30 Jahre Idiots Records – Jubiläumsfeier

Idiots_Records_JubilaeumDer Plattenladen Idiots Records ist Kult – nicht nur in Dortmund. Am 1. Februar 1987 eröffnete Sir Hannes seinen Laden an der Münsterstraße, im Norden Dortmunds. Zuvor verkaufte er Musik aus seinem Schlafzimmer. Bei ihm stattfindende Partys und Mailorder ermöglichten Hannes Musik unter die Leute zu bringen. Da das Schlafzimmer schnell nicht mehr ausreichte, gründete er Idiots Records. Der Name kommt von The Idiots, eine der ersten deutschen Punkbands, die er 1978 gründete. Doch auch die Fläche an der Münsterstraße war schnell ausgelastet und Sir Hannes zog 1992 mit seinem Laden an die Rheinische Straße. Dort ist er fest etabliert und mittlerweile der älteste und erfolgreichste Heavy-Metal und Indie-Laden Deutschlands.

Am 04.02. wurde das 30-jährige Bestehen des kultigen Plattenladens gebührend im FZW in Dortmund gefeiert – 7 Bands – 7 Stunden Konzert. Das Publikum war bunt gemischt –Oldschool Punker, Fans, die Idiots Records von Beginn an besuchen, als auch jüngere Fans, die den Laden erst seit einigen Jahren lieben gelernt haben.

Den Anfang der Geburtstagsfeier machte die Dortmunder Band Kadaverficker, die ihre Musik selbst als „Nekrokore“ bezeichnen. Die Formation um den Goreminister spielten ein halbstündiges Set, mit Songs wie „Nekrobama, death we can“, welchen sie dem vergangenen US Präsidenten Obama gewidmet haben, „Shades of decay“ und „Pimp my Leichenwagen“. „So viel Applaus haben wir noch nie bekommen für den Dreck“, scherzte der Goreminister und verabschiedete sich mit der Anweisung „huldigt die anderen Bands, die sind wesentlich besser als wir.“ Eine der anderen Bands war Scumfuck Outlaws, die im Anschluss spielte. Sie verschreiben sich dem Hardcore und Punkrock. Auch sie hatten eine halbe Stunde Spielzeit und prügelten ihr Set durch – „da wir keine Zeit haben und viel zu erzählen“. Platz genug war aber unter anderem für „Tonight“, „Aimless“, und „Wake Up Call“. Düsterer ging’s weiter mit den Death-Metallern von Sulphur Aeon. Sie waren die erste Band, an dem Abend, die eine 45-minütige Spielzeit hatten. Im Hintergrund der Bühne hing ein großer Banner mit dem Cover ihres letzten Albums „Gateway to the Antisphere“, von dem sie einige Songs zum Besten gaben. Während ihres Sets füllte sich stetig die Halle und das Publikum heizte ihnen ordentlich ein. Mit dem Toast „auf die nächsten 30 Jahre“ verabschiedeten sie sich von der Bühne und machten Platz für den Honigdieb – Sir Hannes‘ erster Auftritt an dem Abend. Mit seiner Band bestehend aus Violine, Querflöte, Schlagzeug und Gitarre sorgte Hannes für ein Kontrastprogramm zu den vorherigen eher düsteren Bands. „Kultur für das Ruhrgebiet, Kultur für Dortmund“, kündigte er seinen Auftritt an und bedankte sich bei allen, die das Festival möglich gemacht haben.

Setlist:

  1. Verkehrt
  2. Meine Tür
  3. Unterwegs in Sachen Liebe
  4. P.O.R.N.O.
  5. Ich Gott
  6. Schwarzer Peter
  7. Madame
  8. Auf der Suche nach dem Glück
  9. C.U.V.
  10. Sei wie du bist
  11. Tier
  12. Überholspur

Nach 45-Minuten Gute-Laune-Musik inklusive Polonaise durch das Publikum ging es mit der Bremer Punkband Dimple Minds weiter, die 1989 zum ersten Mal gemeinsam mit den Idiots auf Tour waren. Die ersten Fans begannen zu Pogen und gröhlten lauthals mit zu „Autopilot“, „Wir sind jung“ und „Alles was wir wollen“. Bei dem Klassiker „Durstige Männer“ war die Menge nicht mehr zu halten und schrie nach einer Zugabe. Doch aufgrund des straffen Zeitplans des Abends war kein weiterer Song mehr drin. Es ging quasi nahtlos weiter mit dem zweiten Auftritt von Sir Hannes mit seiner Band The Idiots. Hannes betrat, wie gewohnt, in Lederjacke und Polizeimütze die Bühne. Mittlerweile hatte sich die Halle komplett gefüllt und das Publikum war bereit dem Punk-Pionier anständig zum Jubiläum seines Ladens zu gratulieren – mit ausgelassenem Pogen und mitgröhlen der Texte. Auf der Setlist waren unter anderem die Klassiker „Fleischwolf“, „Selbstmord“, „Der Idiot“, „Nie wieder Alkohol“ und natürlich „Der S04 und der BVB“ vertreten. Am Ende des Konzerts wurde Sir Hannes von der Idiots Records Belegschaft ein Buch überreicht, in das seine Kunden geschrieben haben und 750€, die gesammelt wurden, damit „er sich und seiner Frau ein Wellness-Wochenende gönnen kann“, doch Hannes hat andere Pläne mit dem Geld und sagte „es gibt Leute, die das Geld mehr brauchen als ich. Das geht alles an bodo. [Anm. der Red.: Bodo e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der die soziale Reintegration von Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützt. Mehr Infos findet ihr hier.]   Dankeschön!“

Als letzter Act standen die Urväter des Black Thrash auf dem Line-Up – Desaster. Die Metaller aus Koblenz griffen mit ihrer Musik erneut die harten Klänge vom Anfang des Abends auf und rundeten die Jubiläumsfeier gelungen ab. Sie spielten noch bis weit nach Mitternacht, während das Publikum immer kleiner wurde – nach über sechs Stunden Konzert waren die Füße einfach platt. Wer aber auch nach Desaster noch nicht genug hatte, konnte entweder im Café des FZW zur Oi-Ska-Indie Disco oder nebenan in die kleine Halle zur Metal-Disco weiter tanzen.

Auf die nächsten 30 Jahre Idiots Records!

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