mit einem lauten Knall. Während die Band „I Love the Dead“ sang, rannte einer der Schergen mit Coopers abgetrenntem Kopf über den Bühne.

Als er danach – und wie durch ein Wunder unversehrt – wieder auf der Bühne stand, wurde an der Rückseite der Bühne ein großes Banner entrollt. Es zeigte den Grabstein von Jim Morrison. Damit begann ein Ausblick in die Zukunft, denn Cooper hat noch für dieses Jahr ein Album mit Cover-Songs angekündigt. An diesem Abend spielte er „Break On Through (to the Other Side)“, „Revolution“, „Foxy Lady“ und „My Generation“, wozu jeweils noch die Grabsteine von John Lennon, Jimi Hendrix und Keith Moon enthüllt wurden. Während des Refrains vom „My Generation“ deutete Cooper – der 1948 geboren, zu genau dieser Generation gehört – einmal über alle Grabsteine. Das angekündigte Album darf also vermutlich als Verneigung vor den – bereits verstorbenen – Künstlern seiner Generation gewertet werden.

Mit lauten Explosionen und Feuerwerk beendete „Poison“ das reguläre Set. Coopers Abschiedsworte „You are my Poison!“ sind vielleicht die Antwort auf die Frage, warum er – mit weit über 60 – immer noch ausgedehnte Live-Touren auf sich nimmt.
Die lauten Rufe nach einer Zugabe wurden mit einer schrillen Schulklingel beantwortet. Es wurden Luftschlangen und riesige Luftballons ins Publikum geschossen und Alice Cooper betrat – in einen Glitzer-Anzug gehüllt – ein letztes Mal die Bühne um Mainz zu geben, was noch fehlte: „School’s Out“. Das alleine wäre dann aber doch zu unspektakulär und so wurden in den Song noch einige Textzeilen von Pink Floyds „Another Brick in the Wall“ hineingemischt.
Nach der Vorstellung der Band und artigen Verbeugungen endete das Konzert um 23 Uhr mit ausschließlich glücklichen Gesichtern vor und auf der Bühne. Für Cooper geht es nun weiter nach Nord-Europa, bevor er den Rest des Jahres mit Mötley Crüe durch die USA tourt – You’re poison, I don’t wanna break these chains…

Die Fotos von der Show gibt es hier.

Setlist:
The Underture
Hello Hooray
House of Fire
No More Mr. Nice Guy
Under My Wheels
I’ll Bite Your Face Off
Billion Dollar Babies
Caffeine
Department of Youth
Hey Stoopid
Dirty Diamonds
Welcome to My Nightmare
Go to Hell
He’s Back (The Man Behind the Mask)
Feed My Frankenstein
Ballad of Dwight Fry
I Love the Dead
Under the Bed
Break On Through (to the Other Side)
Revolution
Foxy Lady
My Generation
I’m Eighteen
Poison

School’s Out

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